Mittwoch, Juni 18, 2014

Leben durch Christus


 
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 6:51 – 58

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.
52Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
55Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank.
56Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
57Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.



Es ist schwere Kost, die Jesus im heutigen Evangelium seinen jüdischen Zeitgenossen verabreicht! Wenn ihn seine Zuhörer wenigstens zum Fressen gern gehabt hätten, wäre das schon ein guter Ansatz, seine Worte zu verstehen – aber davon waren sie meilenweit entfern! Die meisten von ihnen konnten ihn nicht einmal riechen!

Ist die Frage, ob es uns da besser geht! Ob nicht auch wir von Jesu Speise eine Magenverstimmung bekämen?

Es ist offensichtlich, dass Jesus nicht in kannibalischer Art und Weise verzehrt werden möchte! Aber was möchte er dann mit seinen drastischen Worten mitteilen?

Ein Schlüsselsatz des heutigen Evangeliums hilft uns weiter: „ 57Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.“ (Joh 6:57)

In diesem Wort spricht Jesus seine Beziehung zu seinem Vater an: Da ist von Sendung die Rede und von einem „Leben durch den Vater“ – gerade so, als wäre sein Vater Lebensmittel für Jesus – nicht irgendeines sondern das Lebensmittel schlechthin!
Das Essen von Jesus muss also so verstanden werden, dass wir aus der Sendung durch Jesus heraus leben. Diese Sendung durch Jesus ist dabei nicht etwas Äußerliches sondern etwas Wesentliches; so wesentlich, dass wir durch Jesus leben, so wie Jesus durch den Vater lebt.
Durch Jesus leben können wir, wenn wir ihn aufnehmen, wie der Körper eine Speise aufnimmt: die Speise wird ganz vom Körper aufgenommen und wird von ihm verdaut: die Speise geht in den Körper über und wird so zum Lebenserhalt für den Körper, zur Lebenskraft, ohne die der Körper auf Dauer nicht leben könnte sonder sterben würde.
Gerade so müssen wir Jesus aufnehmen: Ihn ganz in unser Leben hereinlassen, ihn verdauen, so dass sich Jesus ganz uns angleichen kann, und wir uns ihm; so wird Jesus zur Kraft in uns, die unser Leben erhält, bestimmt und prägt. Paulus hat das in das kraftvolle Wort gefasst: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!“ (Gal 2:20) Genau dahin muss es führen, wenn wir Jesus essen: Jesus muss in uns leben, damit wir dann durch Jesus leben können: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ (Joh 6:56)
In der Lesung aus dem Wüstenzug des Volkes Israel wird uns vor Augen geführt, wie sehr das Volk sein Überleben in der Wüste dem Wort Gottes verdankt. Es lernt hautnah und dramatisch, „dass es nicht nur vom Brot lebt sondern von jedem Wort, das aus dem Mund des Herrn hervorgeht.“ (Deut 2:3) Das Wort des Herrn hat ihnen das Manna verschafft, das Wort des Herrn rief die Wachteln herbei, das Wort des Herrn ließ ihnen das Wasser aus dem Felsen quellen. Sie haben vom Wort des Herrn gelebt, der auf dem Weg durch die Wüste mit ihnen war.

Geradeso ist es mit Jesus: Auch er hat verheißen, „alle Tage bei uns zu sein bis ans Ende der Welt.“ (Mt 28:20) So gewährleistet er auf unserem Weg durch die Wüste dieser Erdenzeit die Speise seiner immerwährenden Gegenwart. Von der können wir essen jeden Augenblick! Das ist wichtig zu wissen!
Denn unser Körper isst ja auch nicht ein für allemal! Vielmehr muss er immer wieder Nahrung zu sich nehmen, um am Leben zu bleiben. Gerade so nehmen wir auch Jesus nicht ein für allemal zu uns sondern immer wieder können wir vom Fleisch seiner Gegenwart kosten und vom Blut seiner bleibenden Nähe trinken. „Fleisch“ und „Blut“ wollen uns dabei sagen, dass wir uns das Essen von Jesus nicht konkret genug vorstellen können – will heißen: dass wir seine wirkmächtige und andauernde Gegenwart nicht ernst genug nehmen können.

Die Weisen seiner Gegenwart gleichen dabei einem üppig gedeckten Tisch: Angefangen von den Gaben der Eucharistie in Brot und Wein, über sein Wort, die Gemeinde beim Gottesdienst, jeden einzelnen Menschen, dem wir gegenüberstehen bis hin zur gläubig erlebten Nähe des Herrn in jeder Situation und in jedem Augenblick. Er ist wirklich immer bei uns! Wir müssen ihn nur ergreifen und ihn uns einverleiben!

Warum tun wir das nicht? Was hindert uns daran? Es ist jene Speise, die uns den Magen beschwert und die recht eigentlich unverdaulich ist für uns: Die Speise unserer ungeordneten Eigenliebe verbunden mit Unbeweglichkeit und Hartherzigkeit, Oberflächlichkeit und Kurzsichtigkeit! Das alles ist eigentlich Gift für uns und bringt uns den Tod!
Darum sollten wir diese Speise erbrechen und ausspucken, damit der Magen unserer Seele wieder so richtigen Hunger bekommt nach der kraftvollen und köstlichen Speise der Gegenwart Gottes.

Der Herr schenke uns die Gnade, dass wir unseren Speiseplan so gestalten, dass auf ihm nur Nahrung zu finden ist, die nicht nur uns sondern auch dem Herrn und unserem Nächsten schmeckt und gut tut! Christus sei unser Speisemeister und unsere Speise jetzt und in Ewigkeit! Amen!

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