Freitag, Januar 25, 2013

Was Jesus will

 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1:1-4; 4:14-21

1Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat.
2Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.
3Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben.
4So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.
14Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.
15Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.
16So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,
17reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:
18Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
19und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
20Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
21Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.






Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, wie man dran ist mit einem, mit dem man näher zu tun hat. Dieses Gefühl will Jesus heute im Evangelium auch vermitteln, wenn er in der Synagoge seiner Heimatstadt zum ersten mal öffentlich auftritt. Er lässt die Leute wissen, wozu er da ist, was er im Sinn hat, was seine Aufgabe und seine Berufung ist. Sie sollen wissen, was sie von ihm erwarten können. Bei seiner Rede stützt er sich auf ein Wort aus der hl. Schrift der Juden, näherhin auf eine Stelle aus dem Propheten Jesaja.

Es ist bezeichnend, dass Jesus nicht mit eigenen Worten beginnt sondern mit Worten der hl. Schrift, also mit dem Wort Gottes. Jesus tut dies erfüllt mit der Kraft des hl. Geistes. Der bewegt ihn, im Namen Gottes zu beginnen, indem er die Schriftrolle nimmt und das Prophetenwort vorliest. An Gottes Segen ist alles gelegen, darum fängt Jesus sein Wirken in Gottes Namen an. Genau das tun wir auch, wenn wir den Tag in der Frühe oder die Ruhe der Nacht oder die hl. Messe oder die Mahlzeit mit dem Kreuzzeichen beginnen im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Wir sollten jeden Beginn im Namen Gottes setzen und ihn so dem Segen und der Führung Gottes anvertrauen.

Jesus folgt damit freilich der liturgischen Vorgabe, dass jede Rede in der Versammlung mit dem Wort Gottes zu beginnen hat, weil der ja der Herr ist. Bei Jesus hat dies aber eine besondere Note, die verständlich wird, wenn wir uns an den 12jährigen Jesus im Tempel erinnern, wie er seinen verärgerten Eltern erwidert, ob sie denn nicht wüssten, dass er in dem sein muss, was seinem Vater gehört. (vgl.Lk 2:49) Wenn Jesus mit dem Wort Gottes beginnt, betritt er gleichsam ureigenes Terrain. Nicht nur, dass er von seinen Eltern an Hand der hl. Schrift erzogen wurde. Als „Sohn des Höchsten“ (Lk 1:32) betritt er im Wort Gottes heimatlichen Boden, taucht er in jene Atmosphäre ein, in der er seit Ewigkeit daheim ist. Es ist für ihn naturgemäß nicht anders denkbar, als mit dem Wort Gottes zu beginnen. Jesus fügt sich durch sein Verhalten nicht einer vorgegebenen Ordnung ein sondern bringt damit sein wesentliches Geprägtsein von Gott her zum Ausdruck. Das wird dann noch einmal dadurch unterstrichen, dass sich seine Darlegung auf den marginalen Satz beschränkt: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ (Lk 4:21)

Schauen wir uns nun das Wort näher an, das Jesus uns vorliest und in dem er sich selber so ganz wiederfindet. Es ist das Wort von einem Geisterfüllten. Die Geistpräsenz führt den Betroffenen nun aber nicht zu bloßer Selbstbespiegelung und zu egoistischer Nabelschau. Vielmehr wird er völlig hingeordnet auf andere, die das nicht haben, was er hat. Zu denen wird er geschickt, damit er Armen eine gute Nachricht bringt, Gefangenen Entlassung, Blinden das Augenlicht, Zerschlagenen die Freiheit. Zusammenfassend will er so ein angenehmes Jahr des Herrn ausrufen.
Jesus erklärt sich mit diesen Schriftworten als der Messias, den sein Volk erwartet. Und der folgende Evangelienbericht des Lukas wird die Deklaration Jesu dann entfalten und dabei vor allem den Grundton der Barmherzigkeit Gottes wiedergeben, der bereits in der Ankündigungsrede Jesus unüberhörbar anklingt.

Fassen wir abschließend eine vorläufige Reaktion der Leute ins Auge: „Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.“ (Lk 4:20b) Sie lässt spüren, wie gespannt die Leute auf seine Worte sind lässt aber offen auf welche Weise sie schließlich reagieren werden. Was sie von Jesus hören und sehen, ist das eine; wie dies bei ihnen ankommt und was es mit ihnen macht, ist das andere.

Bei uns ist es auch nicht viel anders. Mag unsere Aufmerksamkeit mehr oder weniger auf Jesus gerichtet sein – wer will schon wissen, welche Früchte das bringt und ob es überhaupt fruchtbar sein wird. Es braucht ein offenes, berührbares Herz; berührbar insofern wir uns selber als Arme erleben, für die seine Worte und sein Dasein eine Bereicherung sind. Berührbar dann aber auch, dass wir ebenso für die Not um uns sensibel werden und Jesu Vorgabe auch für uns ein Masterplan für unser eigenes Leben wird zum Guten vor allem für unsere Mitmenschen in Not.

Jesus verkündet nicht seine Botschaft sondern die Gottes. Und als Botschaft Gottes ist sie erst auch die seine. Es ist unübersehbar wie bei Jesus so das rückhaltlose Sich-Einlassen auf Gottes Wort untrennbar Hand in Hand geht mit dem bedingungslosen Sich-Einlassen auf die Not seiner Mitmenschen. Damals klingt an, was Widerhall findet in den Anfangsworten der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ (GS 1) Das Programm, das Jesus heute vorstellt, das er selber gelebt und verwirklicht hat, ist auch Programm seiner Jünger und er Kirche seither. Unsere Zugehörigkeit zu Christus erweist sich daran, inwieweit es auch unser Lebensprogramm ist. Amen!

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