Sonntag, Mai 03, 2015

Josef - Arbeiter und Nährvater




+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 13:54 – 58

In jener Zeit
54kam Jesus in seine Heimatstadt und lehrte die Menschen dort in der Synagoge. Da staunten alle und sagten: Woher hat er diese Weisheit und die Kraft, Wunder zu tun?
55Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria, und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder?
56Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles?
57Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie.
58Und wegen ihres Unglaubens tat er dort nur wenige Wunder.



Wir feiern heute den hl. Josef – nicht als Nährvater sondern als Arbeiter. Der Unterschied zwischen diesen beiden Berufen ist, dass der Nährvater nicht ohne Arbeiter sein kann – wohl aber der Arbeiter ohne Nährvater.
Der Arbeiter „nährt“ nämlich den Nährvater; der lebt also vom Arbeiter – sonst hätte der Nährvater nichts, mit dem er ernähren könnte – sich und andere.

Darum ist der Josef, der Arbeiter eine wichtige Ergänzung zum Josef, dem Nährvater. Die Leute sollen nämlich wissen, wie Josef seine Familie durch Arbeit ernährt hat. So hat er ein Heiliges in der Arbeit erkannt in der Sorge für andere. Er hat dadurch nicht nur sich selbst sondern auch Maria und deren Kind Jesus gefördert.

Davon erfahren wir heut im Evangelium nur nebenbei – indem Jesus als der Sohn des Zimmermanns bezeichnet wird.
Josef hat also das Zimmermann gearbeitet; darum sehen wir ihn außer mit seinem Sohn mit einem Beil, einem Winkeleisen oder einer Säge abgebildet.
Arbeit mit Holz erfordert Genauigkeit und Ausdauer im Arbeiten an einer Vorgabe: soll’s ein Haus sein, oder ein Werkzeug, ein Gefäß oder sonst was aus Holz.

Nach den Vorgaben, die Gott ihm in Träumen zum Zimmern gegeben hat und wie er diese Vorgaben ausgeführt hat, muss Josef wohl ein exzellenter Zimmermann und damit auch ein verlässlicher Nährvater gewesen sein.
Er war auch für Expressaufträge zu haben: Denn wir lesen: „Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.“ (Mt 2:14)

Wenn wir Josef, den Arbeiter, zu Beginn des Marienmonats Mai feiern, dann deshalb, weil seine Vorgabe für diesen Monat die ist, dass er seiner Frau Maria eine Wonnemonat bereitet, an dem sie ihre reine Freude hat. Wir dürfen dabei seine Mitarbeiter, seine Gesellen, seine Handlanger sein. Das sind wir, indem wir erneut bewusst unsere Dankbarkeit für und unsere Freude an einer solchen Mutter ausdrücken in Liedern, Gebeten und Bitten. Und genau das wollen wir bei der heutigen Wallfahrt tun. Aber welch größere Freude können wir ihr machen, als wenn wir ihrem Sohn gut sind und für die Kirche im Kleinen und Großen beten: Für unsere verfolgten Geschwister überall in der Welt, für die geplagten Menschen in Nepal, für Papst Franziskus, unseren Bischof Manfred und alle Hirten unserer Kirche, für euch Karmelitinnen und das Generalkapitel unseres Ordens, das morgen beginnt, für alle unseren persönlichen Anliegen.

So erweisen wir uns als Kinder einer solchen Mutter wie Maria und eines solchen Vaters wie Josef. Bei beiden haben wir gelernt, das Handwerkzeug unseres christlichen Lebens möglichst einzusetzen im Loben, Danken und Bitten, im Vertrauen, in entschlossener Hingabe mit Leib und Seele.

Dann wird, was Rilke so unnachahmlich geschrieben hat:
Es gibt im Grunde nur Gebete,
so sind die Hände uns geweiht,
dass sie nichts schufen, was nicht flehte;
ob einer malte oder mähte,
schon aus dem Ringen der Geräte
entfaltete sich Frömmigkeit.“

Und Beten und Tun werden ineins – das eine erfließt aus dem anderen, das eine  wird im anderen – zur größeren Ehre Gottes! Amen!

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