Donnerstag, November 29, 2012

Wachet und betet allezeit!

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Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 21: 25 – 28.34 – 36

25Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.
26Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
27Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.
28Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.
34Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht,
35(so) wie (man in) eine Falle (gerät); denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen.
36Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.


Der stille Advent beginnt mit einem lauten Evangelium. Wir vernehmen jedoch nicht den feuchtfröhlichen Lärm eines Adventbasar oder eines Christkindlmarktes getragen von stimmungsvollen Advent- und Weihnachtsliedern sondern das Toben und Donnern des Meeres und wie die Kräfte des Himmels erschüttert werden. Das muss ein gewaltiger, unheimlicher und unvorstellbarer Lärm sein und lässt ganz an den Untergang der Welt denken und daran, dass dieser von manchen am 12. Dezember erwartet wird, weil an diesem Tag der Kalender der Maya ausläuft.

Entsprechend ist auch die Stimmung der Menschen: Keine Rede von Heimeligkeit und Gemütlichkeit. Vielmehr sind die Leute bestürzt und ratlos und sie haben Angst.

Das führt mich zu jenen Menschen, an die die Aktion Schwester und Bruder in Not erinnert; ihnen ist tatsächlich die Welt untergegangen; der Boden wurde ihren Füßen entzogen. Sie warten auf einen Erlöser; auf einen, der hilft, ihre Probleme zu lösen; wir können für sie stückweise zu so einem Erlöser werden, indem wir unsere Güter mit ihnen teilen – Güter im weitesten Sinn: materielle Güter; Güter des Herzens, Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme, Zeit, Stille....

Dann dürfen diese Menschen etwas vom Menschensohn erleben, der auf einer Wolke kommt und die bedrückten Menschen aufrichtet und erlöst und sie befreit von den Lasten, die ihnen ungefragt auferlegt wurden.

Wir hören jedoch auch von Lasten, die wir uns selber auferlegen und die wir eigentlich nicht tragen müssten. Von Rausch und Trunkenheit und den Sorgen des Alltags ist da die Rede; die verwirren und machen blind für das Kommen des Herrn. Die lassen den Überblick verlieren, so dass der nicht zu sehen ist, der über allem Untergang uns entgegenkommt.
Um diesen vermeidbaren Lasten zu entkommen, schlägt der Evangelist zwei Haltungen vor: Wachsamkeit und Gebet! In beidem realisiert sich die gespannte Ausrichtung auf den Herrn! Beides verhilft gleichsam zu einer vorweggenommenen Gegenwart des Herrn! Denn Wachsamkeit und Gebet sind wie eine Brücke, auf der nicht nur ich mich dem Herrn entgegenstrecke – auf der auch der Herr mir entgegenkommt in der Verborgenheit der Erwartung und der Hoffnung bis er schließlich selber kommt als die Übererfüllung all dessen, was ich von ihm erwartet habe.

Jederzeit legt der Herr uns Wachsamkeit und Gebet nahe. Denn jede Zeit ist ihm für sein Kommen recht; so soll auch jede Zeit für uns recht sein, dass wir in ihr auf den Herrn warten! Es macht den Advent zum Advent, dass er durchtränkt ist von der andauernden, betenden Wachsamkeit im Hinblick auf das Kommen des Herrn!

Jesus sagt seinen Jüngern eine sehr gegensätzlich Endzeit voraus: Zum einen die Tod bringende Konfrontation mit den unpersönlichen Elementen des Himmels und der Erde. Dem gegenüber die heilbringende und erlösende persönliche Begegnung mit dem Menschensohn. Er spricht auch die Gefahr an, dass die unpersönlichen Elemente dieser Welt im Rausch und in der Trunkenheit und in ihrer Sorgenlast im Hinblick auf ihn stören können: Sie trüben den Blick auf ihn; sie behindern den Weg zu ihm.

Die Erwartung des kommenden Christus ist ein Prägemal christlicher Existenz. In betender Wachsamkeit erhebt sie ihn hoffend ausschauend auf den Herrn über alle Erdgebundenheit hinaus. Dies lässt den Christen jedoch nicht auf die Welt vergessen, in der er lebt. Vielmehr macht es ihn hellsichtig für das, was der Welt und den Menschen in ihr gut tut und zum Heile dient. In Erwartung des guten Hirten kann der Christ so erst selber zum Hirten werden für die Welt, die ihm anvertraut ist. In Erwartung des Herrn ist jene Distanz erst möglich, die nicht stolz macht sondern demütig erst jene Nähe ermöglicht, in der Christen das Leiden ihrer Welt verstehen und Antworten auf die drängenden Fragen ihrer Zeit geben können. Amen!

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