Donnerstag, Juni 12, 2014

Jesus vom Geist - der Geist von Jesus






Lesung aus Apostelgeschichte 2:1 – 11

1Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.
2Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
3Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
4Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
5In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
6Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
7Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
8Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
9Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,
10von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,
11Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20:19 – 23

19Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.



Ein Ereignis für alles Sinne ist das Pfingstfest: Die Ohren der Jünger hören das Brausen vom Himmel her; ihre Augen sehen die Feuerzungen, die sich auf jeden von ihnen herablassen. Und in ihrem Herzen empfinden sie die Freiheit und den Drang zu reden, was der Geist ihnen eingibt. Sie reden zu den Leuten, die zusammenlaufen, weil auch sie das Rauschen hören und die Feuerzungen sehen. Und die Leute verstehen, was die Jünger reden: Sie erzählen von Gottes großen Taten – und damit ist gemeint das Ereignis Jesus Christus.

Was da zu Pfingsten an den Jüngern geschehen kam gewiss überraschend in der Weise wie es geschehen ist – das Sturmbrausen, die Feuerzungen, das entfesselte Reden der Jünger und das Verstehen bei den Zuhörern.
Aber es kam über eine betende, wartende Gemeinschaft, die sich im Auftrag Jesu zusammengefunden hat und sich so öffnete und ausstreckte nach der Kraft aus der Höhe: Sie beteten und warteten, dass diese Kraft kommen werde – aber wie, wussten sie nicht.

Was da in der Lesung erzählt wird, wird in seinem stillen, einfachen Kern im Evangelium berichtet: Dass nämlich der Hl. Geist eine Gabe des auferstandenen Jesus Christus ist; dass sie in Form des Atems eine Gabe aus seinem Innersten ist – eine Herzensgabe; dass der Hl. Geist jener Atem ist, von dem Jesus lebt und von dem auch wir leben sollen. Es ist göttlicher Atem, göttlicher Geist.

Der Hl. Geist kommt vom Vater durch Jesus Christus und er führt zu Jesus hin und durch Jesus zu Gott, dem Vater. „So kann keiner sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Hl. Geist redet.“ (1Kor 12:3b)

Will ich also wissen, ob ich den Hl. Geist habe, ob ich aus ihm lebe, muss ich schauen, wie meine Beziehung zu Jesus ist. Ist mir Jesus egal, dann habe ich irgendeinen Geist – nur nicht den Heiligen.
Wenn ich für Jesus brenne, wenn er in meinem Herzen wohnt, wenn sein Name auf meinen Lippen ist – dann darf ich mir gewiss sein, dass der Hl. Geist mich erfüllt und bewegt. Und eben das ist in der Lesung geschehen: Erfüllt vom Hl. Geist haben die Jünger Gottes große Taten in Jesu Tod und Auferstehung verkündet und so für alle Menschen das Tor geöffnet zur Gemeinschaft mit den Jüngern Jesu. Durch Hören der Botschaft von Jesus, durch Umkehr und Taufe gehen sie durch das Tor ein in diese Gemeinschaft, die schon bald den Namen Kirche tragen wird.

Wir merken schon, der Hl. Geist führt in diese Gemeinschaft hinein, er lässt sie wachsen und belebt sie wie einen Leib. Deshalb wird diese Gemeinschaft sehr bald der sichtbare Leib Christi in dieser Welt genannt. Wer diese Gemeinschaft verlässt und andere auch dazu verführt, kann nicht im Hl. Geist handeln, denn er reißt auseinander und spaltet, was der Hl. Geist zusammengeführt und im Namen Jesu verbunden hat.

Der Hl. Geist verbindet nicht nur mit Jesus – er macht wie Jesus: das heißt, er lässt die Jünger wie Jesus handeln: in  Lesung und Evangelium verkünden sie wie Jesus Gottes große Taten, das heißt, sie verkünden, dass Gottes Königsherrschaft gekommen ist; sie werden wie Jesus befähigt, Sünden zu vergeben und so die Menschen der Macht des Bösen zu entreißen. Damit sind die zentralen Aufgaben Jesu bezeichnet, welche die Jünger nun in der Kraft des Hl. Geistes fortführen. Gleich darauf werden wir dann auch davon hören, wie sie gleich Jesus Kranke heilen. Sie leben, reden und wirken wie ein anderer Jesus hier auf Erden. Diese Ähnlichkeit mit Jesus wird der Hl. Geist schließlich so weit führen, dass sie sogar wie er und um seines Namens willen im Martyrium ihr Leben hingeben werden.

Der Hl. Geist kommt aus der Gemeinschaft zwischen dem Vater und dem Sohn und führt in diese Gemeinschaft hinein als Geschwister Jesu, als Kinder Gottes und als Intimfreunde dieses Hl. Geistes. Er ist ganz göttliches Wesen und gibt uns Anteil an diesem göttlichen Wesen. Er ist ganz göttliches Leben und gibt uns göttliches Leben. Darum dürfen wir jetzt mit Recht dieses göttliche Leben bezeugen und gemeinsam die Pfingstsequenz beten im GL 344:
Komm herab, o Heil‘ger Geist, / der die finstre Nacht zerreißt, / strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt, / komm, der gute Gaben gibt, / komm, der jedes Herz erhellt.
Höchster Tröster in der Zeit, / Gast, der Herz und Sinn erfreut, / köstlich Labsal in der Not,
in der Unrast schenkst du Ruh, / hauchst in Hitze Kühlung zu, / spendest Trost in Leid und Tod.
Komm, o du glückselig Licht, / fülle Herz und Angesicht, / dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Weh’n / kann im Menschen nichts bestehn, / kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein, / Dürrem gieße Leben ein, / heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart, / löse, was in sich erstarrt, / lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut, / das auf deine Hilfe baut, / deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn, / deines Heils Vollendung sehn / und der Freuden Ewigkeit. Amen. Halleluja.

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