Montag, Mai 05, 2014

Das Ende der Nacht






Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 21:1 – 14

In jener Zeit
1offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
2Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.
10Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
11Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.


Die Jünger ohne Jesus tun wieder, was sie ohne Jesus getan haben, ehe er sie in seine Nachfolge gerufen hat – sie gehen ihrem Handwerk nach, sie gehen fischen. Es hört sich gerade so an, als wäre die Zeit mit Jesus wie ausgelöscht.

Zugleich wird ihre Arbeit als unfruchtbar beschrieben: In dieser Nacht fangen sie nichts! Diese Nacht ist eine fruchtlose Nacht – und fruchtlos ist sie, weil es eine Zeit, eine Nacht ohne Jesus ist. Die Ertraglosigkeit dieser Nacht will ihnen sagen: Die Fischerei hat für euch keine Zukunft mehr! Und es hat keine Zukunft und bringt keine Frucht, weil es ein Tun und eine Zeit ohne Jesus ist. ER ist ihre Fruchtbarkeit; ER ist ihr Sinn; ER ist ihre Zukunft.
Es erweist sich, was Jesus im Gleichnis vom Weinstock und den Rebzweigen zu ihnen gesagt hat: Getrennt von mir könnt ihr nichts tun!

Die Fruchtbarkeit in der Nacht stellt sich ein, sobald Jesus da ist und sie tun, was er ihnen sagt: Werft das Netz auf der rechten Seite aus! Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

Die ganze Nacht ohne Jesus fingen sie nichts und dann in einem Augenblick mit Jesus haben sie eine Übermenge an Fischen gefangen. Mit Jesus kommt der absolute Überfluss – 153 große Fische – und dennoch zerreißt das Netz nicht

Die Gegenwart Jesu macht die Nacht fruchtbar. Er beendet die Nacht der Unfruchtbarkeit, der Ergebnis- und Sinnlosigkeit. Mit Jesus bricht für diese Nächte das Morgenrot an, da er die aufgehende Sonne ist, die jeder Nacht ein Ende setzt.

Wir bitten dich, Herr sei auch in den Nächten unseres Lebens da und beende sie: Die Nacht unserer Enttäuschung, unserer Traurigkeit, unserer Depression;
die Nacht des Krieges in Ukraine, Syrien, Afrika;
die Nacht der Heimatlosigkeit der Flüchtlinge;
die Nacht der Arbeitslosigkeit; die Nacht der Verfolgung.
Beende all diese Nächte als Sonne der Gerechtigkeit, des Friedens und des neuen Lebens.
Wenn nun also die Rebzweige nicht am Weinstock bleiben, können sie keine Frucht bringen.
Das gleiche Schicksal ereilt sie aber auch, wenn der Weinstock nicht da ist, an dem sie gerne hängen möchten!
Das weiß auch Jesu!

Darum ergreift er erneut die Initiative, kommt ihnen entgegen, sucht die Gemeinschaft mit ihnen. Er zieht sich als Auferstandener nicht in die erhabene und abgehobene Herrlichkeit bei seinem Vaters zurück sondern zieht es vor, unerkannt frühmorgens am Ufer des Sees zu stehen, den Jüngern zu einem grandiosen Fischfang zu verhelfen und sie schließlich am Ufer des Sees zu einem gemeinsamen Frühstück einzuladen. Das ist die Herrlichkeit, die Jesus nach seiner Auferstehung sucht: die Gemeinschaft mit seinen Jüngern. Er möchte nicht ohne sie glücklich sein!

Und das ist ein großer Trost für uns – seine Jünger, seine Kirche heute: ER lässt nicht locker, ER bleibt uns treu; ER bleibt bei uns und geht mit uns! Er kommt uns wie damals im Geist der Versöhntheit entgegen, überwindet, was uns von ihm trennt und begründet von neuem unsere Verbundenheit mit ihm und miteinander.

Bleiben wir nur empfänglich für sein großzügiges, unablässiges Entgegenkommen; werfen wir immer wieder einen Blick ans Ufer – lassen wir uns nicht allzu sehr vereinnahmen von den Nächten und pflegen wir den Kontakt mit dem Ufer; dann werden wir gewiss auch den Herrn dort stehen sehen; wir werden seine Stimme vernehmen, sein Wort in unser Leben eindringen lassen und seine wandelnde Kraft erfahren. Die Liebe wird auch uns erkennen lassen, dass es der Herr ist und eine neue Kühnheit wird uns drängen, möglichst schnell ihm ganz nahe zu sein – so wie es dem Petrus geschehen ist – und dabei hat der doch dreimal den Herrn verleugnet.

Jesus, nichts schreckt dich ab, uns nahe zu sein; nichts hält dich auf, uns entgegenzukommen. Deine Liebe drängt dich zur Gemeinschaft mit uns, um dein Leben mit uns zu teilen – in deinem Wort und im Mahl.
Gib, dass auch uns nichts abhält von dir und dass wir alles, was uns von dir trennt, kühn und entschlossen überwinden, weil wir wissen, dass du uns grenzenlos liebst. Amen!

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