Freitag, Dezember 28, 2012

Hl. Familie



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2:41 – 52

41Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.
42Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.
43Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.
44Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.
45Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.
46Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.
47Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.
48Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.
49Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?
50Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.
51Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.
52Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.




Weihnachten hat mit Familie zu tun - diese Botschaft möchte uns das heutige Fest der hl. Familie vermitteln.
Aber das wissen wir schon längst aus eigener Erfahrung: Sei es, dass Weihnachten von Anfang an selbstverständlich in unser Familienleben eingebettet war und diese Zeit gerade deshalb eine so herzliche Zeit ist, weil wir sie mit unseren Eltern, Geschwistern, Ehepartnern und Kindern feiern. Wir können und wollen uns diese Zeit gar nicht ohne unsere Familie vorstellen.
Sei es aber auch, dass Weihnachten eine mühsame Zeit ist, weil gerade jetzt Unaufgearbeitetes hochkommt und unterdrückte Spannungen die Beziehungen untereinander belasten.
Sei es schließlich, dass einem die Familie abhanden gekommen ist und man in der Einsamkeit gerade in diesen Tagen den Verlust einer familiären Umgebung besonders schmerzhaft empfindet.

Weihnacht ist Familienweihnacht! Und Jesus ist hineingeboren in eine Familie - allerdings in keine normale sondern in so was wie eine Patchworkfamilie, da ja Josef nicht der „richtige“ Vater von Jesus ist sondern nur sein Ziehvater oder Nährvater. Im heutigen Evangelium kommt auch das indirekt zur Sprache. Diese Geschichte führt uns außerdem durch jene verschiedene Familienzustände, die ich oben kurz angedeutet habe.

Da erleben wir zuerst Familie von der feinen Seite: Einträchtig im Tempel versammelt zum Paschafest; versammelt im Hause Gottes, im Tempel. Gott die religiöse Mitte der Familie. Diese religiöse Mitte wird sich jedoch gleich in ihrer Ambivalenz zeigen: als Kraft, die verbindet und als Kraft, die trennt!

Denn auf dem Weg nach Hause fällt die hl. Familie auseinander: Das Kind hat eigene Vorstellungen, von denen die Eltern keine Ahnung haben; es geht eigene Wege entgegen der Erwartung der Eltern: Es bleibt in Jerusalem zurück. Die Eltern geraten in große Sorge und sind sehr verärgert, als sie es nach drei Tagen im Tempel wiederfinden. „Er müsse in dem sein, was seinem Vater gehört!“ Damit rechtfertigt er seinen Verbleib im Tempel. Und warum sie das nicht gewusst hätten!? Aber sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.

Wir sehen: Hl. Familie bedeutet nicht nur harmonischen Gleichklang im Denken und Tun. Sie bedeutet Meinungsverschiedenheit, eigene Wege, dem Göttlichen Raum geben auf je eigene Weise. Wir erleben eine von Gott gefügte Verschiedenheit. Dieses Göttliche verbleibt jedoch nicht in der Differenz. Es lebt weiter in dem, dass Maria alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte; es lebt auch weiter in dem, dass Jesus nach Nazareth zurückkehrte und ihnen gehorsam war. Das Göttliche, das Heilige erweist sich auch darin, dass das Andere, das Fremde im Anderen wahrgenommen und angenommen wird - und so die Familiengemeinschaft nicht gesprengt sondern im gegenseitigen Ertragen zu einer tieferen Einheit gelangen kann.

Das ist dann der Boden, auf dem Jesus heranwachsen, an Weisheit zunehmen und bei Gott und den Menschen Gefallen finden kann.

Dieser Boden wurde zu Weihnachten bereitet, indem Gott Mensch geworden ist in Jesus von Nazareth. Dabei hat Gott im Menschen das so ganz von ihm Verschiedene, Andere, Fremde angenommen und mit sich verbunden; er hat das Göttliche in den Menschen hineingegeben und zugleich den Menschen in sein Göttliches hereingenommen. Was Gott da praktiziert hat ist nicht bloß Toleranz; es ist Akzeptanz in liebender Solidarität.

Sein Menschwerdung ist ein Zündfunke, der uns zu Mitmenschlichkeit in einer neuen Dimension herausruft und befähigt. Von dieser Mitmenschlichkeit im Rahmen der Familie erzählen die beiden Lesungen: Es ist ein Schauen aufeinander nach dem Plan und dem Willen Gottes. Dieses Dasein füreinander ist nicht bestimmt durch die Eigenart des Anderen sondern durch die Liebe Gottes zu uns. Der Apostel drückt dies einmal so aus: „Wenn Gott uns so geliebt hat müssen auch wir einander lieben!“ (1 Joh 4:11)

Diese Liebe leuchtet zu Weihnachten auf. In ihrem Licht wird die Familie zu einer Gemeinschaft des Lebens - zu einer heiligen Familie! Amen!


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