Samstag, März 09, 2013

freie Liebe



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 15: 1-3.11-32

In jener Zeit
1kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.
2Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.
3Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:
11Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne.
12Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.
13Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.
14Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht.
15Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
16Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon.
17Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um.
18Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
19Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.
20Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
21Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
22Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an.
23Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein.
24Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.
25Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.
26Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle.
27Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.
28Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.
29Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
30Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
31Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.
32Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.




„Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.“ (Lk 15:32)

So ist der Blickwinkel des Vaters: Er freut sich, dass er seinen Sohn „wieder heil und gesund wiederbekommen hat.“ (Lk 15:27d) Was der in der Zeit der Abwesenheit alles getan hat ist im Vergleich dazu völlig uninteressant. Was zählt ist, dass er jetzt wieder da ist und zwar gesund und heil - das ist Grund zur Freude und zum Feiern. Unüberhörbar schlägt in diesen Worten ein liebendes Vaterherz. Dem entsprechend ist für den Vater das Fernesein des Sohnes wie ein Tosten und ein Verlorensein.

Ganz anders der Blickwinkel des Bruders. Der sieht eigentlich nur, was sein Bruder alles falsch gemacht hat und übertreibt noch, denn, dass er das väterliche Vermögen mit Dirnen durchgebracht hätte - davon steht nichts im Bericht über das verlorene Leben des jüngeren Bruders. Wenn er dann noch aufzählt, wie brav er sich verhalten hat im Vergleich zu seinem jüngeren Bruder, dann sehen wir, dass er auf dem Standpunkt eines Konkurrenten steht, der mit seinem jüngeren Bruder seit jeher schon um die Gunst des Vaters gebuhlt hat. In dieser Haltung hat Freude darüber, dass sein Bruder wieder wohlauf zurück ist, keinen Platz.

Wenn wir uns den jüngeren Bruder näher ansehen, bemerken wir, dass er nicht etwa aus Liebe zum Vater nach Hause zurückkehrt sondern aus reinem Selbsterhaltungstrieb, also aus Liebe zu sich selber: „Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um.“ (Lk 15:17bc)
Aber auch das bekümmert den Vater nicht und lässt ihn in seiner Freude unbegreiflich großzügig bleiben. Es ist schon unglaublich wie frei der Vater in seiner Liebe ist. Keiner seiner beiden Söhne braucht sich seine Liebe zu erkaufen. Der Vater schenkt sie aus freien Stücken und im Übermaß. Sein Freude besteht darin, dass seine Söhne in seiner Nähe ein glückliches Leben führen. Behindern oder verhindern können dies allein die Söhne, indem sie entweder vom Vater weglaufen, wie der jüngere Sohn oder unbedingt meinen, sich die Liebe des Vaters erkaufen zu müssen, wie der ältere Sohn.

Das heutige Evangelium lebt von der liebenden Liebe des Vaters. Sie erhebt sich über die egozentrische liebe des jüngeren Sohnes ebenso wie über die berechnende Liebe des älteren Sohnes. Wenn dies nicht ein Gleichnis wäre, müsste wir uns fragen, wo denn die beiden Söhne denn ihre Augen haben, dass sie diese Liebe des Vaters so gar nicht sehen und sich zu eigen machen können.

Wie ein warmer Föhnwind weht die Liebe des Vaters durch das heutige Evangelium; es vertreibt die Kälte egoistischer Liebe ebenso wie die trüben Dunstglocken berechnender Liebe. Diese Liebe kann nicht anders: sie muss sich darüber freuen, dass der jüngere Sohn heil und gesund wieder zurückgekommen ist. Diese Liebe kann sich nicht genug ausdrücken in Zeichen herzlicher Zuwendung: „Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein.“ (Lk 15: 22f.)

Zu welchem seiner Kinder wir auch immer gehören - das heutige Evangelium ist eine ernste Einladung, die Liebe des Vaters zu bedenken in ihrer Freiheit, in ihrer Uneigennützigkeit, in ihrer Freude, in ihrer Schönheit, in ihrer Fähigkeit, zu froher, feiernder Gemeinschaft zusammen zu führen. In dieser Liebe wird Gott uns erwarten. Darum dürfen wir zu ihm kommen, wie immer wir drauf sind. Wir sind jedenfalls herzlich bei ihm willkommen - so sehr willkommen, dass er auch uns schon von weitem kommen sieht, sich aufmacht, uns entgegenläuft, um den Hals fällt und küsst. (vgl. Lk 15:20)

Welche Ermutigung, zu Gott umzukehren! Wer kann da noch in seiner Abkehr von Gott verharren? Möge uns allen diese Liebe Gottes so sehr zu Herzen gehen, dass auch wir uns aufmachen und wie der jüngere Sohn aus der Fremde (vgl. Lk 15:20a) oder der ältere Sohn vom Feld (vgl. Lk 15:25) heimkehren zum Vater. Amen!

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