Donnerstag, Mai 29, 2014

Himmelfahrt - der Weg nach IMMERDA



 Lesung aus der Apostelgeschichte 1: 1 – 11

1Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat,
2bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben.
3Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
4Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt.
5Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft.
6Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
7Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.



Wenn jemand uns verlässt, freuen wir uns nur dann darüber, wenn der betreffende Mensch uns unangenehm und lästig geworden ist.
Auch die Jünger freuen sich, als Jesus von ihnen geht und in den Himmel aufgenommen wird, was soviel bedeutet, als dass er zu Gott, seinem Vater heimkehrt.
Nun können wir aber nicht sagen, dass Jesus den Jüngern lästig geworden wäre – im Gegenteil: Wiederholt hören wir in den Osterberichten, dass sie sich freuten, als sie den Herrn sahen. Sie sollten also traurig sein, wenn er sie nun verlässt. Aber das sind sie nicht! Denn Jesus hat ihnen seinen Abschied „versüßt“.

Zum einen hat er ihnen gesagt, wohin er geht – nämlich zu seinem Vater. Dann hat er ihnen gesagt, was er beim Vater tun wird – nämlich ihnen einen Platz bereiten; er kehrt also auch ihretwegen zum Vater zurück, um ihnen die Zukunft bei Gott zu sichern – die ultimative Lebensversicherung! Und schließlich lässt er sie nicht als Waisen zurück: Er wird ihnen vom Vater her einen Beistand schicken, den Beistand, den Hl. Geist. Der wird sie auf besondere Weise mit Jesus und mit Gott verbinden – das rote Telefon sozusagen, mit dem sie immer und überall und unter allen Umständen mit dem Herrn verbunden sein werden.

Apropos Lebensversicherung: Indem Jesus in den Himmel zu seinem Vater heimkehrt, geht ein Mensch  in den Himmel ein, der Mensch Jesus Christus. Denn bei seiner Himmelfahrt streift er seine Menschheit nicht wie eine Schlangenhaut ab, gerade so als wäre sie zu minder, Gott ganz nahe zu kommen. Nein, mit Leib, Geist und Seele, mit Haut und Knochen, als ganzer, wahrer Mensch kehrt Jesus zu seinem Vater heim. Das meint Jesus mit „Platz bereiten“: Der Mensch hat voll und ganz Platz bei Gott. Nichts von dem, was sein Menschsein ausmacht braucht er für seine Heimkehr zu Gott verleugnen. Wenn wir uns das einmal so richtig und langsam auf der Zunge zergehen lassen, können wir erahnen, welches Hoffnungspotential im heutigen Fest Christi Himmelfahrt enthalten ist und darauf wartet, dass wir es jetzt schon entfalten und jetzt schon davon leben.
Und was das Erwarten des Hl. Geistes angeht – so verhält sich Jesus durchaus nobel: Er macht Platz für den Hl. Geist, diese Größe seinesgleichen! Nobel dem Hl. Geist gegenüber, dass der seine Fülle entfalten kann! Nobel uns gegenüber, damit wir nicht durcheinanderkommen und eins vom anderen, nämlich den Sohn vom Geist auseinanderhalten und unterscheiden  können, sodass wir beide in ihrer Eigenart und doch auch in ihrer innigen Zugehörigkeit erfahren können. Aber das ist dann ein anderes Thema, das zum Dreifaltigkeitsfest gehört, zum Sonntag Pfingsten.

Es ist eigentlich unglaublich, wie sich auch im heutigen Fest eigentlich alles um uns Menschen dreht! In der Himmelfahrt zieht Jesus nicht eine Show ab, um sich selber weiß Gott wie hervorzutun. Sondern um unsretwillen und zu unserem Heil geschieht dies alles. Das muss den Jüngern allmählich gedämmert sein um schließlich zu Pfingsten Gewissheit zu werden.

Und jetzt verstehen wir auch die Freude, die die Jünger bei der Himmelfahrt Jesu erfüllt hat – der lichtvolle Gegensatz zur tiefschwarzen Trauer, welche die Jünger bei der „Kreuzfahrt“ Jesu erfüllt und verzweifeln hat lassen. Vielmehr findet im Himmelgang Jesu sein Kreuzgang das eigentliche Ziel und seine letzte Erfüllung.

Wie soll man sich auch nicht freuen über diesen Jesus, der bloß deshalb zum Vater heimkehrt, damit er für ewig dessen Seinsart leben kann, die da heißt: ich bin da – jetzt und immer; hier und überall. Keine Zeit mehr, die nicht auch seine Zeit ist; kein Raum mehr, der nicht auch sein Raum ist; kein Umstand, der nicht auch der seine ist. Jesus hat uns so lieb, dass er immer und überall bei uns sein möchte! Er hat uns so lieb, dass er nicht genug von uns kriegen und haben kann!
Und diese unglaubliche Liebe zu uns fällt zusammen mit der Liebe zu seinem Vater. Wenn man da länger nachdenkt, wird man ganz schwindlig – liebesschwindlig.
Und ich denke, es ist besser, mit der Predigt jetzt aufzuhören – denn was könnte ich noch mehr sagen?

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