Mittwoch, Juli 16, 2014

Siehe, deine Mutter!


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 19:25 - 27

25  Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
26  Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
27  Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.



In festlicher und dankbarer Freude feiert der Karmel heute seine Mutter: die selige Jungfrau Maria vom Berge Karmel. Der Karmel dankt heute in seinen vielen Gliedern, was Gott ihm durch Maria geschenkt hat. Und wenn ich sage „ihm, dem Karmel geschenkt hat“ dann meine ich damit zugleich, was Gott der Welt geschenkt hat. Was wir Karmeliten nämlich von unserer Mutter geschenkt bekommen, bekommen wir geschenkt für die Welt, in der wir leben; für die Menschen, mit denen wir beisammen sind. Als Beschenkte werden wir Schenkende; und der Auftrag zu schenken ist bereits im Geschenk enthalten. Umsonst haben wir empfangen, umsonst sollen wir geben! Nur so können wir unserer Mutter gerecht werden; nur so können wir ihre Kinder sein.

Wie ich heute vormittags nach dem Beichthören zum Auto gegangen bin drunten bei den Serviten im Garten, bedankte sich die Gärtnerin für meinen Dienst. Darauf erwiderte ich ihr: Die Herausforderung ist da, die Not ist groß; wenn ich da nicht so weit möglich Antwort gäbe, würde ich mich versündigen. Sie darauf: „Leider denken andere nicht so!“

Vor allem im heutigen Evangelium kommt es so deutlich zum Ausdruck, dass Jesus uns seine Mutter schenkt, indem er von seiner Mutter zu seinem Lieblingsjünger sagt: „Dies ist deine Mutter!“ Es ist schon unglaublich, dass Jesus in seinen letzten Atemzügen noch an seine Mutter, an seinen Jünger an uns alle denkt. Dass er dies tut, sagt uns, dass er mit diesen wenigen Worten etwas ganz großes tut: Er lässt Maria nicht allein und ausschließlich seine eigene Mutter bleiben sondern er breitet ihre Mutterschaft auf seinen Jünger und damit auf die ganze Kirche, ja auf alle Menschen aus.
Da Jesus also zu Maria nicht sagt: Du bist jetzt nicht mehr meine Mutter, dürfen wir uns glücklich schätzen, mit Jesus Kinder Mariens zu sein. Jesus ist nämlich die Seele der Mutterschaft Mariens. Von dort her kommt aller Segen, alle Liebe, alles Leben, das seit jenen denkwürdigen Worten Jesu durch Mariens Muttersein über die Kirche, über den Karmel und über die ganze Welt ausströmte.
Von Maria hören wir keinen Kommentar. Sie lässt sich verschenken. Und sie konnte dies tun, weil sie zuvor unbegreiflich überreich beschenkt wurde mit ihrem Sohn – in dem sich niemand geringerer an die Welt verschenkt als Gott!

Maria hat sich von Anfang an ganz hineinziehen lassen in die Liebe Gottes, die sich hingibt für das heil und die Erlösung der Welt. Wie könnte sie sich jetzt noch verweigern? Das ist unmöglich! Denn sie ist schon eine ganz Geprägte von der Liebe Gottes, die sich selber ganz gibt! Und jetzt unter dem Kreuz wird sie völlig besiegelt durch diese Liebe Gottes und ganz in diese Liebe hineingegeben!

Wir können von den großen Gestalten des Karmel anschauen, welche auch immer – jede trägt auf ihre Weise die Handschrift der Karmelmutter: jede dieser Gestalten wird als Beschenkte eine Schenkende; jede wird als Gegebene eine Gebende!

Das ist ein Prozess der Erlösung, in den wir durch das Beten eingetaucht werden und uns eintauchen lassen. Darum spielt im Karmel das Beten die zentrale Rolle! Nur betend können wir unsere Karmelberufung erkennen; nur betend können wir sie leben; nur betend können wir uns je neu beschenken lassen; nur betend können wir uns verschenken lassen und von ganzem Herzen in dieses Hergeben einstimmen – wie Maria es getan hat. Ihr Schweigen im heutigen Evangelium ist dabei ein unmissverständlicher Hinweis auf das kontemplative Beten in Schweigen und Stille. In diesem Beten liegt die Fruchtbarkeit des Karmel mitbegründet.

Ich glaube, nun ist deutlicher geworden, warum wir heute unsere Karmelmutter feiern mit großer Dankbarkeit und Freude und in der Gewissheit, dass dem Karmel die Zukunft gehört!

Das Skapulier ist ein äußeres Zeichen, das alle Mitglieder der Karmelfamilie verbindet und das für jeden Menschen gedacht ist, der nach reiflicher Vorbereitung und Prüfung seiner Berufung in diese Familie der Schwestern und Brüder der seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel aufgenommen werden möchte.

Du Blume des Karmel, du Weinstock, der blüht, du Jungfrau und Mutter, einzig erwählt.
Du gütige Mutter ohn’ Mannes Hilfe, uns Karmeliten schenk deine Hilfe, du Meeresstern! Amen!

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