Samstag, Juli 05, 2014

Jesu mildes Joch


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 11: 25 – 30

25In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
26Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
28Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.
29Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
30Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.



“Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.” (Mt 11:28)

Diese Einladung, zu Jesus zu kommen, ergeht nicht an alle. Sie ergeht an eine bestimmte Gruppe von Menschen: die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben.
Sie lässt uns daran denken, dass Jesus gesagt hat, er sei „gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten“ (Mt 9:13b) und dass die Kranken den Arzt bräuchten und nicht die Gesunden (vgl. Mt 9:12)
Sie ruft zudem in Erinnerung, was Jesus den Jüngern geantwortet hat, die Johannes der Täufer zu ihm geschickt hat mit der Frage: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
4  Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:
5  Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Mt 11:3-5)

Jesus hat offensichtlich über die Plagen der Menschen einen besonderen Zugang zu ihnen: Nicht über die Prunkstiege ihrer Vorzüge sondern durch die Hintertüre ihrer Schattenseiten.
Damit Jesus auch Zugang zu mir findet, brauche ich keine Mühen zu erfinden – ich brauch nur die aufzusuchen, die ich bereits habe!
Ich brauche mich nur mit dem zu befassen, was ich an mir ablehne. Ich brauche mich nur mit dem zu konfrontieren, was ich gerne ausblende, weil ich es nicht mag.
Jesus mag es, weil er mich mag!
Jesus gehört zu jener exotischen Sorte von Menschen, die offen sind für das an  mir und in mir, wofür die meisten Menschen inklusive meiner selbst verschlossen sind.
Und er ist nicht passiv offen indem er sagt: „Ja, wenn es halt unbedingt sein muss, dann komm halt mit deinen Mühen in Gottes Namen zu mir!“
Er ist aktiv offen, indem er einlädt und sagt: „Du bist mit deinen Mühen und deinem Minus bei mir herzlichst willkommen – gerade im Namen Gottes! Im Namen jenes Gottes, dessen Sohn ich bin und dessen Liebe ich zu dir bringe.
In dieser herzlichen Annahme bietet Jesus uns sein Joch an und wir dürfen lernen, dass jede Last in mir und im anderen leichter wird durch liebevolle Annahme.
Bereits die Theologen der frühen Kirche haben diese Joch Jesu in die prägnante Formel gefasst: Nur was angenommen wird, wird auch erlöst. Damit war gemeint, dass Gott den Menschen ganz erlösen konnte erst nachdem er ihn in Jesus ganz angenommen hat. Mit anderen Worten kommt so die beglückende Wahrheit zum Ausdruck, dass Gott in Jesus Christus ganz wie wir Mensch geworden ist.

Jetzt können wir auch etwas weiteres besser verstehen: dass nämlich Jesus nach seiner Einladung nicht sagt: Er werde die Plagen entfernen und die Lasten abnehmen! Sondern er sagt: „Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Und wie tut er dies? Indem er uns in seinem Beispiel das milde Joch anbietet, positiv liebevoll mit unseren Plagen und Lasten umzugehen.
Sie gehören nämlich zu uns, sind aus unserem Leben herausgewachsen. Sie sind Wir! Indem wir sie verwerfen, verwerfen wir unser Leben, verwerfen wir uns selber. Sie wollen geheilt werden – und das geht nur durch liebevolle Annahme.

Wenn wir mit einer Wunde am Arm zum Arzt gehen, dann wird der nicht kurzerhand den ganzen Arm abtrennen. Er wird vielmehr die Wunde behutsam begutachten, säubern, desinfizieren und verbinden. Dann kann sie allmählich heilen und der Arm, ja, der ganze Mensch wird wieder gesund.

Selten kommt in einem anderen Wort Jesu so klar zum Ausdruck, dass er unser Arzt ist für Leib und Seele. Und dass er uns seine ärztliche Kunst lehren möchte. Diese Kunst zielt darauf ab, uns mit unseren Plagen und Lasten auszusöhnen, eine größere Einheit in uns zu schaffen und so die Ruhe und den Frieden in uns zu mehren.

Das milde Joch Jesu ist seine herzliche Liebe zu uns, die wir oft so herzlos sind uns selbst und einander gegenüber. Jesus möchte uns zu herzlichen Menschen machen und beginnt damit heute einmal mehr bei uns selber. Er möchte die Liebe in uns ordnen und uns vorbereiten für sein großes Gebot: „ Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.  Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22:37 – 39)

Heute schaut Jesus auf die rechte Liebe zu uns selbst. Ohne die können wir nämlich weder den Nächsten noch Gott in rechter Weise lieben. Denn wir haben nur ein Herz, mit dem wir Gott, den Nächsten und uns selber lieben. Darum können wir nicht Gott lieben mit ganzem Herzen und zugleich uns selber oder den Mitmenschen hassen!

Im heutigen Evangelium erschließt uns Jesus sein mildes Joch, sein demütiges Herz als eine Quelle göttlichen Erbarmens, damit wir daraus trinken zu unserem Heil, zu unserem Frieden, zur Freude aller, die zu uns gehören und da vor allem zur Freude Jesu, der gepriesen sei in Ewigkeit. Amen!


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