Samstag, August 09, 2014

Frei in Christus


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 14: 22 – 33



22Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.

23Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.

24Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.

25In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See.

26Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.

27Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!

28Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.

29Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.

30Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich!

31Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

32Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.

33Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.









Paulus fordert die Gemeinde in Rom auf: „Lasst uns nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt.“ (Röm 14:19)

Was für jedes Gemeindemitglied gilt, gilt erst recht für das Haupt der Gemeinde, das Christus ist!



Das heutige Evangelium erzählt vom Beitrag Jesu zum Aufbau der Gemeinde. Das Großartige dabei ist nicht, dass es über das Wasser geht sondern dass er jenen Beitrag leistet, der ihm zum Aufbau der Gemeinde möglich ist – das betrifft einzelne, wie den Petrus sowie die ganze Gemeinde der Jünger im Boot! Er tut das Seine, um die Jüngergemeinde aus der Not herauszuführen, in die sie geraten ist. Die Jüngergemeinde tut das Ihre, indem sie auf Jesus hört, sich nicht fürchtet und vertraut, dass er es ist; indem Petrus zu Jesus schreit: „Herr, rette mich“, sich von Jesus an der Hand nehmen und retten lässt; indem die Jünger Jesus schließlich in ihr Boot hereinlassen.

Das lädt uns ein, dass wir uns nach unserem Beitrag zum Aufbau der Gemeinde fragen.

Von uns wird nicht gefordert, dass wir auf dem Wasser gehen so wie Jesus. Aber vielleicht ist von uns gefordert, dass wir mit einem Mitmenschen Geduld haben und so auf dem Wasser der Ungeduld ihm begegnen.

Oder vielleicht sollten wir uns im Vergeben üben und so unserem Mitmenschen auf dem Wasser der Unversöhnlichkeit begegnen.

Oder vielleicht sollten wir aufmerksam miteinander umgehen und so einander auf dem Wasser der Achtlosigkeit begegnen.

Es gibt noch viele andere Weisen, wie wir einander auf dem Wasser entgegengehen und aufbauen können. Jeder von euch findet bestimmt die Seine! Die Gemeinde, und das heißt einander, aufzubauen gehört zur Grundausstattung unserer christlichen Berufung.



Das Evangelium erzählt heute auch vom Rückzug Jesu auf den Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Kein Mensch war dabei. Wir wissen nicht, wie und was er gebetet hat. Soviel dürfen wir aber bestimmt sagen: Es war ein besonderes Sein bei, mit und in Gott, seinem Vater. Für menschliche Begriffe nicht einzufangen!

Das heißt nun nicht, dass er vorher Gott nicht ebenso ganz nahe gewesen wäre – das bezeugt die voraufgehende wunderbare Brotvermehrung, von der wir letzten Sonntag gehört haben.

Es heißt auch nicht, dass er Gott auf dem Berg zurückgelassen hätte und nachher ihm nicht mehr so nahe gewesen wäre – das bezeugt die Weise, wie er heute seine Jüngergemeinde aufgebaut hat.

Jesus ist immer im Vater und der Vater ist immer in ihm! Im Beten wird ihm dieses Einssein bewusst und in der Sorge um die notleidenden Menschen und um seine Gemeinde wird dieses Einssein zur sprudelnden Lebensquelle.

Ich muss hier an Paulus denken, wie er den Römern schreibt: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.” (Röm 14:8)

So ist es auch mit Jesus: Arbeitet er, so arbeitet er dem Vater; betet er so betet er dem Vater. Ob er arbeitet oder betet, er ist eins mit dem Vater!

Geht er von der Arbeit zum Gebet, geht er von Gott zu Gott! Geht er vom Gebet zur Arbeit, geht er von Gott zu Gott!

Sein ganzes Leben ist von seinem Vater durchformt und geprägt!



So muss es auch bei uns werden: Wenn wir zum Gebet gehen oder zum Gottesdienst, dann dürfen wir dabei nicht einem Gott begegnen, der sonst nie in unserem Leben vorkommt!

Und wenn wir vom Gebet oder vom Gottesdienst weggehen, dann dürfen wir Gott nicht in der Kirche zurücklassen, gerade so als dürfte er mit unserem übrigen Leben nichts zu tun haben.

Wenn unser Beten und unser Gottesdienst rundherum ein isoliertes Sein bei Gott ist – dann ist es gerade das nicht! Dann ist es ein Sein bei uns selbst zurückgeworfen auf uns allein – eine schreckliche Einsamkeit!

Vielmehr muss es so sein: Wenn wir zum Gebet gehen oder zum Gottesdienst, dann müssen wir auf Gott gehen wie auf Wasser, das uns dorthin trägt. Und wenn wir das Gebet und den Gottesdienst wieder verlassen, dann müssen wir uns von Gott wie auf Wasser in unser alltägliches Leben hinaustragen lassen.



Zudem haben wir im Evangelium gehört, dass Jesus auf dem See ging!

Wohlgemerkt auf  dem See und nicht über dem See! Das heißt: Er war mit dem Seewasser in Kontakt wurde von ihm aber nicht im Gehen gehindert.

Im Blick auf unsere Befindlichkeit als vom Wasser Bedrohte, Umspülte und Fortgerissene ist dies eine sehr tröstliche Wahrheit: Sie sagt uns, dass Jesus nicht über unserer Armseligkeit schwebt sondern dass er damit in Kontakt ist – freilich nur so, dass er in keiner Weise in seiner Freiheit eingeschränkt ist. Und diese Freiheit hat er nicht, um zu brillieren sondern um uns zu helfen, um auch uns zu dieser Freiheit zu führen.

An der Episode mit Petrus wird deutlich: Wir sind zur Freiheit Christi befähigt, weil von ihm berufen und ermächtigt! Freilich ist diese Freiheit für uns nur lebbar in umfassender, gläubig vertrauender Ausrichtung auf Jesus.

Der Herr führe uns durch seine Gegenwart hinaus ins Weite und lasse uns frei sein in ihm! Amen!

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