Mittwoch, Oktober 10, 2012

Gott ist alles möglich!


 Aus dem hl. Evangelium nach Markus 10:17 – 30

In jener Zeit
17lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
18Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen.
19Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter!
20Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.
21Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!
22Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.
23Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!
24Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen!
25Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
26Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden?
27Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.
28Da sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.
29Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat,
30wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.




Wer von uns versteht nicht die Traurigkeit des jungen Mannes, von dem wir eben im Evangelium gehört haben? Er konnte nicht der Aufforderung Jesu nachkommen, zu verkaufen was er hat, das Geld dann den Armen zu geben und Jesus nachzufolgen.
Er konnte nicht, denn er hatte ein großes Vermögen!
Er hatte aber auch eine Sehnsucht, die über sein großes Vermögen hinausging. Mit seinem großen Vermögen allein hatte er zu wenig; das allein reichte ihm nicht. Er machte die Erfahrung: mein Reichtum allein macht mich nicht glücklich! Er wollte das ewige Leben gewinnen.
Darum fragte er Jesus: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
Jesus fragt ihn darauf, ob er denn die Gebote Gottes halte.
Und wir hören von dem jungen Mann, dass er alle diese Gebote von Jugend an befolgt habe!
Dieser Mensch ist nicht nur reich an Vermögen; er ist auch reich an guten Werken! Er hat von Jugend an ein gutes Leben, ein Leben nach den Geboten Gottes, geführt. Was will man da noch mehr!? Was kann denn da noch fehlen!?

Eines fehlt dir noch, antwortete Jesus dem jungen Mann: Verkaufe deinen Besitz, gib das Geld den Armen; dann komm und folge mir nach.
Dieses Eine ist, dass Jesus sein einziger Reichtum werde und dass er für diesen Reichtum sein bisheriges Vermögen hergebe für die Armen.

In vielem ist der junge Mann uns ähnlich:
Auch wir haben ein mehr oder minder großes Vermögen - so wie er;
und haben wir eher ein kleineres Vermögen so hängen wir doch daran - so wie er;
auch wir spüren - so wie er - immer wieder, dass unser Reichtum nicht alles ist, dass es zu unserem wahren Glück noch etwas darüber hinaus gibt.
Aber auch wir sind nicht fähig - so wie er - uns von unserem ganzen Vermögen auf einmal zu trennen, um in Jesus allein unseren Reichtum zu finden.

Was bedeutet dies alles im Hinblick auf unser Christenleben?
Dass wir gut sein und brav leben können nach Gottes Willen auch ohne Jesus.
Dass es also ein gutes Leben auch außerhalb der Nachfolge Jesu gibt.
Dass also auch in anderen Religionen die Menschen ein gutes Leben führen können.
Und doch ist in diesem Jesus offensichtlich etwas da, was Sehnsucht zu erwecken vermag über das hinaus, was wir sind und tun und haben.
Die Begegnung mit Jesus kann unruhig machen und unzufrieden mit unserem momentanen Besitzstand.

Es wäre gewiss unrealistisch, wollten wir alle unsere Jesus­nachfolge dadurch zeigen, indem wir unseren gesamten Besitz verkauften und das Geld den Armen gäben. Wie aber können wir dann im Sinne des heutigen Evangeliums unsere Jesusnachfolge verwirklichen?

Ich könnte mir vorstellen, dass sich unsere Zugehörigkeit zu Jesus so zeigt, dass wir mit der Frage in uns hineinlauschen, was denn Jesus in uns eigentlich wachruft: welche Gefühle, welche Empfindungen, welche Sehnsüchte? 
Dass wir wieder besonders aufmerksam werden auf alles, was uns von Jesus trennt, was uns von ihm fernhält; damit meine ich vor allem jene Dinge und auch jene Haltungen, die wir entbehren und ändern könnten: dass wir etwa von unserem Überfluss hergeben oder dass wir Fehlhaltungen in unserem Leben ändern.

Mit diesen Überlegungen soll uns die Fülle oder die Leere unseres christlichen Lebens bewusst werden. So sollen wir Anhaltspunkte und Ermutigung finden dafür, unser Leben nach dem Wort Jesu Christi auszurichten.
Wir erleben dabei am eigenen Herzen, wie die zweite Lesung Wirklichkeit wird. Dort haben wir ja über dieses Wort Gottes gehört:

„Lebendig ist das Wort Gottes,
kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert;
es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist,
von Gelenk und Mark;
es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens;
alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen,
dem wir Rechenschaft schulden.“ (Hebr 4:12f.)

Der Herr stellt uns im heutigen Evangelium erneut an einen Scheideweg und vor die Frage, wie es denn nun weitergehen soll?
Zwei Wege stehen zur Auswahl: der zu ihm hin in seine Nachfolge und der von ihm weg.
Der Herr helfe jedem von uns, dass er sich für den Weg entscheidet, den er dann auch wirklich geht; und dass dieser Weg ihn zum Frieden, zur Freude und zum Leben führt!

Denn es soll uns beim sonntäglichen Gottesdienst ja nicht so ergehen, wie dem jungen Mann im Evangelium: Wir sollen nicht voll Hoffnung auf ewiges Leben zu Jesus kommen und dann traurig von ihm weggehen müssen. Wir wollen wirklich jene Schritte tun, die uns Jesus zur Freude machen.

Das Gebet des Bruder Klaus von der Flüe mag uns helfen, den rechten Weg zu finden:
Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir, was mich hindert zu dir;
mein Herr und mein Gott,
gib alles mir, was mich fördert zu dir;
mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir! - Amen

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