Sonntag, Juni 15, 2014

Wie Gott liebt

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 3: 16 – 18



16Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

17Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

18Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.





Mit welcher Botschaft aus dem Evangelium führt uns die Kirche an den dreifaltigen Gott heran?

Dass Gott die Welt so sehr liebt!
Mit der Botschaft also, dass Gott die Welt liebt.
Das ist eine umfassende Liebe, die nicht eine geliebte Welt von einer ungeliebten unterscheidet. Vielmehr ist nichts von der Welt aus seiner Liebe ausgeschlossen. Die ganze Welt ist in Gottes Liebe beheimatet. Ein Vorwort zu dieser Botschaft hören wir im Buch der Weisheit 11: 24-2:1: 24  Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen.
25  Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
26  Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
Kapitel 12
1  Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
Diese Wahrheit findet ihr Echo im Wort des Apostels, dass die ganze Schöpfung für die Erlösung bestimmt ist (Röm 8:19-21)

Diese Liebe Gottes ist offensichtlich keine notgedrungene. So etwa, als sagte sich Gott: „Na ja, da ich die Welt nun einmal geschaffen habe, werde ich sie wohl auch lieben müssen!“ Vielmehr liebt er die Welt sehr! Mit diesem Wörtchen sehr ist ein Liebesmaß ohne Grenze angesprochen, die uns neugierig fragen lässt, wie sehr  denn Gott die Welt liebt.

Dieser neugierigen Frage kommt die Liebe Gottes zuvor, indem sie gleich angibt, wie sehr Gott die Welt liebt: So sehr, dass Gott seinen einzigen Sohn hingab.
Wir stellen fest, Gott ist in seiner Liebe zur Welt zuvorkommend. Diese zuvorkommende Liebe ist eine Qualitätszeichen. Sie sagt uns, dass Gott sich seine Liebe zur Welt nicht wie Würmer aus der Nase ziehen lässt. Diese Liebe Gottes hat es eilig, die Welt zu lieben. Sie möchte schon die Welt in Liebe hüllen noch ehe diese überhaupt erkennt, dass sie diese Liebe nötig hat.

Und dann sagt also Gott, wie sehr er die Welt liebt: So sehr, dass er seinen einzigen Sohn hingab.
Eine Liebe die gibt – aber nicht ziellos. Sondern gezielt, gemeint auf ein bestimmtes Ziel – auf die Welt! Also eine Liebe die „hin – gibt“. Eine ökonomische Liebe, die ihre Kraft nicht vergeudet in ein Irgendwo hinein sondern gesammelt ausrichtet auf ein Ziel – auf die Welt!

Diese Liebe gibt hin – aber was? Sie gibt kein „Was“ – kein Ding; sie gibt einen „Wen“ – eine Person: seinen einzigen Sohn! Das heißt – Gott hat nur diesen einen Sohn; anderen hat er keinen mehr! Er ist sein einziger Sohn!
Im Kontext des damaligen Verständnisses von Nachkommenschaft, Kindern und Söhnen bedeutet dies: Gott gibt hin sein einziges, sein bestes Stück – an dem sein ganzes Herz hängt;
den er liebt, wie sonst niemand;
an dem er sich erfreut, wie an niemandem sonst.
Wir können sagen: in diesem einzigen Sohn gibt Gott sein ganzes Herz hin, sein Innerstes, seine tiefste, reinste Liebe. Mir fehlen die Worte, um angemessen auszudrücken, wen Gott in seinem einzigen Sohn hingegeben hat!

Johannes vom Kreuz hat dies auch versucht und lässt Gott selber sprechen zu jedem, der von ihm über seinen Sohn Jesus Christus hinaus noch weitere Offenbarungen und Visionen verlangt. Zu einem solchen Menschen also lässt Johannes vom Kreuz Gott mit folgenden Worten sprechen:
„Richte deine Augen allein auf ihn, denn in ihm habe ich dir alles gesagt und geoffenbart, und du wirst in ihm noch viel mehr finden, als du erbittest und ersehnst. .... Denn ER ist meine ganze Rede und Antwort, er ist meine ganze Vision und Offenbarung. Das habe ich euch schon gesagt, geantwortet, kundgetan und geoffenbart, als ich ihn euch zum Bruder, zum Gefährten und Lehrmeister, als Lösegeld und Lohn gab. ..... Hört auf ihn, denn ich habe nicht noch mehr Glauben zu offenbaren, noch mehr Dinge kundzutun. Denn wenn ich früher sprach, war es, weil ich Christus verhieß, und wenn sie mich befragten, erbaten und erhofften sie mit ihren Fragen Christus, in dem sie alles Gute finden sollten, wie es jetzt die ganze Lehre der Evangelisten und Apostel zu verstehen gibt.....Wenn du möchtest, dass ich dir mit einem Trostwort antworte, dann schau auf meinen Sohn, mir ergeben und aus Liebe zu mir hingegeben und gepeinigt, und du wirst sehen, wie viel er dir antwortet. Wenn du möchtest, dass ich dir manches verborgene Schalten und Walten erkläre, dann richte deine Augen allein auf ihn, und du wirst die verborgensten Geheimnisse und Weisheit und Wunder Gottes finden, die in ihm verschlossen sind...... Schau auf ihn, der sogar Menschengestalt annahm, und du wirst darin mehr finden als du denkst.“ (Johannes vom Kreuz 2 Subida 22,5-6)

Aus der Liebe Gottes zur Welt ist eine Person herausgewachsen, sie hat Gestalt angenommen in seinem einzigen Sohn. Diese Liebe Gottes ist so groß, so stark, so lebendig, dass sie nicht Idee, ja, nicht einmal Wort bleiben wollte – sie wollte Gestalt werden und Person; sie wollte Mensch werden – wie wir!

Diese Liebe zu Gott wollte nicht in sich im Göttlichen verbleiben. Sie hat diesen Raum des Göttlichen verlassen und ihn überstiegen auf die Welt hin und dort auf jene Wesen hin, die Gottes fähig waren – auf uns Menschen. Wir hören den Apostel Paulus in seinem Brief an die Philipper, Kapitel 2: „ 6  Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
7  sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;
8  er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“

Bei seinem Heraustreten aus dem Göttlichen hat der einzige Sohn sein Gottsein nicht zurückgelassen; er hat es in seiner ganzen Fülle mitgenommen und es eingeborgen in eine menschliche Gestalt – in die des Menschen Jesus von Nazareth.

Dieses Heraustreten ist ein Hingeben der Liebe Gottes in der Form einer Sendung. Dies betont die Eigenständigkeit des gesandten Sohnes und zugleich seine Abhängigkeit von Gott.
Es ist nicht nur Gott, der sendet; es ist auch der Sohn, der sich senden lässt. Beide stimmen vollkommen überein in dieser Sendung. Sie sind ein Herz und eine Seele. Was Gott will, will in gleicher Weise auch der Sohn. Und im Willen des Sohnes zeigt sich der Wille Gottes. Beide sind in einer Atmosphäre des Einklanges, des Übereinstimmens, des Einsseins. Diese Atmosphäre ist eine solche der Liebe – und sie ist so dicht, so lebendig, so wahr, dass sie in der Gestalt des Hl. Geistes eine eigene wirkmächtige Person ist. In Gott gibt es nichts Unpersönliches. In Gott ist alles Persönlich. In Gott ist alles Person. Im großen Glaubensbekenntnis beten wir deshalb: „ Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird.“

Dann lesen wir im Evangelium weiter: Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet wird. Mit diesen Worten erstreckt sich der Rettungswille Gottes auf die ganze Welt. Nichts und niemand ist davon ausgenommen. Wir hören Paulus im Römerbrief, Kapitel 8: „ 19  Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
20  Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung:
21  Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.“

Die Rettung durch Gott ist und bleibt jedoch ein Angebot, das der Annahme bedarf, will es wirksam werden. Diese Annahme geschieht im Glauben. Im Glauben an den Namen des einzigen Sohnes Gottes öffnet sich der Mensch, so dass Gott ihn retten kann. Und es ist dies ein Glauben an einen dreifaltigen Gott.

Kaum wo kommt dieser Glaube so klar und so lebendig erfrischend zum Ausdruck, wie im Gebet der sel. Elisabeth von Dijon, einer Karmelitin (1880-1906):

„O mein Gott, Dreifaltigkeit, die ich anbete : Hilf mir, mich ganz zu vergessen, um mich in Dir niederzulassen, regungslos and friedvoll, so als weilte meine Seele bereits in der Ewigkeit. Nichts soll meinen Frieden stören können, nichts soll mich aus Dir herausfallen lassen, o mein Unwandelbarer; vielmehr soll mich jede Minute weiter in die Tiefe Deines Geheimnisses hineinführen. Schenk Frieden meiner Seele, mach sie zu Deinem Himmel, zu Deiner geliebten Wohnung and dem Ort Deiner Ruhe. Gib, dass  ich Dich dort nie allein lasse, sondern ganz da bin, ganz wach in meinem Glauben, ganz anbetend, ganz ausgeliefert an Dein schöpferisches Handeln.  

O mein geliebter Christus, aus Liebe gekreuzigt, ich möchte eine Braut für Dein göttliches Herz sein, ich möchte Dich mit Ehre überschütten, ich möchte Dich lieben ... ja, aus Liebe sterben! Aber ich fühle mein Unvermögen, und ich bitte Dich: „Bekleide mich mit Dir selbst", mach meine Seele mit allen Regungen Deiner Seele gleichförmig, überflute mich, durchdringe mich, setze Dich an meine Stelle, damit mein Leben nur mehr ein Widerschein Deines Lebens sei. Komm, bete an, heile and erlöse in mir !
O ewiges Wort, Wort meines Gottes, ich will mein Leben damit verbringen, auf Dich zu hören, ich will ganz offen and gelehrig sein, um alles von Dir zu lernen. Sodann will ich durch alle Nächte, alle Leere and alles Unvermögen hindurch immer den Blick auf Dich richten and in Deinem hellen Licht bleiben. O mein geliebter Stern, banne mich fest, damit ich nie mehr aus Deinem Strahlenkreis herausfallen kann.  

O verzehrendes Feuer, Geist der Liebe, „komm über mich", damit in meiner Seele gleichsam eine Inkarnation des Wortes geschehe : damit ich Ihm eine weitere Menschheit sei, in der Er sein ganzes Mysterium erneuert. Und Du, o Vater, neige Dich zu Deinem armen, geringen Geschöpf herab, „bedecke es mit Deinem Schatten", sieh in ihm nur den „Viel-Geliebten, an dem Du Dein Wohlgefallen hast".

O meine Drei(faltigkeit), mein Alles, meine Seligkeit, unendliche Einsamkeit, Unermesslichkeit, in die ich mich verliere, ich liefere mich Dir als Beute aus. Senke Dich ganz in mich hinein, damit ich mich in Dich versenke, bis ich einst in Deinem Licht zur Anschauung Deiner unermesslichen Größe and Erhabenheit gelange.

Eine derartige Offenheit im Glauben an den dreifaltigen Gott erleben wir in ihrer reinsten Form in Maria, der Mutter Jesu: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1:45) So spricht Elisabeth, erfüllt vom Hl. Geist über Maria, die gekommen ist, ihr in der Schwangerschaft zu helfen.

Elisabeth hat, erleuchtet vom Hl. Geist, begriffen, dass Maria ihr den König des Friedens bringt, der ihr seinen Frieden gibt. Die Gospa hat in Medjugorje diese Botschaft ausdrücklich ausrichten lassen und zugleich damit eindringlich eingeladen: „Ihr meine Kinder, betet, betet, beten!“

Das Gebet wirkt in uns das Wunder der Hinwendung zu Gott, das Wunder der Öffnung unseres Herzens und unseres Lebens für Gott, das Wunder des Hineintretens in das Geheimnis des dreifaltigen Gottes. Kein Wunder also, wenn die Gospa dann anfügt: „deshalb, meine lieben Kinder, möge das Gebet für euch Freude sein.“

Und so sagt die Gospa in der Botschaft vom 25.11.2013 zu uns: „Heute rufe ich euch alle zum Gebet auf. Meine lieben Kinder, öffnet die Tür des Herzens tief im Gebet, dem Herzensgebet. Dann wird der Allmächtige auf eure Freiheit einwirken können und die Bekehrung wird beginnen.“ Amen!

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