Mittwoch, Dezember 24, 2014

Das Licht leuchtet in der Finsternis




+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1:1 – 18

1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2Im Anfang war es bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
7Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
15Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
16Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
17Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
18Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.




Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

So beschreibt der Evangelist Johannes das Geschehen der hl. Weihnacht. So übersetzt er die Botschaft des Engels, die wir in der Mette gehört haben: Euch ist heute der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr!

Retter, Messias, Herr! Johannes gibt ihm einen weiteren Namen: Logos! Wir haben diesen Namen mit WORT übersetzt. Dieses WORT ist jedoch weit mehr als ein verbales Hilfsmittel zur gegenseitigen Verständigung.
Es ist eine personale Größe und eine gottvolle Größe. Und was für uns so überaus bedeutsam ist: diese Größe ist nicht menschenscheu, denn das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!
Und die liebliche Weise, wie dieses WORT heute Nacht in einem Baby zur Welt gekommen ist sagt uns: Da ist einer gerne zu uns gekommen! Da hat einer Sehnsucht nach uns Menschen gehabt und heute Nacht hat er diese Sehnsucht gestillt.

Heute Nacht hat Gott seine Sehnsucht nach uns Menschen gestillt. Und diese Sehnsucht macht was mit uns – sie erweckt in uns die Sehnsucht nach Gott – sofern wir ihn bei uns und in uns aufnehmen, denn allen die ihn aufnehmen, gibt er Macht, Kinder Gottes zu sein. In dieser Sehnsucht nach Gott liegt die Macht der Kinder Gottes begründet: Eine Macht, die alles überwindet, was uns von Gott fernhält; eine Macht, die alles dransetzt, um die Liebe Gottes in uns und um uns herum zu verwirklichen.

Dabei ist sein Schritt in unser Menschsein nur ein Etappenziel auf dem Sehnsuchtsweg mit und zu uns Menschen. Das Endziel dieses Weges ist unsere Erlösung in der endgültigen Befreiung von den schlimmsten Feinden des Menschen – vom Bösen und vom Tod!
Ich hab gestern folgenden Weihnachtsspruch von einem Freund erhalten:
Licht schaute herab und sah die Dunkelheit. „Ich will dorthin gehen,“ sagte das Licht.
Friede schaute herab und sah Krieg. „Ich will dorthin gehen,“ sagte der Friede.
Liebe schaute herab und sah Hass. „Ich will dorthin gehen,“ sagte die Liebe.
So kam ER, der Herr des Lichtes, der Fürst des Friedens, der König der Liebe, unser Herr Jesus Christus herab und ist still und leise einer geworden wie Du und Ich.

Es wird klar: Gott wird nicht Mensch an den Nöten und Katastrophen der Welt vorbei – er wird Mensch mitten in sie hinein! Nur wenn er sich ganz in den Menschen hineinbegibt, wenn er ganz Mensch wird, kann er ihn erlösen. Er will die Not, das Leiden, den Tod der Menschen auf sich nehmen und sie durch die Kraft, die Gott ihm schenkt, überwinden.

Das geschieht zum einen in der Begegnung mit den Kranken, Sündern, Benachteiligten und Ausgestoßenen. Er geht auf sie zu, sie sind gläubig und hoffend offen für seine rettende und erlösende Kraft; und er kann sie alle heilen und befreien.

Zum anderen geschieht das aber auch dadurch, dass er selber Leid, Trauer und Schmerz – schließlich sogar den Tod auf sich nimmt. Er will bis in den Tod hinein ganz Mensch sein.

Mit dem heutigen Tag der Geburt des Herrn beginnt eine Freundschaft mit uns Menschen, die Jesus ungebrochen treu lebt. Wenn nur wir es an der Treue nicht fehlen lassen, ist das zugleich ein Weg in die Freiheit, in den Frieden, in die Freude, ins Licht! Das meint Johannes, wenn er schreibt, dass wir alle aus seiner Fülle empfangen, Gnade über Gnade.

Das ist die Gnade der hl. Weihnacht, die sich vom heutigen Fest der Geburt des Herrn ausbreitet über die Zeiten, und über die Menschen auf der ganzen Welt. Auf dieser Gnade ruht der Segen, den der Herr immer über unser Leben ausbreiten möge! Der Herr lässt es an seiner Gnade nicht fehlen! Lassen nur wir es auch nicht fehlen an der Bereitschaft, diese Gnade zu ergreifen und in unser Leben aufzunehmen. Amen!

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