Montag, Dezember 24, 2012

Menschen SEINER Gnade



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2

1 In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.
2 Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.
3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.
Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,
10 der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.
12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:
14 Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.





Das Herz erfüllt von der abendlichen Weihnachtsfeier zu Hause sind wir nun hier beisammen, um das Feiern hier beim Gottesdienst fortzusetzen. Aus unserem christlichen Glauben heraus treffen wir uns hier in der Mitte unseres weihnachtlichen Feierns: beim Kind in der Krippe, in dem wir den Sohn Gottes verehren, der mit uns und für uns Mensch geworden ist in diesem kleinen, herzigen Kind.

Um dieses Geheimnis auszudrücken, wurden schon viele wunderbare, ergreifende Worte gesprochen. All diesen Worten ging jedoch voraus ein ergriffenes Stillewerden, das sich im Lauschen ehrfürchtig zu diesem Kind hinab neigte, um sich in stiller Anbetung von diesem Kind das Geheimnis dieses wundersamen Geschehens der Gottesgeburt ins Ohr flüstern zu lassen. Und jeder Mensch fand dann Worte und Klänge in sich, die sein Leben ihm geformt hatte, um dieses Geheimnis wiederzugeben und auszudrücken - in Prosa und Poesie, in Musik und Bild.

Dem Evangelisten Lukas ist es ähnlich ergangen: er lässt die Geburt des Kindes in Bethlehem parallel verlaufen zur Eintragung des Volkes in Steuerlisten: Da haben sich die Leute bei den öffentlichen Stellen eintragen lassen: sie haben ihren Namen genannt, ihren Beruf, ihre Herkunft, ihren  Verdienst. Diese Eintragung hat die staatliche Behörde veranlasst, damit sie angemessene Steuern von den Leuten einheben konnte - im günstigen Falle. Oder damit sie das Volk noch mehr ausbeuten konnte - im schlimmen Falle; und der ist damals leider öfter eingetreten.

Jedenfalls steht der Eintragung in die Steuerlisten die Geburt des Kindes in Bethlehem gegenüber; und das eröffnet den Zugang zu einem tieferen Verständnis dieser Geburt: Wie sich nämlich die Leute in die Steuerlisten eintragen so trägt sich Gott durch die Geburt des Kindes in Bethlehem in die Menschheitsliste hier auf Erden ein.
Wie die Menschen dabei ihre Identität mitteilen tut dies Gott auch in diesem Kind; in ihm sagt er seinen Namen: Immanuel - Gott mit uns! Oder Jesus - Gott heilt! Damit teilt er zugleich seinen Beruf mit: Erlöser, Heiland, Messias! In der Botschaft, die dieses Kind später verkündet, wird dieser kurze Eintrag zu Bethlehem entfaltet.
Über die Steuerlisten soll den Leuten dann eine gerechte Steuer auferlegt werden, damit sie ihren Beitrag leisten zum Erhalt des Lebensstandards.
Genau diesen Beitrag zur Erhaltung des Lebensstandards gibt auch Gott in Bethlehem ab - und nicht nur dort sondern auch auf Golgota, wo dieses Kind als Erwachsener dann sterben wird - jetzt aber nicht mehr, um einen Lebensstandard zu erhalten als vielmehr das Leben insgesamt dem Tod zu entreißen und so die ganze Menschheit zu retten und zu Gott heimzuführen.

Dabei wird der Beitrag klar, den Gott gibt: Es ist nicht Geld oder Naturalien; es ist nicht etwas! Der Beitrag, den Gott gibt ist eine Person: ER selber ist es, der sich gibt! Darum werden wir dann am Ende der Christmette mit den Engeln singen: Christus, der Retter ist da! Uns schlägt wirklich die rettende Stund in der Geburt Christi!

Und dass Gott zu Bethlehem nicht zu Geld wird oder zu sonst etwas - sondern dass er dort Mensch wird, lässt seine Botschaft überdeutlich vernehmen: es geht ihm bei all dem Geschehen in Bethlehem und seitdem und auch schon vorher  um uns Menschen! Nicht um Reichtum, nicht um Macht, nicht um Ruhm - sondern um uns Menschen!

Darum diese äußerst menschliche Art, als Kind in unserer Mitte geboren zu werden! Darum die Schlichtheit und Einfachheit, in der dies alles geschieht! Es geht Gott um uns Menschen in aller Unbedingtheit, ohne jegliche Voraussetzung; es geht ihm um unser Menschsein! Damit will er jeden Menschen treffen und betroffen machen; denn jeder von uns war einmal so ein kleines, wehrloses, einfaches Baby wie das Kind in Bethlehem!

Eben dies wird dann noch einmal unterstrichen durch die Botschaft der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade - und nicht den Menschen, die arm oder reich; klein oder groß; gut oder ungut sind!

Wir alle stehen vielmehr in seiner Gnade, weil er uns alle liebt! Das möge als das kostbarste Weihnachtsgeschenk uns allen von neuem tief und beglückend bewusst werden, damit der Friede und die Freude, die Gott in diese Nacht und in diese Tage gelegt hat, uns zuinnerst ergreifen, formen und beglücken kann! Amen!

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