Samstag, April 18, 2015

Lebensoffensive


  
+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 20: 19 – 31

19Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
24Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
26Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
27Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!
29Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
30Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.
31Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.




Wir erleben Jesus heute voll in der Offensive seinen Jüngern gegenüber:
Er kommt zu ihnen und tritt in ihre Mitte,
er schenkt ihnen Frieden,
er zeigt ihnen seine Hände und seine Seite,
er sagt ihnen die Sendung durch den Vater zu,
er schenkt ihnen Heiligen Geist!
Die Jünger erfüllt dies alles mit Freude – auch diese Freude eine indirekte Gabe des Herrn!

Einen totale Lebensoffensive, die Jesus da beginnt. Er geht voll auf seine Jünger zu, die voll von ihm auf Distanz gegangen sind.

Bei Jesus ist nichts zu spüren von Verhaltenheit, von Ressentiment, von Krampf – als müsste er sich innerlich zu dieser Offensive nötigen, weil in irgendeinem Winkel seines Herzens doch noch Trauer, Betrübnis oder gar Zorn über das Verhalten seiner Jünger da wäre.
Vielmehr ist da die gleiche Ursprünglichkeit da wie damals, als er sie zum ersten Mal in seine Nachfolge gerufen hat von den Fischernetzen, vom Zoll, aus ihrem Alltagsleben weg.
Mit Händen zu greifen ist die gleiche Lebensfülle wie vor Tod und Auferstehung – nur jetzt in einer neuen Ungebrochenheit und in einer endgültigen Ungefährdetheit.

Es ist fast so, wie bei einem Musiker, der auf Tournee geht und alles aufwendet, um seine Fans zu sammeln und sie zu beeindrucken, so gut er kann. Der ist allerdings nach seinen Konzerten und gar nach der Tournee am Ende seiner Kräfte.
Jesus hingegen wird nicht mehr müde und nicht mehr matt. Er schöpft aus der nie mehr versiegenden Lebensquelle Gottes, in die er durch die Auferstehung für ewig hineingetaucht ist.

Oder wie die Sonne in den letzten Tagen mit ihrer Kraft, das Leben aus der Erde zieht und aus der Erde treibt und überfließend einen neuen Frühling werden lässt.

Jesus hält mit nichts zurück – von allem, was er hat, gibt er überreichlich, als hätte er nicht die mindeste Angst, es könnte die Lebensquelle in ihm einmal versiegen.

Wenn wir auf die Suche gehen danach, wie er das kann, werden wir fündig, wenn Jesus von sich sagt: “ Wie mich der Vater gesandt hat, .....“
Das ist sein unerschöpfliche Quelle, vom Vater gesendet zu sein. Jesus schöpft aus dem Vollen, indem er aus seinem Vater schöpft! Jetzt kann ihn nichts und niemand mehr daran hindern, nachdem er die Fesseln des Todes gesprengt hat und in die herrliche Lebensfülle bei Gott eingegangen ist.

Seht ihr den österlichen Menschen:
Der weiß um das Leben, das er hat,
der weiß, woher er’s hat,
der weiß, wo’s gebraucht wird und
der grenzenlos großzügig verschenkt.

Wir hörten Jesus sagen: „Wie mich der Vater gesandt hat....“ Aber wir hören Jesus dann auch sagen: „So sende ich euch!“
Wie der Vater der Rückhalt Jesu ist, so will Jesus unser Rückhalt sein.
Die Quelle aus der wir schöpfen, ist nicht die unsere – sie ist dei seine! Die Gaben, die wir austeilen, sind nicht die unseren sondern dei seinen.
Das müssen wir uns immer wieder bewusst machen; dieses Bewusstsein zeichnet den österlichen Menschen aus – ebenso, wie das Bestreben, immer mehr in die Großzügigkeit des auferstandenen Herrn hineinzuwachsen.

In der Kirche hat der Herr nämlich keinen Verein von knausrigen Pfennigfuchsern gegründet sondern ein Gemeinschaft von großzügig Schenkenden ins Leben gerufen, die nicht nur etwas von sich sondern sich selber schenken – und die schenken im Bewusstsein, dass sie die Gaben des Herrn verschwenden und er ihnen gerade dies als Auftrag mitgibt für alle Menschen unter allen Umständen und zu allen Zeiten.

Ins Leben gerufen hat der Herr seine Kirche – das heißt in SEIN Leben,
dass sie darin lebe, wie der Fisch im Wasser,
dass sie davon lebe, wie alles, was durch Wasser zu neuem Leben erwacht und
dass sie lebe für alle, deren Leben Not leidet, deren Leben eingeschränkt, beengt, unterdrückt und gefährdet ist.

Und gerade wie er in seinen Jüngern einzelne, unverwechselbare Menschen in sein Leben ruft und da auch nicht den ungläubigen Thomas ausnimmt – gerade so ruft der Herr auch jede und jeden einzelnen von uns in seine österliche Lebensfülle.
Und wie die Jünger dann ihr Osterleben in die jeweilige Lebenssituation hineingetragen haben – im mutigen Verkünden der Osterbotschaft ebenso wie im heilenden Vermitteln ihres österlichen Lebens – geradeso ist auch unser Alltag der Zielort unserer österlichen Lebensfülle.

Werden wir nicht müde, uns immer wieder  in beides zu vertiefen – in das, was der Herr uns geschenkt hat und – gedrängt dadurch – in das, wofür der Herr uns beschenkt hat. Es ist nämlich die österliche Eigenschaft unseres christlichen Lebens, dass wir gedrängt werden, dieses Leben teilen zu wollen.
Ein Leben, das wir bei uns verschließen und bei uns versauern lassen, hat mit Ostern nichts zu tun und hat mit Christentum nichts zu tun. Christliches Leben ist österliches Leben – ist Leben füreinander.

Papst Franziskus hat eine Lebensoffensive gestartet, indem er am 8.12.15 ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit eröffnet. In diesem Jahr mögen wir in der Barmherzigkeit Gottes die Quelle allen Lebens selber erkennen und anderen helfen sie zu erkennen.

Und meine Lebensoffensive? Wie schaut die aus?


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