Donnerstag, Januar 31, 2013

Messias nach Maß


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 4:21 – 30

In jener Zeit
21begann Jesus in der Synagoge in Nazaret darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
22Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?
23Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!
24Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.
25Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.
26Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.
27Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
28Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
29Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.
30Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.





Es ist schon erstaunlich, wie schnell das geht: Zu Beginn des Evangeliums fand Jesu Rede bei allen Beifall und am Ende gerieten alle in Wut und wollten Jesus den Stadtberg hinunterstürzen.
Was hat denn diesen extremen Stimmungsumschwung hervorgerufen?
Angefangen hat es mit der Frage: Ist das nicht der Sohn Josefs? Diese Frage stellen die Leute, nachdem sich Jesus eben als der erwartete, geisterfüllte Messias geoutet hat.
So stellen die Leute einerseits Jesu Anspruch in Frage, denn der Messias wurde ja als Sohn Davids erwartet!
Andererseits bringen sie zum Ausdruck, dass Jesus als der Sohn Josefs ja einer von ihnen ist - und erhebt nun den Anspruch mehr zu sein als sie.
Die Leute erwarten einen anderen Messias und keinen aus ihrer Mitte. Jesus entspricht nicht der Messiaserwartung der Leute.

Jesus nimmt die Skepsis der Leute auf und bekräftigt sie durch das Sprichwort: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt! Und anstatt das Gemüt seiner Zuhörer zu besänftigen gießt er Öl ins Feuer, indem er zwei Beispiele aus Israels Geschichte erzählt; aus dem Leben des Elia eines und das andere aus dem Leben des Elischa. Beides sind hervorragende Propheten des Volkes Israel. Beide wurden jedoch von ihrem Volk abgelehnt, so dass ihre Kraft nur außerhalb des Volkes bei Nichtjuden wirken konnte.
Jesus setzt so sein Schicksal mit dem der beiden Propheten gleich.
Zugleich macht Jesus durch seine Rede deutlich, dass Gott das Heil, das seinem auserwählten Volk zugedacht war, auch außerhalb des Volkes Israel wirksam werden lässt.
Was tut Jesus auf diese Weise?
Die Leute stellen seine Erwählung zum Messias in Frage;
Jesus stellt darauf in Frage, wie seine Leute sich als das auserwählte Volk Gottes verstehen. Das ist alles andere als eine billige Retourkutsche durch Jesus nach dem Motto: Wie du mir so ich dir!
Jesus macht vielmehr deutlich, dass die Erwählung keine starre, automatische Angelegenheit ist sondern ein lebendiger Vorgang, bei dem es sowohl auf den erwählenden Gott, wie auch auf das erwählten Volk Israel ankommt. Erwählung ist keine Einbahn! Sie bedarf der Annahme, will sie wirksam sein können.

Durch seine Rede in der Synagoge zu Nazareth, die wir am vergangenen Sonntag mitgehört haben, hat er denn Leuten auch gesagt, dass er seine Erwählung zum Messias erkannt und angenommen hat; das ist zugleich eine Einladung an sie, ihre Erwählung durch Gott neu zu bedenken und sie eben auch anzunehmen - indem sie in Jesus den Messias erkennen, der von Gott zu ihnen geschickt ist, damit sie ihn eben auch annehmen.

Die beiden Episoden aus der Geschichte seines Volkes ist durchaus keine übereifrige und verwegene Herausforderung des Volkszornes sondern eine dringliche Einladung, die Fehler ihrer Väter doch nicht zu wiederholen; vielmehr aus der Geschichte zu lernen und neue Wege zu gehen auf Gott zu, der ihnen jetzt entgegenkommt in seinem Messias, in Jesus von Nazareth. Gott möchte eben so sein Volk von neuem erwählen und ihm seine Bundestreue erweisen.

Die Leute nehmen sich nicht die Zeit, genauer hinzuhören, aufmerksamer hinzuschauen, ihre eigenen Vorstellungen vom Messias zu hinterfragen und zu relativieren. Sie haben nicht die Freiheit und die Demut, Gott auf sich zukommen zu lassen, wie ER es möchte!
Ihren Vorstellungen verhaftet möchten sie gleich beseitigen, was ihnen nicht passt und Jesus den Stadtberg hinunterstürzen.

Das heutige Evangelium zeichnet Jesu Weg vor: seine unmissverständliche Verkündigung des Reiches Gottes in seinem messianischen Reden und Handeln; die Ablehnung durch sein Volk, das ihn schließlich ans Kreuz und in den Tod führt; kraft seiner göttlichen Sendung jedoch hinein in die herrliche Auferstehung und Erhöhung zu Gott, von dem er den Geist sendet, der dann die Gemeinschaft der Jünger Jesu in der Kirche über Israel hinaus ausweitet auf alle Völker, um ihnen in Wort und Tat den Dienst der Frohbotschaft Jesu zu erweisen.

Jesus ist kein Softie, der möglichst allen alles recht machen möchte. Er fordert heraus zur Stellungnahme für oder gegen ihn; zum Aufbrechen unserer Vorstellungen von ihm und von Gott; zum Öffnen für seine messianischen Gaben, die er ja auch für uns bekommen hat.
Er fordert uns auf, dass wir vom Verhalten der Nazarener lernen, so dass er nicht auch durch unsere Mitte hindurch schreiten und weggehen muss, sondern unter uns und in uns bleiben kann als die Mitte von der wir leben, aus der wir lieben, mit der wir unserer Vollendung entgegengehen. Amen!

Keine Kommentare: