Mittwoch, Mai 13, 2015

Gegangen und doch geblieben




+ Aus dem hl. Evangelium nach Markus 16: 15 – 20

15Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
16Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
17Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.




Gegangen und doch geblieben ist Jesus im heutigen Evangelium.
Eine letzte Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen – ein abschließendes Gespräch, das den Jüngern die Zukunft eröffnet durch Auftrag und Verheißung.
Dann die Trennung der Wege: Jesus wird in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes; die Jünger hingegen zogen aus und predigten überall.

Die Aufnahme Jesu in den Himmel bedeutet die Beendigung einer bestimmten Beziehung zu Jesus – um eine neue Beziehung mit ihm zu beginnen.
Beendet wird die Beziehung zu Jesus von Mensch zu Mensch. Begonnen wird die Beziehung zu Jesus von Mensch zu dem, in das er sich hineingegeben hat:
in das Evangelium, das von ihm berichtet;
in den Auftrag zu seiner Verkündigung, den er persönlich ihnen gegeben hat;
beistehend in den Zeichen, die er geschehen ließ zur Bekräftigung ihrer Predigt.
Wohl wurde Jesus in den Himmel aufgenommen – und ist dennoch gegenwärtig geblieben in den Spuren, die er hinterlässt.

Der Sendung durch Jesus konnten sie erst nachkommen, nachdem er die ortsgebundene Verbundenheit zu ihnen durch die Aufnahme in den Himmel gelöst hatte. Das heutige Fest kommt einer gegenseitigen Freigabe gleich: Die Jünger lassen Jesus in den Himmel gehen; Jesus lässt die Jünger in alle Welt gehen. Dennoch gehen sie nicht „unbelastet“ voneinander: Jesus nimmt in den Himmel mit, was er mit seinen Jüngern erlebt hat; sie nehmen mit, was sie mit ihm erlebt haben – was im Evangelium enthalten ist. So nimmt Jesus sie in den Himmel mit und sie nehmen ihn in alle Welt mit.

Beides geschieht zu ihrem Heil: Was Jesus von ihnen mitnimmt, nimmt er mit zu Gott; und wo wären sie besser aufgehoben! Er nimmt aber nicht nur ihre Vergangenheit mit zu Gott sondern auch ihre Zukunft; und das ist großartig, denn da sind auch wir drinnen. Denn wir gehören zu denen, die ihr Evangelium hören, das sie allen Geschöpfen verkündet haben. Und wenn wir es nicht nur hören, um es wieder zu vergessen, sondern auch auf es hören, dass wir also auch danach leben – umso besser für uns.
Und wenn wir schließlich gar noch unsere Berufung entdecken, nicht nur auf das Evangelium zu hören sondern es auch noch zu verkünden – dann bedeutet das gleichsam einen doppelten Segen, weil doppelt deponiert bei Gott.

Es geschieht auch zu ihrem Heil, wenn sie ihn in alle Welt mitnehmen um ihn aller Welt in der Verkündigung zu schenken: denen, die hören und denen die nicht hören; denen, die glauben und denen, die nicht glauben; den Bösen und den Guten; den Kleinen und den Großen. Niemanden nimmt der Herr heute von dem Auftrag aus, den er seinen Jüngern gibt, wenn er sie zu allen Geschöpfen schickt, sein Evangelium zu verkünden. Ja, er schließt dabei sogar die ganze außermenschliche Schöpfung mit ein.
Darum ist es den Jüngern zum Guten, wenn sie den Auftrag des Herrn erfüllen und es ist den Jüngern einen Freude von ihrem Freund Jesus zu erzählen und die Menschen mit den Worten des Evangeliums zu beschenken, zu bereichern, zu beglücken.

Die Aufnahme Jesu in den Himmel fordert die Jünger, flexibel zu sein und sich einzustellen auf die neue Kommunikationsebene mit Jesus. Darauf wurden sie aber vorbereitet in den 40 Tagen seit Jesu Auferstehung.

Das ist auch ein Thema für jeden von uns: Dass wir uns bewusst sind oder es uns machen, dass Jesus uns auf verschiedenen Wegen begegnen möchte und dass wir uns hüten, ihn auf bestimmte Wege zu fixieren. Als Kinder hat Jesus uns anders angesprochen als er es jetzt tut. Zu Jugendlichen hat er einen anderen Draht als zu Senioren.

Aufnahme Jesu in den Himmel kann für mich die Frage bedeuten: Jesus, wie möchtest du mir fortan begegnen? Wo kann ich dich finden, nachdem du in den Himmel aufgenommen wurdest, weg von der bisher vertrauten Nähe zu mir? Wo und wie willst du mir jetzt nahe sein?
Dieses Fragen will mich zu einem neuen Himmel in der Beziehung zu ihm führen. So wird seine Himmelfahrt auch für mich eine – womöglich erst nach einer Nacht- oder Höllenfahrt, in der ich mich schmerzhaft vom bisherigen Himmel mit Jesus getrennt und für einen neuen Himmel mit ihm freigemacht habe.

Die Himmelfahrt Jesu macht es möglich, den Himmel mit Jesus hier auf Erden auf so viele Weisen zu erleben, wie der Herr Möglichkeiten zulässt, ihm zu begegnen. Setzen wir ihm dabei keine Grenzen, kann Jesus uns den Himmel bereiten, der für uns der beste ist. Amen!

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