Sonntag, Oktober 05, 2014

Gottes unbezwingbare Güte

 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 21: 33 – 44



In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:

33 Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.

34 Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.

35 Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie.

36 Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso.

37 Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.

38 Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben.

39 Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

40 Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?

41 Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.

42 Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder?

44 Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.

43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.







Vielleicht ist es euch auch schon einmal so ergangen, wie dem Gutsbesitzer: Dass ihr nach viel, redlicher Mühe keine guten Früchte ernten konntet.



Der gute Mann war wirklich ein guter Mann: Was hat er nicht alles getan für seinen Weinberg: er legt ihn an, zieht ringsherum einen Zaun, hebt eine Kelter aus und baut einen Turm.

Vielleicht hat er das alles nicht alleine gemacht - aber so wie Jesus es erzählt, ist ihm der Weinberg ein Herzensanliegen. Womöglich ist er Hobbywinzer.

Und dann übergibt er dieses kostbare Werk seiner Hände Pächtern. Die sollen nun den Weinberg verwalten - und das heißt auch, dass sie von ihm leben. Der Gutsherr hat also nicht nur sich selbst eine Freude bereitet sondern auch den Pächtern eine Lebensgrundlage geschaffen.



Zur Erntezeit nun schickt er seine Knechte zu den Winzern um seinen Anteil an den Früchten zu holen. Aber nun geschieht Schlimmes: Sie rücken den Anteil des Gutsherren nicht heraus; und damit nicht genug: sie packen die Knechte, prügeln sie, bringen sie um, steinige sie.

Eine völlig unverständliche Reaktion: Auf das Leben, das der Gutsherr geschaffen und gegeben hat erfolgt eine Antwort des Todes.



Der Gutsherr bleibt bei seiner positiven Einstellung - und schickt andere und mehr Knechte als zuvor. Denen widerfährt selbiges.



Der Gutsherr bleibt unbeirrt positiv gestimmt - dermaßen, dass er schließlich seinen Sohn schickt! Es ist sein einziger! Sein Erbe, wie wir gleich von den Winzern erfahren werden. Dabei denkt er sich, dass sie vor seinem Sohn Achtung haben werden.

Bei nur Bösem, das er von den Winzern erfahren hat, bleibt der Gutsherr positiv gestimmt, so sehr, dass er in ihnen Achtung vor seinem Sohn vorzufinden meint - rotz allem Feindlichen, das er bisher von ihnen erfahren hat.



Hier können wir einmal innehalten und uns fragen, welcher Welt denn wir angehören in unserem alltäglichen Leben: Der Welt des Aufbauens, des Lebens oder der Welt des Zerstörens und des Todes. Finden wir womöglich beide Welten in uns vor?

 Oder fragen wir uns nach dem, was wir haben: Ist uns bewusst, dass wir für all unseren  Besitz einmal Rechenschaft ablegen werden, weil wir vor Gott eigentlich nur Pächter und nicht Besitzer sind; dass also Gott auch von uns einmal den Pachtzins einfordern wird. Zu welchen Pächtern werden wir dann gehören: Zu denen, welche die Knechte des Herrn ignorieren, verachten, misshandeln? Oder zu jenen, die tatsächlich die erwarteten Früchte bringen werden?



Verfolgen wir die Geschichte weiter, die mit der Sendung des einzigen Sohnes ihren Höhepunkt erreicht: Die Winzer haben keine Achtung vor ihm! Vielmehr bringen sie auch ihn um mit der Begründung: "Das ist der Erbe! Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben!“ Mit diesen Worten nennen sie die Ursache ihres bösen Handelns: Es ist die Habsucht: Sie wollen das Erbe des Sohnes erlangen. Haben sie vorher habsüchtig den Pachtzins verweigert, so strecken sie jetzt ihre Hände nach dem Erbe des Sohnes aus!

Wie sie auf die irre Idee kommen, sie könnten mit ihrem Handeln Erfolg haben, ist mir schleierhaft. Ich stehe hier vor dem Geheimnis, das jedem Bösen zugrunde liegt.

Ebenso ist das Verhalten des Gutsbesitzers unverständlich: Nie und nimmer würden wir an seiner Stelle nach den ersten Knechten weitere schicken und schließlich gar den einzigen Sohn. Wir würden gleich die bösen Winzer bestrafen und den Weinberg anderen verpachten.



Die Brille für ein rechtes Verständnis dieses Verhaltens reicht uns Jesus im letzten Vers des Evangeliums, wo er sagt, dass es beim Weinberg um das Reich Gottes geht - und das bedeutet, dass es um das Heil seines Volkes Israel geht bzw. um das Heil jenes Volkes, dem das Reich Gottes - also das Heil um die Menschen - anvertraut wird.



Das erkennen wir am Schluss unserer Geschichte. Was geschieht nach der Ermordung des Sohnes? Jesus beendet die Geschichte mit der Frage an seine Zuhörer, was denn der Besitzer des Weinberges mit solchen Winzern wohl tun werde? Ihre Antwort: Er wird den bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg anderen Winzern verpachten, die ihm die Früchte zur rechten Zeit abliefern werden. Aber tut er das?

Von einem bösen Ende hören wir nichts - wohl aber, dass der Weinberg den Pächter wechselt.



Dafür hören wir von einem Neuanfang, den Gott setzt. Matthäus nimmt dafür auch ein neues Bild, das vom Eckstein, den die Bauleute verworfen haben, der aber zum Eckstein geworden ist. Der Herr hat das vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder. Dieser Bildspruch gibt die Auferstehung Jesu wider und sagt mit anderen Worten, dass Gott in seiner Güte sich von keiner menschlichen Bosheit besiegen lässt und auf jede Todesbotschaft eine Lebensantwort gibt, die selbst den Bösen die Möglichkeit der Umkehr und Erneuerung offen lässt. Mit anderen Worten, liegt das Scheitern des Menschen in seiner Bosheit begründet, nicht aber in Gottes Güte.

Wir haben im Evangelium ein gewaltiges Ringen vor Augen zwischen Gut und Böse, Leben und Tod. Dieses Ringen vollzieht sich auch im Leben eines jeden einzelnen von uns. Die Erkenntnis unserer Bosheit und der unüberwindlichen Güte Gottes will auch uns verhelfen, dass wir den Weg der Kooperation mit Gott wählen, den Weg der Nachfolge Jesu, den Weg eines ehrlichen christlichen Lebens, den Weg zum Leben und zum Frieden mit Gott und den Menschen. Amen!

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