Samstag, August 09, 2014

Lob, wem Lob gebührt



+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 11: 27 28



In jener Zeit,

27 als Jesus zum Volk redete, rief eine Frau aus der Menge ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat.

28 Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.





Im Evangelium hören wir, wie jemand Jesus beim Predigen ins Wort fällt. Es ist eine Frau. Ist das ein Zeichen von Unhöflichkeit? Nein! Es ist ein Zeichen der Begeisterung: Die Frau ist fasziniert von dem, was Jesus sagt und vor allem wie er redet! Sie behält diese Begeisterung nicht für sich sondern lässt sich davon tragen zu den lobenden Worten, die wir im Evangelium hören: Worte des Lobes und der Anerkennung - allerdings nicht von Jesus! Sie lobt Jesus nicht direkt, indem sie sagt: Du predigst herrlich! Deine Worte und wie du sprichst ist einfach fantastisch! Du bist ein großartiger Prediger!



Sie lobt Jesus nicht direkt sondern sie lobt seine Mutter: "Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat!" (LK 11:27b) Sie lobt Jesus indirekt über seine Mutter: Die Mutter, die so einen Sohn hat, kann stolz auf ihn sein!



Jesus ärgert sich nicht über dieses Dreinreden der Frau. Er widerspricht ihr auch nicht. Vielmehr sieht er das Verhalten der Frau als eine Einladung zu einer Gespräch und antwortet ihr: „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen!“ (Lk 11:28b)



Wie wir sehen, lässt Jesus die Worte der Frau im Raum stehen. Er bringt mit seiner Antwort jedoch eine weitere Größe ins Gespräch: Gott und sein Wort! Damit nimmt er seine Mutter zurück und auch sich selber und stellt Gott und sein Wort in den Vordergrund! Er will damit sagen, dass es um Gott gehen muss und um sein Wort, sprich: um seinen Willen! Das ist es, was selig macht! Das ist es , was zählt! Darauf kommt es an!Das ist vor allem anderen lobenswert!



Interessant ist nun, dass seine Mutter Maria und auch er selber solche Menschen sind, denen es vor allem anderen um Gott und sein Wort geht, ja, die geradezu von diesem Wort Gottes leben und es ganz in ihr Leben hereinlassen! So sagt Jesus einmal von sich selber, dass es seine Speise sei, den Willen Gottes zu erfüllen (vgl Joh 4:34)!

Und auch von Maria wissen wir, wie sie zum Engel Gabriel sagte: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe wie du gesagt hast!“ (Lk 1:38bc)

Jesus lässt die einzigartige Beziehung Mariens zu ihm bestehen. Da kann keine Frau dazustehen. Er weist aber hin auf das, was allen möglich ist: Dass sie Gottes Wort aufnehmen und in ihrem Leben verwirklichen - und darin ist Maria und er selber ihnen Vorbild und Ermutigung. Damit sagt Jesus, dass alles Lobenswerte ein Geschenk von Gott ist und jedes Lob letztlich ihm selbst gebührt.






Was können wir also nach dem kurzen Zwiegespräch zwischen Jesus und der Frau sagen? Dass es gut ist, wenn wir einander loben - direkt oder indirekt! Dass dies aber nur die halbe Wahrheit ist und dass die ganze Wahrheit darin besteht, dass jedes Lob, dass wir einander schenken letztlich in das Lob Gottes einmündet.



I Zum Kirchtag in Gepatsch

Wenn wir uns also hier in Gepatsch umsehen, werden wir viel Lobenswertes bemerken: Wie etwa Luzia, Matthias und ihre Mitarbeiter hier den Laden schaukeln und wie sie gut miteinander auskommen; dass ihre Arbeit in Anspruch genommen wird von zahlreichen Gästen, die sich hier wohl fühlen; dass Wirtsleute und Gäste in einer so herrlichen Gegend leben, arbeiten und urlauben dürfen; dass für die hl. Messe alles so gut vorbereitet wurde; dass wir anschließend bei froher Gemeinschaft beisammen sein dürfen; ich könnte noch lange fortfahren; das lasse ich aber euch selber tun - je auf persönliche Weise, sonst hört meine Predigt nämlich nicht mehr auf.



Es gibt also jede Menge Lobenswertes, das wir dankbar anerkennen - das wir aber auch ganz bewusst im Sinne Jesu hinführen wollen zu dem, der zuerst und zuletzt der LOBENSWERTE ist - zu Gott unser aller Vater - indem wir sagen: Wie lobenswert sind doch die oben Aufgezählten, weil sie Gottes Gaben in ihrem Leben annehmen und so großzügig weitergeben! Möge dies auch weiterhin so sein! Amen!

PS: Das Gepatschhaus ist ein Gasthaus über dem hinteren Ende des Gepatschstausees im Kaunertal,Tirol, Austria. Neben dem Gasthaus befindet sich eine Holzkapelle, die am 5. August, Maria Schnee, ihr Patrozimium feiert. Anlässlich dieses Festes wurde die obige Predigt gehalten. 

II Zu Maria Aufnahme in den Himmel am Vorabend


Maria wird dies selber im Magnifikat tun, das sie morgen im Festtagsevangelium singen wird. Dabei nimmt sie den Lobpreis der Frau im heutigen Evangelium vorweg: „Siehe, es preisen mich selig alle Geschlechter, denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig!“ (Lk 1:48b.49). Sie gründet das Lob, das Menschen ihr zollen werden, in Gottes Großtat in ihrem Leben und verbindet dies mit der Heiligkeit seines Namens.
 
So umschreibt Maria, was Gott durch sein Handeln an ihr und an uns Menschen überhaupt beabsichtigt: Er will heilen durch Heiligung; er will uns Menschen Anteil geben an seiner Heiligkeit. Und weil Gott auch dies gründlich und umfassend tut, will er den gesamten Menschen mit Seele und Leib in seine Heiligkeit hineinnehmen. Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass er seine Heiligkeit mit uns Menschen in unserer Gesamtheit teilen will. Mit Gesamtheit meint er beides: Mit jedem einzelnen Menschen hier auf Erden und mit jedem Menschen als leib-seelisches Wesen. Eben das bringt Gott zum Ausdruck, indem er Maria mit Leib und Seele in seine Herrlichkeit aufnimmt. Er sei gepriesen für seine Güte jetzt und in Ewigkeit! Amen!
 

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