Samstag, April 18, 2015

Für euch!

-->
 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 13: 1 – 15

1Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
2Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.
3Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
4stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
6Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
7Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
9Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
11Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
13Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.





„Für mich!“ Diese Überschrift wäre uns vertrauter!
„Für euch!“ Diese Überschrift setzt Jesus heute in Lesung und Evangelium:

Mein Leib – für euch!
Mein Blut – für euch!
Mein Dienst – für euch!

Wie verwirklicht Jesus dieses „Für euch“?
In der Lesung durch seine Hineingabe von Fleisch und Blut in die Gestalten von Brot und Wein – und zwar so sehr, dass Brot und Wein nicht bloß Zeichen für Jesus sind.
In Brot und Wein ist vielmehr Jesus selber gegenwärtig als wahrer Gott und Mensch. Darum erweisen wir diesen gewandelten Gaben göttliche Verehrung – durch Aufbewahrung im Tabernakel, durch das Ewige Licht, durch Kniebeuge oder Verneigung, durch achtsamen Umgang im Kirchenraum – denn der Herr ist selber präsent.
Je ernster wir Jesu Tun nehmen um so teurer wird uns die Eucharistie werden – so nennen  wir Jesu Dasein in Brot und Wein.

Von Seiten Jesu her kommt so sein Wille zum Ausdruck, höchstpersönlich bei uns sein zu wollen – zu jeder Zeit, an jedem Ort, unter allen Umständen. Er will nicht als Zeichen bei uns sein sondern als wahrer Mensch und wahrer Gott.
Das Er-Selber-Sein in Brot und Wein bezeugt die Ernsthaftigkeit und Radikalität seines Daseins bei uns und für uns.

Davon erzählt uns auch, was Jesus im Evangelium tut in der Fußwaschung. Dieses Tun an seinen Jüngern drückt nicht nur seine äußerste Bereitschaft zum Dienen aus – es ist auch lebendiger Ausdruck  von Achtung und Verehrung, Zuvorkommenheit und Zugewandtheit;
ist die Fußwaschung in der Antike doch ein Dienst des Sklaven gegenüber seinem Herrn sowie gegenüber den Gästen des Hauses; ebenso aber auch Fürsorge der Frau gegenüber ihrem Mann sowie der Kinder den Vätern gegenüber.



Wie das Intermezzo mit Petrus zeigt, ist es wesentlich, den Dienst Jesu anzunehmen und sich nicht demütig oder sonstwie zu zieren. Eine derartige Demut wäre in der Tat eine Dummheit; denn verweigern wir uns dem Dienst Jesu kann keine Gemeinschaft mit ihm entstehen – können wir keinen Anteil an ihm haben!

Auch bei der Kommunion kann lebendige, persönliche Gemeinschaft erst werden, wenn wir in der Hostie nicht ein Zeichen des Herrn sondern den Herrn selber empfangen.

Wir müssen Jesus so groß sein lassen, dass er uns gegenüber ganz klein werden darf und wir müssen uns selber von Jesus so wertschätzen lassen, dass er jeden Dienst an uns vollziehen darf.

In unseren menschlichen Freundschaften lassen wir uns ja auch voneinander beschenken und können uns darüber nicht genug freuen! Warum tun wir Jesus gegenüber dann komisch, wenn er uns freundschaftlich dienen möchte – wo doch diese Freundschaft in tiefste und wesentlichste Heilsdimensionen vorstößt.

Zugleich sagt Jesus, dass er uns durch sein Verhalten ein Beispiel hinterlassen hat, damit auch wir aneinander so handeln, wie er uns gegenüber handelt – wie etwa in folgender Geschichte:

Ein kleiner Junge, ungefähr acht Jahre alt, steht barfüßig auf dem Gehweg vor einem Schuhgeschäft. Er späht durch das Schaufenster und zittert vor Kälte. Eine Dame nähert sich dem Jungen und sagt: »Mein Kleiner, warum schaust du so ernst in das Schaufenster?«
»Ich habe Gott gebeten, mir ein Paar Schuhe zu geben«, antwortete der Junge. Die Dame nimmt ihn an der Hand, geht in den Laden und bittet den Angestellten, dem Jungen sechs Paar Socken zu bringen. Dann bittet sie auch um eine Schüssel Wasser und ein Handtuch. Er bringt alles schnell herbei. Sie führt den Kleinen zum hinteren Teil des Ladens, zieht ihre Handschuhe aus, kniet nieder, wäscht seine kleinen Füße und trocknet sie mit einem Handtuch ab. Nachdem sie dem Jungen Socken angezogen hat, kauft sie ihm ein Paar Schuhe, verschnürt die restlichen Socken und gibt sie ihm. Sie streichelt seinen Kopf und sagt: »Na, Kleiner, fühlst du dich jetzt besser?« Als sie gehen will, ergreift der erstaunte Junge ihre Hand, schaut sie mit Tränen in den Augen an und fragt ernsthaft: »Bist du Gottes Frau?«

Ja, so schnell kann man Gottes Frau, Gottes Kind, Gottes Bruder oder Schwester werden. 

Keine Kommentare: