Samstag, Dezember 29, 2012

Silvestergnade

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Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 1: 1 – 18

1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2Im Anfang war es bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
7Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
15Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
16Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
17Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
18Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.




Die letzten Stunden eines vergehenden Jahres schenken uns erneut die Erfahrung, wie die Zeit vergeht. Es ist nicht irgendeine Zeit, sondern die unsere. Jeder hat seine Zeit in diesem Jahr gelebt. Wie beim Verweilen im Verlauf einer Schiabfahrt halten wir inne und blicken hinauf: uns gehen die Passagen durch den Kopf, auf denen wir gut unterwegs waren; wo wir Glück hatten, dass wir nicht gestürzt sind und wo wir zu Sturz gekommen sind - froh, dass wir wieder heil aufstehen und weiterfahren konnten leicht benommen und mit weichen Knien. Die entsprechenden Stimmungen werden dabei unser Herz berühren: Freude, Dankbarkeit und Schmerz!

Eines wird bei alldem mitschwingen: dass wir nicht alleine unterwegs sind. Andere begleiten uns: Familienmitglieder, Freunde, Bekannte! Sie sind neben, hinter, vor uns gefahren; immer wieder haben sich die Schispuren gekreuzt. Leichtes und Schweres, Freude und Schmerz haben wir miteinander geteilt, so gut es möglich war. Und wir sind durch Licht und Dunkel hindurch noch enger zusammengewachsen: Die Gemeinschaft ist inniger geworden, die Verbundenheit herzlicher!

Wir können freilich auch jene nicht vergessen, mit denen wir zugleich gestartet sind; die dann jedoch eine andere Route genommen haben und auf einem anderen Weg zu Tal gefahren sind. Damit meine ich jene Beziehungen, wo sich die Wege getrennt haben und schließlich jene gemeinsamen Wege, die der Tod eines geliebten Menschen beendet und getrennt hat.

Wenn wir uns schließlich hier zum Jahresschlussgottesdienst versammeln, kommen wir zu dem, in dessen Hand alles liegt:
Die Piste, die wir befahren haben mit ihrer Schönheit und ihren Gefahren, mit dem Ausblick ins Weite, mit dem schützenden Wald die Piste entlang, dem Wind, der Sonne, den Wolken;
die Begleiter, die mit uns auf dem Weg waren und die sich von uns getrennt haben oder von uns getrennt wurden; jene Begleiter auch, die während der Fahrt zu uns gestoßen sind und die nun zu uns gehören;
Wir selber sind auch in seiner Hand: dass wir diese Fahrt erleben durften mit allem, was dazugehörte.
Wir hörten im Evangelium, dass wir aus seiner Fülle alle empfangen haben, Gnade über Gnade! (vgl. Joh 1:16) Vielleicht gelingt es uns je länger je mehr, die Schiabfahrt des vergangenen Jahres als einen Ausfluss seiner Gnadenfülle zu sehen und dankbar anzunehmen. Das darf ohne Krampf geschehen, denn insbesondere Schweres im vergangenen Jahres wird noch weiterhin lasten und uns bedrücken, weil wir immer noch keinen Sinn darin finden und wir damit immer noch nicht ausgesöhnt sind. Diese „dunklen Gnaden“ nehmen wir ins neue Jahr mit hinüber. Auch sie sind in Gottes Hand.

In diesem Gottesdienst liegt unsere Hand in seiner Hand und sollte unser Händedruck nicht mehr so intensiv sein - so als möhte unsere Hand der seinen entgleiten - so wollen wir in der Feier dieser hl. Messe mit neuer Entschlossenheit die Hand Gottes ergreifen und drücken und ihm damit sagen, dass wir sie auch im neuen Jahr bestimmt nicht loslassen werden - mag geschehen, was will.

Dankbarkeit und Vertrauen Gott gegenüber mögen wie zwei Geschwister mit uns in neue Jahr gehen. Sie sind das Einfallstor der Gnade Gottes in unser Leben. Sie lassen uns nun den Blick mutig und entschlossen nach vorne richten auf den nächsten Abschnitt unserer Talfahrt. Beherzt stoßen wir ab und setzen unsere Fahrt fort - miteinander und jeder in seinem Tempo und wie er es vermag.

Neues Leben wird uns begegnen aus der Bewältigung des Vergangenen und aus der Begegnung mit ungeplant Neuem. Wir dürfen in beidem dem begegnen, von dem wir im Evangelium gehört haben: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst“ (Joh 1:4f.) Diesem Licht wollen wir trauen bei Tag und vor allem bei Nacht. Es lässt uns mit Gewissheit die Abfahrt fortsetzen bis zu jenem letzten Abschwung im Talgrund, wo wir dann beim Herrn sein werden und erleben, dass alles ganz gut ist. Amen!

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