Freitag, Juli 11, 2014

Säfrau/Sämann und Erdreich

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+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 13:1 – 9



1An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.

2Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer.

3Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.

4Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.

5Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;

6als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.

7Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.

8Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.

9Wer Ohren hat, der höre!



I




Mit dem eben gehörten Gleichnis zeichnet Jesus sehr anschaulich und realistisch den Weg, den der Samen des Wortes geht. Es geht dabei um das Wort vom Reich. Vom Reich Gottes nämlich, das Jesus und nach ihm seine Jünger verkünden. Zu diesen Jüngern gehören alle, die sich in besonderer Weise der Verkündigung dieses Wortes widmen. Insofern aber diese Verkündigung ein Herzensanliegen eines jeden Christen ist, ist auch jeder Christ betroffen. Jeder Christ ist Sämann dieses Wortes – und er ist es um so lieber je lieber ihm Jesus ist; denn dieses Wort ist Jesu Wort: es kommt aus seinem Herzen und aus seinem Mund. In diesem Wort ist Jesus selber auf besonders intensive und persönliche Weise gegenwärtig.



Je mehr wir uns nun als Christenmenschen mit diesem Gedanken beschäftigen, dass wir und wie wir Sämann des Wortes Gottes sind, desto mehr dämmert es uns, dass wir zugleich auch Empfänger dieses Wortes sind und bleiben.



Im Gleichnis zeigt uns Jesus vier Möglichkeiten, mit dem Wort Gottes umzugehen:

„Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.

Auf felsigen Boden ist der Samen gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall.

In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.

Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.“ (Mt 13:19-23)



In welchen dieser vier Möglichkeiten finden wir uns mehr oder weniger wieder? Womöglich werden wir alle vier Möglichkeiten im Verlauf unseres Lebens entdecken! Der Idealfall ist freilich, dass der Samen in fruchtbare Erde fällt und vielfach Frucht bringt. Auf dem Weg dorthin werden wir womöglich erleben, wie wir Gottes Wort zurückweisen, wie anfängliche Begeisterung über Gottes Wort abkühlt oder erlischt und wie die Sorgen des Alltages das Wort Gottes ersticken.



Eine Weise der Fruchtbarkeit des Wortes Gottes ist seine Aussaat. Wie ich also das Wort Gottes aufnehme, bestimmt, wie ich es aussäe. An meiner Aussaat kann ich ablesen, wie und ob das Wort Gottes bei mir angekommen ist. Ist nichts angekommen kann ich auch nichts aussäen; war’s bloß ein Strohfeuer oder ein erfolgloses Ringen im alltäglichen Sorgen, so zeigt mein Leben doch eine gewisse Empfänglichkeit, ein anfängliches Interesse am Wort Gottes und die Möglichkeit, dass ich von Gott ansprechbar und berührbar bin.



Das Wort Gottes ist vor allem anderen als verbale Äußerung zu verstehen – aber nicht nur. Es ist auch jede Äußerung gemeint, die vom Wort Gottes angeregt und beseelt ist – jedes Bild also, jede Musik, jede Haltung, jede Tat, jede irgendwie geartete Äußerung, die sich dem Wort Gottes verdankt.



Wir dürfen mit Gewissheit annehmen, dass das Wort Gottes aus seinem liebenden Herzen kommt: es ist ein Liebeswort! Ein Liebeswort Gottes, ein Liebeswort Jesu! Und im Hinblick auf uns hat Gott keine größere Sehnsucht, als dass sein Wort, aus Liebe gesprochen auch liebvoll aufgenommen wird. Wir können das allein schon aus unserem Zusammenleben mit unseren Mitmenschen ablesen. Wie sehr schmerzt es, wenn unsere Worte nicht ankommen oder nicht entsprechend aufgenommen und gewürdigt werden – besonders, wenn wir es gut meinen!



Wie sehr wird es nun also Gott weh tun,

wenn sein Wort wohl gehört aber nicht verstanden wird,

wenn es keine Wurzeln in uns schlagen kann und nur anfänglich aufgenommen wird

und wenn schließlich die Sorgen unseres Alltages wichtiger sind als sein Wort.

Dass Gott dennoch sein Wort unverdrossen aussät, zeigt, dass er nicht zimperlich ist, weil er uns über alles liebt und weil er möchte, dass sein Wort uns unbedingt erreicht und wir von ihm leben.



So können wir uns auch die Freude vorstellen, wenn der Samen seines Wortes in unserem Leben vielfache Frucht bringt! Diese Freude wird seinen Schmerz um ein vielfaches aufwiegen, den er erleidet, wenn sein Wort nicht sein Ziel im fruchtbaren Erdreich findet.

Und tatsächlich zeigt uns die Erfahrung auch aus unserem bäuerlichen Bereich, dass die allermeisten Samenkörner auf guten Boden fallen und dass die Verheißung aus der 1. Lesung sich erfüllen wird: „Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“ (Jes 55:10f) Amen!

II


Mit dem Gleichnisbild von der Aussaat von Samenkörnern beschreibt Jesus sehr anschaulich, was mit seinem Wort geschehen kann, das wir durch Verkündigung hören.

Angefangen damit, dass wir es nicht verstehen und also nicht aufnehmen können
über die anfängliche Begeisterung darüber, die jedoch verlöscht, sobald wir deswegen in Schwierigkeiten geraten
weiters über die Sorgen des Alltages, denen gegenüber das Wort Jesu nicht bestehen kann
bis hin zu jenem Zustand, in dem das Wort Jesu in uns Frucht bringen kann.

Keine dieser vier Stationen wird uns völlig fremd sein.

Das Gleichnis Jesu erinnert an unsere Unfähigkeit, die Worte Jesu zu begreifen, weil sie manchmal wie von einem anderen Stern zu kommen und unserem Leben so fremd scheinen.

Es erinnert uns daran, wie sein Wort uns in Begeisterung mit ihm verbunden hat und eine Freundschaft vorgetäuscht hat, die sich dann als brüchig erwiesen hat, wenn wir damit bei unseren Mitmenschen Anstoß erregt haben.

Es erinnert uns daran, dass seine Worte nicht die Kraft hatten, uns durch die Mühen und Sorgen des Alltags zu tragen; vielmehr erlebten wir unser Alltagsleben als Übermacht, die Jesu Wort zerbröselte.

Gott sei Dank durften wir aber auch erleben, wie manches seiner Worte uns dermaßen erfüllte, bewegte und stärkte, dass daraus gute Gedanken, Worte und Werke erwachsen sind.

Was sollen wir mit dieser Palette an Erfahrungen mit dem Wort des Herrn bloß anfangen? Was sollen wir daraus lernen? Welche Schlüsse sollen wir daraus ziehen?

Zum Beispiel den, dass sich Gott nicht scheut, sein Wort in die Vielfalt unseres Lebens hineinzulegen. Nicht deswegen, weil ihm sein Wort wenig wert ist, sondern weil wir ihm über alles wert sind; deswegen gibt er uns sein Wort in jede Situation mit. Er spricht sein unendlich kostbares Wort uns Menschen zu, weil wir ihm unendlich kostbar sind – in jeder Situation unseres Lebens:
In unserer Unfähigkeit, ihn zu verstehen;
in unserer Schwachheit, ihm treu zu bleiben;
im alltäglichen Leben mit allem, was an Freud und Leid uns beschäftigt und von ihm abhält;
und schließlich in unserer Fähigkeit, uns von ihm ansprechen, berühren und bewegen zu lassen.

So zeigt uns der Herr ein unerschütterliche Beständigkeit im Stehen zu uns; in der Treue zu uns; in der Liebe zu uns. Unsere Begrenztheit, unsere Enge, unsere Feigheit, unser Wankelmut, unsere Fixiertheit – einfach nichts hält ihn davon ab, uns unverdrossen anzusprechen, uns seine Gegenwart und Nähe immer wieder zu schenken; sich für uns unablässig zu interessieren.

Gott verhält sich so nicht, um uns zu beschämen; vielmehr möchte er uns angesichts unserer Schwachheit stärken und ermutigen, dass wir uns unserer Stärke besinnen, die darin besteht, dass wir Wesen sind, die empfänglich sind für Gott, für sein Wort, für seinen Sohn, für seinen Geist – und für alles, was er uns an Lebensfülle dadurch schenken kann und schenken will!

Diese Besinnung auf diese unsere Stärke soll sich entfalten im unablässigen Bemühen um das Wort Gottes:
Dass wir es immer wieder hören und lesen;
dass wir uns bemühen um ein je tieferes Verständnis durch Gebet, Gespräch und Lektüre;
dass wir uns zur Treue entschließen dem Herrn gegenüber – denn Treue ist ja zuerst nicht ein Gefühl sondern ein Entschluss;
dass wir uns gerade in den Mühen und Sorgen unseres Alltages unverdrossen auf Worte des Herrn besinnen und sie so zu Lebens- und Kraftquellen werden lassen;
dass wir schließlich dankbar bleiben für alles Gute, das uns der Herr durch sein Wort schenkt.

So wollen wir beständig versuchen, Treue mit Treue zu beantworten. Der Versuch zählt nämlich und wir werde erfahren, wie das Wort des Herrn in jeder Hinsicht Leben in Fülle ist. Amen!
 

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