Mittwoch, April 22, 2015

Jesus, Stepanus und die Gospa


 
Lesung aus der Apostelgeschichte Apg 7:51 – 8,1a

In jenen Tagen sagte Stephanus zu dem Volk, den Ältesten und den Schriftgelehrten:
51Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch mit Herz und Ohr immerzu dem Heiligen Geist widersetzt, eure Väter schon und nun auch ihr.
52Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid,
53ihr, die ihr durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen, es aber nicht gehalten habt.
54Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen.
55Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
56und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
57Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los,
58trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.
59So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
60Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.
1aSaulus aber war mit dem Mord einverstanden.


+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 6:30 – 35

In jener Zeit sagte die Menge zu Jesus: 
30Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du?
31Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.
32Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.
33Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.
34Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot!
35Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.




Oase des Friedens am 21.4.15 in Wilten/Basilika

Predigt

Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir haben eben zwei wunderbare Botschaften gehört: Die von Jesus, dass er das Brot des Lebens ist und zuvor die seines Jüngers Stephanus, der die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen sieht.
Zwei fundamentale Botschaften über Jesus
über seine Beziehung zu Gott und
über seine Beziehung zu uns.
Zwei österliche Botschaften, die uns umso mehr mit Freude erfüllen je mehr wir uns Jesus zuwenden, je tiefer wir in ihn hineinblicken dürfen, je mehr sich Jesus uns mitteilen möchte.

Diese Freude erfüllt nicht nur uns sondern vor allen anderen auch seine Mutter Maria. In der Botschaft der Gospa an die Seherin Mirjana vom 2. April 2015 strahlt diese Freude wie eine Sonne auf. Darum soll diese Botschaft das Gerüst für diese Predigt abgeben und helfen, die Botschaft Jesu und des Stephanus zu lesen und zu verstehen.

So spricht denn die Gospa zu Mirjana:
Liebe Kinder! Meine Apostel, ich habe euch auserwählt, weil ihr alle in euch etwas Schönes tragt. Ihr könnt mir helfen, dass die Liebe, wegen der mein Sohn gestorben und danach auferstanden ist, von neuem siegt.“

Liebe Kinderundmeine Apostelnennt sie ihre Zuhörer und stellt sich so als liebende Mutter und als die Königin der Apostel vor.
Auserwählt habe sie ihre lieben Kinder, weil sie etwas Schönes in sich tragen! Was wir dieses Schöne denn wohl sein, was sie so sehr anspricht? Es ist keine äußere kosmetische Schönheites ist eine innere Schönheit, die sie in ihrem Herzen tragen.
Lassen wir uns vom hl. Stephanus helfen. Von ihm hörten wir, er sei erfüllt gewesen vom Hl. Geist! Da haben wir sie: Es ist die Schönheit des Hl. Geistes! Lebendig steht das Wort des hl. Paulus vor Augen: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?“ (1Kor 6:19)

Es ist derselbe Hl. Geist, der auch sie erfüllt, der auch in ihr wohnt. Schönheit sucht und findet Schönheit. Gleich und gleich gesellt sich gerndas klingt banal, trifft hier aber zu. Die Gospa drückt so die Geistesverwandtschaft mit ihren Kindern aus.
Dieser Geist macht zu Gottes Kindern und macht die Kinder zu Aposteln – wie den hl. Stephanus.

Nachdem die Gospa ihre Kinder an ihren Geiststand erinnert hat rückt sie nun mit ihrem Anliegen heraus: Ihr könnt mir helfen, dass die Liebe, wegen der mein Sohn gestorben und danach auferstanden ist, von neuem siegt.“ Es geht ihr um den Sieg der österlichen Liebe ihres Sohnes; daraufhin richtet sie die apostolische Geisteskraft ihrer Kinder aus.

Erneut das Beispiel des hl. Stephanus, das er unter dem Steinhagel seiner Gegner gibt: Er schreit nicht um Hilfe, er verflucht nicht seine Gegner – er betet und wendet sich dabei an seinen Herrn Jesus, er möge seinen Geist aufnehmen. Ein Akt reiner, betender Hingabe! Und nachdem er seinen Geist ganz in Jesu Hände geborgen hat betet er weiterund zwar für seine Gegner: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Ganz in Jesu Händen ist Stephanus ganz frei von sich und ganz frei für seine Gegner, um auch ihnen diese Freiheit zu erbitten. Auf diese Weise verwirklicht er, was die Gospa dann als nächstes von ihren Aposteln wünscht: „Meine Apostel, deshalb rufe ich euch auf, dass ihr in jedem Geschöpf Gottes, in allen meinen Kindern, versucht, etwas Gutes zu sehen und sie zu verstehen versucht.“ Eben das hat Stephanus getan. Er hat in seinen Gegnern jene Güte gesehen, die des Erbarmens Gottes würdig ist, die das Erbarmen Gottes anzieht. Er hat in ihnen trotz allem Geschöpfe Gottes gesehen, welche die Gospa ihre Kinder zu nennen nicht scheut! Er hat auch in ihnen Menschen gesehen, die nach Gottes Gleichnis geschaffen sind; er hat so diese Menschen in ihrer tiefsten Würde erkannt und durch sein Beten gewürdigt.

Wie fügt sich doch die Ermordung des Stephanus ein in das entsetzliche Leiden und Sterben, das Christen auf sich nehmen in Gegenden, die von unmenschlichen islamistischen Terroristen beherrscht werden: Da werden unser Schwestern und Brüder enthauptet, gekreuzigt, bei lebendigem Leib begraben, vergewaltigt und auf jede erdenkliche Art geschändet. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit der Christenverfolgung durch die Römer, die jedoch von diesen ruchlosen Mörderbanden an Grausamkeit noch übertroffen werden.

Wir müssen uns sehr streng an das Beispiel des hl. Stephanus halten, um nicht unseren Frieden zu verlieren, auch für diese Unmenschen zu beten und so einem Frieden den Weg zu ebnen, den nur Gott geben kann.

Und eben zu diesem Frieden möchte die Gospa als die Königin des Friedens uns führen. Der Blick aufs Böse raubt den Frieden, der Blick aufs Gute schenkt den Frieden. Möge der Herr seine Güte in uns mehren, damit wir immer fähiger werden, uns vom innersten Guten selbst in unseren ärgsten Feinden ansprechen und berühren zu lassen.

Wie ermutigend und wie stärkend sind für uns die Worte des Gospa und das Beispiel des hl. Stephanus, wenn wir uns im Steinhagel unserer Gegner vorfinden. Dass wir nicht die Steine fürchten, nicht unsere Gegner sondern uns so rasch und so entschlossen wie möglich unserem Herrn Jesus zuwenden und ihm unseren Geist in die Hände legen. Und dass wir uns erst dann, von ihm gehalten und geführt, unseren Gegnern zuwenden ganz im Erbarmen des Herrn, ganz in seinem Geist der Freiheit, der Versöhnung und des Friedens – und für sie beten um die Gnade und das Erbarmen des Herrn.

In diesem Geist der Güte, des Erbarmens und der Versöhnung stimmt die Gospa nun ein Loblied an auf ihre Kinder und fährt in ihrer Botschaft fort:

Meine Kinder,
ihr alle seid Brüder und Schwestern durch denselben Heiligen Geist. Ihr, die ihr erfüllt seid mit Liebe für meinen Sohn, könnt all jenen, die diese Liebe nicht kennengelernt haben, erzählen, was ihr wisst.
Ihr habt die Liebe meines Sohnes kennen gelernt,
ihr habt Seine Auferstehung verstanden,
mit Freude richtet ihr die Augen zu Ihm auf.

Womöglich steigt in uns leichte Schamröte hoch, wenn wir die hohe Meinung der Gospa von uns hören, denn wir finden uns wohl kaum vollkommen in den so von ihr gelobten Kindern wieder.
Das weiß freilich auch sieund dennoch spricht sie so erhaben von uns. Denn sie weiß gewiss, dass das Potential dieser Kinder in uns da ist. Sie entfaltet nur die Schönheit des Hl. Geistes in uns, von der sie zu Beginn ihrer Botschaft so fasziniert ist.
Die Gospa möchte, dass auch wir zusammen mit ihr auf diese unsere innere Schönheit des Hl. Geistes achten und uns so der Macht und dem Reichtum dieses Geistes öffnen können.
Nicht auf unsere Schwachheit sollen wir starren und uns dadurch entmutigen lassen sonder über unsere Erbärmlichkeit hinweg sollen wir auf die Schönheit des Hl. Geistes in uns schauen und uns davon beleben, ermutigen und stärken lassen. Einmal mehr hören wir den Apostel Paulus uns zurufen: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12:21)

Sie nennt mit diesem Loblied, was ihre Kinder auszeichnet und woran sie erkennbar sind. Es ist eine sehr gute geistliche Übung, uns diese Kennzeichen vor Augen zu halten und uns mit dem Herzen zu prüfen, wie sie in unserem Leben wirksam sind.

Jedenfalls fasst sie mit dem folgenden mütterlichen Wunsch zusammen, was sie von ihren Kindern möchte: „Mein mütterlicher Wunsch ist es, dass alle meine Kinder vereint sind in der Liebe zu Jesus.“

Hört ihr! Je mehr wir Jesus lieben, umso mehr sind wir ihre Kinder! Je mehr Geschwister Jesu umso mehr ihre Kinder! Unsere Liebe zu Jesus ist die Freude ihres Herzens. Und wenn wir uns in herzlicher Freundschaft mit Jesus verbinden, dann jubelt seine Mutter und tanzt mit den Engeln um die Wette. Denn sie hockt ja nicht unentwegt auf einem Thronsessel – ist Maria doch Miriam, eine jüdische Frau, die das Tanzen im Blut hat und deshalb jede Möglichkeit nützt, mit den Engeln zu tanzen. Und wenn wir Jesus lieben, bieten wir ihr so eine Möglichkeit.

Am Ende ihrer Botschaft zeigt sie dann eine Weise an, wie wir Jesus lieben und ihm gut sein können: „Meine Apostel, deshalb rufe ich euch auf, dass ihr mit Freude die Eucharistie lebt, denn in der Eucharistie gibt sich mein Sohn euch immer von neuem und mit Seinem Vorbild zeigt Er die Liebe und das Opfer für den Nächsten.“

Die Gospa verweist uns auf die Eucharistie, auf die Anwesenheit des Herrn in der Hostie und im kostbaren Blut. Gerade haben wir Jesus von diesem Geheimnis sprechen hören: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (Joh 6:35)

Nun sollen wir die Eucharistie mit Freude leben, wünscht die Gospa und meint damit, dass wir die Haltung leben, die Jesus vorlebt – nämlich die Haltung der Hingabe an die Menschen; dass wir wie Jesus uns hineinleben in den Hunger und Durst der Menschen, dass sie nie mehr hungern und dürsten müssen.

Dazu müssen wir mit Jesus bei den Leuten sein, die hungern und dürsten; mit ihm müssen wir die Bitte der Leute hören: „Gib uns immer dieses Brot!“ (Joh 6:34) Das ist sehr herausfordernd und wir könnten uns schnell überfordert fühlen. Doch mit Jesus an der Seite dürfen wir diese Grenzerfahrung annehmen und wissen, dass von uns nicht mehr verlangt ist, als was wir geben können und dass der Herr ergänzen wird, was uns fehlt. So dürfen wir an seiner Seite horchen und gehorchen: Die Not der Menschen hören einerseits und darauf antworten andererseits – aber, so gut wir es vermögen und so gut unsere Grenzen es erlauben. Wir brauchen uns unserer Grenzen nicht schämen, sondern dürfen sie demütig annehmen und gewiss sein, dass der Herr das Seine dazutun wird. Dabei wird der Herr unser Leben weiten.

Bleiben wir so eucharistisch mit dem Herrn unterwegs, wird die Eucharistie unser Leben werden, das heißt, die Hingabe eine Grundhaltung unseres Lebens. Unser Leben wird sich ausfalten zwischen eucharistischer Anbetung des Herrn und eucharistischer Hingabe an die hungernden und dürstenden Menschen an unserer Seite. Eucharistisches Leben ist ein Leben mit Jesus an der Seite und mit den hungrigen und durstigen Menschen an unserer Seite. Nur so ist es möglich, dass wir sein Vorbild nachleben können, in dem er uns die Liebe und das Opfer für die Nächsten zeigt.
Bei der Liebe zu ihrem Sohn, die sich äußert in der Liebe zu den Menschen ist die Gospa nun am Ziel ihrer Träume angekommen und damit auch am Ende ihrer Botschaft, die sie mit einem schlichten: „Ich danke euch!“ beendet.

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