Samstag, Juni 28, 2014

Petrus und Paulus

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Lesung aus dem Brief an die Galater 1:11 – 20



11Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen;

12ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen.

13Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte.

14In der Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk, und mit dem größten Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein.

15Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte

16seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate;

17ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück.

18Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.

19Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn.

20Was ich euch hier schreibe - Gott weiß, dass ich nicht lüge.





+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 21: 1.15 – 19



15  Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! 

16  Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

17  Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! *

18  Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.

19  Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach! 



Predigt



Weide meine Schafe, weide meine Lämmer! Diesen Auftrag erteilt Jesus dem Petrus. Doch ehe Jesus ihm diesen Job gibt, stellt er Petrus eine Frage - dreimal die selbe! Nicht eine Frage nach seiner Befähigung oder nach seiner Bereitschaft oder nach seinem bisher Geleisteten oder nach seiner Frömmigkeit. - Jesus stellt die Frage, ob Petrus ihn liebt!



Somit gründet Jesus den Hirtendienst des Petrus nicht auf dessen eigene Befähigung, die sich in der Verleugnung Jesu ja so erbärmlich, so schwach und feig erwiesen hat. Er gründet ihn auf die Liebe zu ihm. Aus dieser Liebe zu Jesus heraus wird ihm die Kraft für seinen Hirtendienst zukommen. Das ist auch insofern logisch, als es sich bei der Herde um Jesu Herde handelt und nicht um seine eigene: Weide meine Schafe - nicht die deinen!

Die Liebe zu Jesus wird den Petrus immer daran erinnern, dass er Jesu Herde weidet, dass er der Herde gegenüber Jesu Stellvertreter ist und dass er somit Jesus Rechenschaft ablegen wird müssen über seinen Hirtendienst.



Mit seiner Frage richtet Jesus die Aufmerksamkeit des Petrus nicht auf Vergangenes oder Zukünftiges: Nicht auf das, was er getan oder nicht getan hat, nicht auf sein Versagen und auf seinen Verrat; auch nicht auf das, was er einmal tun oder sein wird! - Denken wir nur daran, in welchem Brustton der Überzeugung er behauptet hat, er sei bereit, mit Jesus ins Gefängnis und in den Tod zu gehen (vgl. Lk 22:33)! Nein, Jesus fragt den Petrus nach dem Jetzt, und da nach der Liebe!

Also nicht: "Hast du mich geliebt?" oder "wirst du mich lieben?" sondern: Liebst du mich - jetzt?

Genau darauf kommt es Jesus an: Auf die "Jetztliebe!" Es ist nämlich eben diese Liebe, die den Petrus in der Gegenwart des Herrn bewahrt und in je und je an den Herrn bindet. Zudem bewirkt diese Liebe eine beständige Öffnung für den Herrn, so dass Jesus ihm je und je jene Kraft zukommen lassen kann, die er für seinen Hirtendienst gerade braucht.



Wir können es auch so sagen: Ehe Jesus den Petrus zum Dienst an seiner Herde ruft, ruft er ihn in seine Gegenwart, die ausschließlich unter dem Vorzeichen der Liebe steht.



Ein Weiteres ist von eminenter Bedeutung: Wie nämlich Petrus der Herde des Herrn entgegengeht. Er geht ihr mit der Liebe entgegen, die er zu Jesus hat. Diese Liebe prägt seine Beziehung zur Herde von Anfang an und von Grund auf. Diese Liebe ist die einzige Tür, die zur Herde führt. Aber wie anders sollte es auch möglich sein? Petrus kann nicht den Herrn lieben und dessen Herde hassen. Vielmehr ruft Jesus den Petrus in die Liebe zu IHM und in dieser Liebe schickt er ihn zu seiner Herde. Er dient der Herde in der Liebe zu Jesus. In der Herde kann er so auch ihren Hirten, Jesus, lieben! Die Jetztliebe bindet Petrus in die Herde Jesu ein in zweifacher Hinsicht: In seiner Liebe zu Jesus ist er Glied der Herde und in derselben Liebe ist er stellvertretender Hirt der Herde Jesu.



Und noch eine wichtige Bemerkung: Liebst du mich? - diese Frage ist offen für das Wie, Wann und Wo dieser Liebe! Es ist die Frage nach einer Liebe in jeder Weise, an jedem Ort und für jede Zeit - es ist eine universale, eine katholische, alles umfassende Liebe!

Die Liebe zu Jesus ist für Petrus das Fundament seines Hirtendienstes; sie ist der Weg mit seiner Herde und das Ziel des Weges. Was Jesus von Beginn an unter die Liebe zu ihm gestellt hat wird auch in der Liebe zu ihm vollendet. Im Vertrauen auf diese Liebe braucht Petrus sich nicht vor seinen Grenzen fürchten; in dieser Liebe wird er seine Grenzen je und je überwinden können.



So weit zum Apostel Petrus! Wie schaut das nun bei Paulus aus? Welches Fundament hat denn sein Hirtendienst? Sagt uns die heutige zweite Lesung etwas darüber? Wir hörten, „dass Gott ihn schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, ihm in seiner Güte seinen Sohn zu offenbaren, damit er ihn unter den Heiden verkündige.“ (Gal 1:15f)



Es fällt auf, dass sich auch Paulus so wie Petrus außerordentlich negativ gegen Jesus verhalten hat. Von Petrus wissen wir, dass er Jesus dreimal ausdrücklich und entschieden verleugnet hat. Paulus erzählt von sich selber, dass er im Eifer für das jüdische Gesetz „maßlos die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte.“ (Gal 1:13b) Ausgerechnet der hat „das Evangelium nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern hat es durch die Offenbarung Christi empfangen.“ (Gal 1:12) Versetzen wir uns in die Zeit dieser beiden Ereignisse und schalten wir einmal aus, was wir seither wissen, dann fragen wir uns schon: Was, diese beiden Typen ruft der Herr in seine Nähe? Denen vertraut er die Zukunft seiner Kirche an? Na, das wird was werden! Ja, es wurde was! Es wurde die Kirche, die seither die Jahrhunderte überdauert hat und zu jener Gestalt geworden ist, in der sie heute vor uns steht. Ja, es wurde die Kirche, zu der wir heute gehören, die wir heute sind!



Auch bei Paulus geschieht Erwählung durch Gott, so wie Petrus durch Jesus erwählt wurde. Bei beiden Erwählung rein durch Gnade und keineswegs durch Eigenverdienst! Beide werden gesendet: Petrus, die Herde Jesu zu weiden; Paulus, Christus zu verkünden! Bei allem Gemeinsamen im Wesentlichen Verschiedenheit in der Ausgestaltung: Petrus erweist seinen Hirtendienst in der Liebe zu Jesus; Paulus seinen Verkündigungsdienst! Die Liebe wurde beiden unverdient geschenkt durch Gottes Auserwählung und Zuwendung in Jesus Christus. Wir erkennen: Jesus hat die Kirche nicht auf menschliche Stärke gegründet sondern auf gnädige Liebe!



Was mit Petrus und Paulus geschehen ist, zeigt uns, dass auch wir nirgendwo sicher sind, von Gott erwählt und gerufen zu werden. Selbst die größte Distanz, in der wir uns von Gott entfernt glauben, zählt für Gott nicht; denn er ist da und uns immer nahe – mögen wir uns auch noch so ferne von ihm wähnen. Eigentlich sind wir von Gott ja immer schon erwählt und gerufen – zu gegebener Zeit lässt er uns das nur auf eindrückliche Weise wissen; dies stellt unser Leben dann auf den Kopf und richtet es vollends und endgültig auf Gott aus.



Eigentlich ist jede hl. Messe ein Ort und eine Zeit, in der Gott die Gründung seiner Kirche erneuert: Er ruft uns zu sich, lässt uns wissen, dass wir durch ihn aus gnadenhafter Liebe erwählt sind. So möchte er in uns die Liebe zu ihm wecken, die auch uns zu Hirtinnen und Hirten seiner Herde macht im Dienst der Verkündigung und der Leitung. So leben Petrus und Paulus in uns weiter – zuinnerst aber unser aller Herr Jesus Christus, der geliebt und gepriesen werde jetzt und in Ewigkeit Amen!

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