Donnerstag, Juni 26, 2014

Herz Jesu





+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 11: 25 – 30



25In jener Zeit sprach Jesus: Ich  preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

26Ja, Vater, so hat es dir gefallen.

27Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

28Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

29Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

30Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.







Wenn jemand uns fragt, wie es uns denn so geht, so erwartet er in der Regel nicht, dass wir auspacken und ihm erzählen, wie es uns tatsächlich geht. Er erwartet vielmehr die knappe Antwort: Danke, gut! Mit seiner Frage möchte er nicht in die Tiefe gehen sondern an der Oberfläche bleiben und bloß höflich sein.

Schon gar nicht möchte so ein Mensch, dass wir ihn mit unseren Problemen, Ängsten und Nöten befassen!



Genau damit aber möchte Jesus Menschen bei sich haben: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt!“ (Mt 11:28a) Diese Einladung richtet sich an alle, so dass auch wir uns angesprochen wissen dürfen. Warum ist Jesus neugierig auf unsere Lasten? Was findet er interessant daran? Was bringen ihm unsere Probleme?

Jesus beantwortet gleich diese Fragen, indem er anfügt: „Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ (Mt 11:28b) er möchte sie uns wegnehmen die Plagen und Lasten! Nicht an ihnen ist er interessiert sondern an uns! Um unsretwillen interessiert ihn unsere Lebenslast! Es geht ihm um uns und dass wir von unseren Lasten frei werden und Ruhe finden.

Insbesondere spricht Jesus da jene Probleme an, die wir alleine nicht mehr lösen können, jene Fesseln, die wir alleine nicht mehr sprengen können, jene Lasten, von denen wir alleine uns nicht mehr befreien können. Er bietet sich uns an als der Nothelfer in unserem Lebens.



Jesus speist uns nicht mit Floskeln ab; er weist uns den Weg zu einem guten Umgang mit den Mühen und Plagen unseres Lebens: den Weg zu ihm und in der Folge den Weg mit ihm. Dieser Weg mit ihm ergibt sich aus dem, was Jesus weiter sagt: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Mt 11:29f)



Das Joch ist ein Gebrauchsgegenstand aus der bäuerlichen Umwelt Jesu: Es ist jener Teil eines Wagens, der dem Zugtier auf den Nacken gelegt wird und mit Seilen und Gurten mit dem Wagen verbunden ist, den das Tier ziehen soll. Zudem kann der Wagenlenker das Zugtier über das Joch leiten.

Das Joch Jesu, das wir anstelle unserer Plagen und Lasten auf uns nehmen sollen, ist etwas, das uns mit Jesus verbindet; etwas, mit dem Jesus uns lenken kann.

Wie ist es aber nun möglich, dass dieses Joch Jesu nicht drückt und dass diese Last Jesu leicht ist?

Weil dieses Joch von einem Jesus gelenkt wird, der gütig und von Herzen demütig ist. Die Güte und die Demut Jesu sind gleichsam die Zügel, mit denen er sein Joch und damit unser Leben lenkt und leitet.

Wenn er zudem sagt, dass wir sein Joch auf uns nehmen sollen dann fügt er nicht an: „Tragt es“ oder „stöhnt darunter“ oder „plagt euch damit ab“ sondern er fügt an: „lernt von mir!“ Jesus steht nicht als Treiber mit einem Schlagstock hinter uns, um uns anzutreiben sondern er steht vor uns als Pädagoge, als Erzieher, der uns lehren möchte und von dem wir lernen sollen.

So tritt immer deutlicher hervor, was Jesus mit „seinem Joch“ und mit „seiner Last“ meint: es ist „das Joch“ seiner Gegenwart; es ist „die Last“ des Zusammenlebens mit ihm.



Die Einladung des heutigen Evangelium hat Jesus mit anderen Worten bereits an seine Jünger gerichtet, als er sie von den Fischernetzten weg in seine Nachfolge gerufen hat: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen!“ Da haben wir die Einladung, zu ihm zu kommen; das Joch, ihm nachzufolgen; und von ihm zu lernen, wie sie Menschen fischen sollen.



Ähnliches hatte sich Jesus ja auch für unsere Ahnen in Tirol ausgedacht, als sie unter der Fremdherrschaft der Baiern und Franzosen zu leiden hatten. Da hat er sie auch zu sich gerufen unter ihren schweren Lasten; und sie sind auch zu ihm gekommen und haben einen Bund mit ihm geschlossen im Zeichen seines Heiligsten Herzens; aber den Rest haben sie dann vergessen und sie haben nicht von Jesus gelernt, was er ihnen etwa über die Feindesliebe gesagt hat in der Bergpredigt und wie er selber seine Feinde geliebt hat.

Sie haben sein gütiges und demütiges Herz außer Acht gelassen. Aber gerade das hätten sie ins Auge fassen und in ihr Herz schließen sollen – wissend, dass Jesus nicht nur gütig zu ihnen ist sondern auch zu den Franzosen und Baiern und überhaupt zu allen Menschen.

Sie haben missachtet, dass Jesus ihr Herz dem seinen ähnlich machen wollte. Sie sollten nach dem Willen Jesu nicht zu Gewehr, Kanone und anderen Waffen greifen sondern die Waffenrüstung Gottes anlegen, die der Apostel Paulus so beschreibt:   „10 Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn!

11  Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt.

12  Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs.

13  Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt.

14  Seid also standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an

15  und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen.

16  Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen.

17  Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes.

18  Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.“



Genau das hätten unsere Ahnen von Jesus lernen sollen! Genau das hätte er sie lehren wollen! Jesus wollte sich unseren Ahnen einprägen – wie ein Lehrer seinen Schülern. Sie sind in den Bund mit Jesus hineingesprungen – und wurden doch letztlich im Sprung gehemmt durch die Meinung, ihre Ziele mit militärischer Waffengewalt erreichen zu müssen. So ist die letzte, tiefste Bundesprägung durch Jesus unterblieben. Jesus wollte nicht, dass sie ihr Land mit ihrem Schwert gewännen, noch wollte er, dass ihr Arm ihnen den Sieg verschaffte; nein, die Rechte Jesu sollte es sein, sein Arm und sein leuchtendes Angesicht (vgl. Ps 44:4) Und wovon leuchtete sein Angesicht? Von seinem gütigen und demütigen Herzen! In der Kraft eines demütigen und gütigen Herzens müssen wir unsere Schlachten schlagen – und nicht mit Muskelkraft und Waffengewalt!



Wir sehen, diese Waffenrüstung Gottes ist zeitlos gültig. Gebe der Herr, dass wir von ihm lernen, sie anzuziehen und sie zu gebrauchen, denn Bedrängnis, Not und Kampf gibt es heute auch – wie ein Blick in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zeigt. In allen drei Bereichen gilt es den christlichen Grundwert des Vorranges des Menschen vor allem anderen zu verteidigen und zu verwurzeln: Im Hinblick auf das ungeborene Leben und die sterbenden Menschen; im Hinblick auf die verschämten und offensichtlich Armen; im Hinblick auf die Arbeitslosen, die Asylanten und die Einsamen; im Hinblick auf die Not in unseren Familien; im Hinblick auf die Gäste und die Gastgeber in unserem Land. Das sind die Fronten, an denen es heute zu kämpfen gilt. Dorthin ruft der Herr: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11:28) Und er ruft durch uns. Er möchte uns zu „Herz – Jesu – Menschen“  machen, die mit ihm nicht nur einen Bund schließen sondern diesen Bund auch leben – und so sein mildes Joch und seine leichte Last tragen.



Mit Jesus muss es unser aller Anliegen sein, Menschen die Plagen und Lasten abzunehmen, die sie selber oder andere ihnen auflegen und sie hinzuführen zum milden Joch der Lebensgemeinschaft mit Jesus, damit dieser als der Erlöser und Herr aller Menschen und der gesamten Schöpfung anerkannt und verherrlicht werde zur Ehre Gottes in der Kraft des Hl. Geistes jetzt und in Ewigkeit. Amen!



Herz Jesu II

“Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.” (Mt 11:28)

Wenn ich sage, die Einladung, zu Jesus zu kommen, ergeht an alle, dann stimmt das nicht. Sie ergeht nämlich an eine bestimmte Gruppe von Menschen: die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben.
Sie stellt mich vor die Frage, ob ich ein geplagter und belasteter Mensch bin. Sie konfrontiert mich mit dem, was ich gerne ausblende, weil ich es nicht mag.
Jesus mag es, weil er mich mag!
Jesus gehört zu jener exotischen Sorte von Menschen, die offen sind für das an  mir und in mir, wofür die meisten Menschen inklusive meiner selbst verschlossen sind.
Und er ist nicht passiv offen indem er sagt: „Ja, wenn es halt unbedingt sein muss, dann komm halt mit deinen Mühen in Gottes Namen zu mir!“
Er ist aktiv offen indem er einlädt und sagt: „Du bist mit deinen Mühen bei mir herzlichst willkommen – gerade im Namen Gottes! Im Namen jenes Gottes, dessen Sohn ich bin und dessen Liebe ich zu dir bringe.
In dieser herzlichen Annahme bietet Jesus uns sein Joch an und wir dürfen lernen, dass jede Last in mir und im anderen leichter wird durch liebevolle Annahme.
Bereits die Theologen der frühen Kirche haben diese Joch Jesu in die prägnante Formel gefasst: Nur was angenommen wird, wird auch erlöst. Damit war gemeint, dass Gott den Menschen ganz erlösen konnte erst nachdem er ihn in Jesus ganz angenommen hat. Mit anderen Worten kommt so die beglückende Wahrheit zum Ausdruck, dass Gott in Jesus Christus ganz wie wir Mensch geworden ist.

Jetzt können wir auch etwas besser verstehen: dass nämlich Jesus nach seiner Einladung nicht sagt: Er werde die Plagen entfernen und die Lasten abnehmen! Sondern er sagt: „Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Und wie tut er dies? Indem er uns in seinem Beispiel das milde Joch anbietet, positiv liebevoll mit unseren Plagen und Lasten umzugehen.
Sie gehören nämlich zu uns, sind aus unserem Leben herausgewachsen. Sie sind Wir! Indem wir sie verwerfen, verwerfen wir unser Leben, verwerfen wir uns selber. Sie wollen geheilt werden – und das geht nur durch liebevolle Annahme.
Wenn wir mit einer Wunde am Arm zum Arzt gehen, dann wird der nicht kurzerhand den ganzen Arm abtrennen. Er wird vielmehr die Wunde behutsam begutachten, säubern, desinfizieren und verbinden. Dann kann sie allmählich heilen und der Arm, ja, der ganze Mensch wird wieder gesund.

Selten kommt in einem anderen Wort Jesu so klar zum Ausdruck, dass er unser Arzt ist für Leib und Seele. Und dass er uns seine ärztliche Kunst lehren möchte. Diese Kunst zielt darauf ab, uns mit unseren Plagen und Lasten auszusöhnen, eine größere Einheit in uns zu schaffen und so die Ruhe und den Frieden in uns zu mehren.

Das Herz Jesu Fest ist ein Fest der herzlichen Liebe Jesu zu uns, die wir oft so herzlos sind uns selbst und einander gegenüber. Jesus möchte uns zu herzlichen Menschen machen und beginnt damit heute einmal mehr bei uns selber. Er möchte die Liebe in uns ordnen und uns zubereiten für sein großes Gebot: „ Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.  Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22:37 – 39)

Heute schaut Jesus auf die rechte Liebe zu uns selbst. Ohne die können wir nämlich weder den Nächsten noch Gott in rechter Weise lieben. Denn wir haben nur ein Herz, mit dem wir Gott, den Nächsten und uns selber lieben.

Das Herz Jesu Fest ist deshalb ein Fest der heilenden und versöhnenden Liebe. Ein Fest, an dem Jesus uns sein mildes Joch, sein demütiges Herz als eine Quelle des göttlichen Erbarmens darbietet, damit wir daraus trinken zu unserem Heil, zu unserem Frieden und damit zur Freude aller, die zu uns gehören. Amen!



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