Sonntag, Juni 01, 2014

Wartezeit


 
7. Sonntag der Osterzeit 1.6.14
 
Lesung aus der Apostelgeschichte 1: 12 – 14
12Als Jesus in den Himmel aufgenommen war, kehrten die Apostel vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.
13Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.
14Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.


Wir erleben die Jünger Jesu in einer besonderen Zeit – in einer Zeit ohne sichtbaren, hörbaren, spürbaren Jesus in ihrer Mitte, wie das in den vergangenen 40 Tagen der Fall war, als er sich unter ihnen aufgehalten hat als der auferstandene Herr. In diesen 40 Tagen konnten sie sich überzeugen, dass er wirklich lebt.

Und doch ist Jesus da; am Verhalten der Jünger können wir sein Dasein sehen, denn die Jünger tun, was er ihnen gesagt hat: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.“ (Lk 24:49b)
Diese Anweisung Jesu setzen sie in der Lesung um: Sie kehren zurück in die Stadt, gehen in das Obergemach, wo sie nun ständig bleiben und verharren dort einmütig im Gebet.

Die genaue Umsetzung der Weisung Jesu zeigt, wie wichtig ihnen die Worte Jesu sind. Und die Worte Jesu sind ihnen wichtig, weil Jesus selber ihnen wichtig ist. Die Freundschaft mit Jesus, die Liebe zu ihm bestimmt ihr Handeln.

Interessant ist nun aber, dass ihnen Jesus nicht bis ins Detail hinein vorgeschrieben hat, wie sie das Bleiben in der Stadt gestalten sollen. Offensichtlich ist dieses Bleiben ein Warten – ein Warten auf die Kraft aus der Höhe! Aber wie und wo sie warten sollen, hat Jesus ihnen nicht gesagt.

Es ist nun bezeichnend, dass sie in Jerusalem nicht etwa in den Tempel sondern gleich in jenen Raum gehen, der „Obergemach“ genannt wird. Von Anfang an wurde dieses Obergemach mit jenem Raum gleichgesetzt, in dem Jesus mit seinen Jüngern das Letzte Abendmahl gehalten hat. Das ist ein weiter Hinweis auf das Dasein Jesu: Der Aufenthalt in jenem Raum, der intensiv getränkt ist von der Erinnerung an Jesus.

Und was tun sie in diesem „Jesusraum“? Sie bleiben ständig dort, das heißt, sie setzen sich beständig dem Herrn und der Erinnerung an ihn aus. Und dann hören wir weiter, dass sie dort einmütig im Gebet verharren. Und auch darin wird Jesus lebendig in den Worten vom Beten: „Betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!“ (Lk 22:46b) oder: „Bittet, dann wird euch gegeben!“ (Lk 11:9a) oder: „Der Vater im Himmel wird den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!“ (Lk 11:13b) Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, dass sie in diesen Tagen des Bleibens und Wartens das „Vater Unser“ gebetet haben, das Jesus sie ja selber gelehrt hat.

Wir sehen also: Jesus ist nicht mehr bei ihnen – und dennoch ist er da! Er beginnt von Anfang an sein Versprechen in die Tat umzusetzen, das er ihnen vor seinem Heimgang zum Vater gegeben hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“ (Mt 28:20b)

Wir können sagen: In diesen Tagen „ohne“ Jesus werden sie gleichsam „von hinten“ gehalten von Jesus und seinem Dasein. Sie werden aber auch „von vorne“ gehalten – nämlich von dem, was Jesus ihnen verheißen hat, von der Kraft aus der Höhe!

Jesus hat ihnen diese Kraft so innig und beschwörend verheißen als handelte es sich dabei um sein eignes Herz! Da kommt etwas auf sie zu, das Jesus ganz kostbar und ganz wichtig ist; etwas, das für die Beziehung zu ihm und für die Verbundenheit mit ihm unablässig ist.

Wie sollten seine Jünger da nicht ganz offen für diese Kraft aus der Höhe sein – ganz Erwartung, ganz Bereitschaft. Diese Haltungen kommen lebendig zum Ausdruck durch das beständige Bleiben im Obergemach und durch das Verharren im einmütigen Gebet.

Die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und dem Pfingstfest ist wie der Advent eine intensive Zeit des Wartens! Wie im Advent der Kranz mit den vier Kerzen sinnenfällig dieses Warten begleitet und belebt so ist es in den 9 Tagen bis Pfingsten die Pfingstnovene. Alle neuen Tage hindurch jeden Tag das Beten um die Kraft aus der Höhe, um die Gabe des Hl. Geistes.

Die Gestaltung dieser Wartezeit wird auch bei uns abhängen von der Lebendigkeit, Innigkeit und Herzlichkeit unserer Beziehung zu Jesus. Diese Beziehung wird uns Jesusräume aufsuchen lassen und Jesusgemeinschaften. Sie wird unsere Einstellung zum Hl. Geist prägen. Sie wird diesen Tagen eine knisternde religiöse Spannung geben, die nach neuem Leben riecht, nach einer neuen Weite, nach dem, was wir das Reich Gottes nennen. Amen!

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