Samstag, Oktober 11, 2014

Dreihaufenpredigt zu Erntedank




+Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 12: 15 - 21

15  Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.
16  Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
17  Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll.
18  Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.
19  Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!
20  Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?
21  So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.


Zum Erntedank ein Evangelium, in dem das Wort Dank nie vorkommt! Ist das nicht komisch? Ein dankloses Evangelium zum Erntedank? Das kommt von der Undankbarkeit des Protagonisten im Evangelium. Die fehlende Grundhaltung der Dankbarkeit schlägt sich im Evangelium nieder. Wie ist die bei einer reichen Ernte nur möglich? Verfolgen wir den Werdegang seiner Undankbarkeit.

Eine reiche Ernte lässt den reichen Mann überlegen, wie er seine Megaernte lagern soll - das erscheint als verantwortungsvoller Umgang mit der reichen Ernte.
Das Ziel seiner Überlegung ist: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens! Er denkt nur an sich!
Sein Überlegen ist völlig ichbezogen: Weder denkt er daran, woher die gute Ernte kommt noch daran, wem er mit seiner guten Ernte - außer sich selbst - noch gut tun könnte. Er denkt nur an sich.

Seine Ichbezogenheit verhindert, dass er durch sein Überlegen der reichen Ernte auf seinen Feldern auf den Grund geht und fragt, woher sie denn eigentlich kommt? Diese Grundlosigkeit  macht ihn undankbar, denn sie lässt ihn nicht erkennen, was Paulus in der Lesung erkannte, dass es nämlich Gott ist, der wachsen lässt.

Dafür erzeugt sie Angst, zu kurz zu kommen und immer mehr haben zu müssen. Die Angst gebiert schließlich eine unersättliche Habsucht.
Und die Angst bringt eine weitere schlimme Frucht hervor: Sie macht blind - für das Ende des Lebens etwa, das in unserer Geschichte den reichen Mann unerwartet überfällt.
Er ist nicht nur blind für sein Lebensende sonder auch für seinen Lebensanfang: Er kann nicht bedenken, dass er nichts in die Welt mitgenommen hat und dass er auch nichts aus dieser Welt mitnimmt. Vater Job hat das gesehen und es so gesagt: "Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter, nackt kehre ich dahin zurück."  Wer so weit sieht, sieht auch weiter; und so fährt Vater Job fort: "Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen." Und gelangt unweigerlich dazu, Gott zu loben und ihm zu danken: "Gepriesen sei der Name des Herrn!" (vgl. Job 1:21) Dabei ist Vater Job auf keinem Getreidehaufen gesessen, wie unser reicher Mann im Evangelium. Vater Job ist auf dem Scherbenhaufen seines Lebens gesessen und auf einem Misthaufen. So spricht, wer um sein Woher weiß und um sein Wohin. So einer kann danken selbst noch in tiefer Not.

Ich kenne einen Mitbruder, der in seiner Gemeinschaft als Ökonom tätig ist. Das Einkommen ist reichlich durch die seelsorgliche Tätigkeit seiner Mitbrüder. Er sitzt auf einem Geldhaufen wie unser Mann im Evangelium auf seinem Getreidehaufen und Vater Job auf seinem Misthaufen.
Mein Mitbruder fühlt sich dabei ein bisschen wie Dagobert Duck (auf einem Geldberg sitzen) und stellt sich vor, wie Gott am Ende seines Lebens ihn fragen werde, wie er sich angesichts aktueller Not auf seinem Geldhaufen denn so gefühlt habe? Allein diese Vorstellung war ihm unangenehm und machte ihn nachdenklich.
Und auch er begann zu überlegen, wie er in dieser absehbaren Situation am besten bestehen könnte. Sein Überlegen macht ihn aufmerksam auf Not, die ihn auf verschiedenen Wegen erreicht. Er wird und bleibt berührbar von und ansprechbar durch die Not seiner Mitmenschen fern und nah.
Die Möglichkeit, in großem Ausmaß helfen zu können hat ihm zunehmend Freude bereitet - die Freude nämlich, über viel zu verfügen, um damit vielen zu helfen.
Und diese Freude hat ihn schließlich zur Dankbarkeit geführt, dass er mit den anvertrauten Mitteln nicht nur seiner Gemeinschaft materielle Not ersparen sondern auch die Not anderer zumindest anhaltend lindern konnte.

Ein Impuls über die Barmherzigkeit beim hl. Franz von Assisi hat ihn auf seinem Weg bestätigt. Er hat ihm nämlich die Augen geöffnet für den Goldgrund, der hinter dem heutigen Evangelium und hinter seiner Situation leuchtete: die Barmherzigkeit Gottes!

Lothar Zenetti hat diese Erfahrung so ausgedrückt: „Es ist sicher, dass wir schneller fahren, höher fliegen und weiter sehen können als Menschen früherer Zeiten.
Es ist sicher, dass wir mehr abrufbares Wissen zur Verfügung haben als jemals Menschen vor uns.
Es ist sicher, dass Gott sein Wort niemals zu einer besser genährten, gekleideten und besser gestellten Gemeinde gesprochen hat.

Nicht sicher ist, wie wir bestehen werden vor seinem Blick.
Vielleicht haben wir mehr Barmherzigkeit nötig als alle, die vor uns waren.“ 

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