Donnerstag, Dezember 06, 2012

Gnade finden bei Gott

 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1: 26 – 38

26In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
36Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
37Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.




Im Evangelium hörten wir den Engel zu Maria sagen, "sie habe bei Gott Gnade gefunden." Damit meint der Engel, Gott sei auf sie aufmerksam geworden, er habe ein Auge auf sie geworfen, er habe sie angeschaut. Damit ist bei Gott mehr gemeint als ein äußeres Anschauen; es ist ein Hineinblicken auf den Grund der Seele gemeint, in ihr Innerstes.

Gnade finden bei Gott bezeichnet nicht nur die Art des Anschauens es betrifft auch die Dauer des Anblickes. Gott blickt nicht nur schnell und intensiv auf Maria hin, um seine Aufmerksamkeit dann wieder von ihr weg wo Anderssein zu richten. So etwa, wie wenn wir in ein Schaufenster blicken und dann wieder weitersuchen, wann wir das Gesuchte nicht finden. Gott lässt seinen Blick auf Maria, ja, in Maria ruhen mit Wohlgefallen und Zuneigung, mit Freude und Hingabe - und das nicht erst ab einem bestimmten Zeitpunkt sondern von Anfang ihres Lebens hier auf Erden.

Dieser Blick - Anblick und Einblick zugleich - hat eine besondere Eigenart: Er ist wie ein Platzhalter nur für das, was diesem Blick entspricht, woran er sein Wohlgefallen und seine Freude hat. Wie eine Energieglocke oder eine Aura hält er alles ab, was diesen Blick betrüben könnte. Das meint, was die Kirche „Unbefleckte Empfängnis“ nennt und was wir heute, am 8. Dezember, feiern.

Die völlig gegensätzliche Haltung finde ich bei mir im Umgang mit der Unmenge von Werbung, die auch mich gerade in diesen Tagen überflutet: Nicht nur, dass ich gar nicht hineinschaue - ich würdige sie kaum eines Blickes und gebe sie gleich zum Altpapier. Mag das bei der Werbung eine Tugend sein so muss ich mich doch fragen, ob ich Menschen nicht manchmal auch so ähnlich behandle und mir kaum oder zu wenig Zeit nehme für angemessene Aufmerksamkeit.

Der Auftrag, der so durch das Fest heute ergeht ist: Liebende Aufmerksamkeit im Umgang miteinander! Wie das Evangelium erzählt ist damit nicht nur die Aufmerksamkeit Gottes auf Maria gemeint sondern auch die dadurch hervorgerufene Aufmerksamkeit Marias auf Gott!

„Du hast bei Gott Gnade gefunden!“ Was das für Maria bedeutet erzählt die Geschichte: Durch die Aufmerksamkeit Gottes auf sie wird sie beschenkt: mit der Überschattung des Hl. Geistes, mit dem Wort Gottes, das in ihr Fleisch und Mensch wird.

Das Aufmerken Gottes auf Maria zeigt enorme Wirkung: Es macht sie eminent empfänglich für das Eigene Gottes; es zieht sie hinein in die Gemeinschaft mit Gott; sie bleibt dabei kein willenloses Werkzeug sondern setzt sich eigenwillig auseinander mit Gottes Aufmerksamkeit auf sie. Diese Auseinandersetzung führt schließlich zur vollkommenen Einstimmung auf das was Gott ihr in seiner Zuneigung schenkt: Einander geneigt bleiben sie fortan ein Herz und eine Seele und werden in gewisser Hinsicht sogar ein Fleisch in dem Kinde, das sie empfängt, austrägt und gebiert.

Durch das, was da an Maria geschieht, wird sie zweifellos aus allen Menschen herausgehoben - und bleibt doch zugleich tiefer als alle anderen den Menschen verbunden. Ihre Begnadung ist nämlich eine zum Heil der Menschen, zu deren Erlösung und Befreiung, denn: das Kind das sie empfängt wird sein Volk von seinen Sündern erlösen! Und die Ersterlöste dieses Volkes ist Maria in ihrer Verschontheit von aller Sünde von Anbeginn ihrer Existent hier auf Erden.

Was Maria widerfährt regt an, zu bedenken, in welcher Weise Gott sich uns zuneigt; vor allem aber, dass er uns grundsätzlich geneigt ist; wie zeigt sich das in meinem Leben? Was habe ich „empfangen“ als Zeichen seiner Zuneigung? Bin ich mir bewusst, dass auch meine Auszeichnung zum Segen für meine Mitmenschen gedacht ist? Worin besteht dieser Segen und lass ich ihn fließen? Bin ich wohl nicht, wie jener unnütze Knecht, de sein Talent vergräbt und nicht damit wirtschaftet? Wie füge ich mich also ein in die Heilsökonomie Gottes? Und tue ich es im Grunde meines Herzens mit freudiger Hingabe, die sich gerade im Zeichen des Kreuzes verwirklichen will?

Setzen wir uns besonders in diesen Adventtagen dem Licht aus, das Gott in der Mutter seines Sohnes entzündet hat und das uns hinführt zur Quelle dieses Lichtes - zu Jesus Christus, unserem Erlöser und Herrn! Amen!

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