Dienstag, Oktober 02, 2012

Gelebter Glaube

 
Aus dem hl. Evangelium nach Markus 9: 38 – 48

In jener Zeit
38sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt.
39Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden.
40Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
41Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.
42Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.
43Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.
44/45Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.
46/47Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,
48wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.






Alle drei Lesungen, die wir eben gehört haben, sind eine Einladung aus der Enge in die Weite.
Die Jünger im Evangelium erfahren, dass der Geist Jesu auch außerhalb ihrer Gruppe wirkt.
Ebenso muss Josua in der ersten Lesung zur Kenntnis nehmen, dass sich der Geist Gottes nicht durch menschliche Vereinbarung beschränken lässt. Er weht und wirkt wo er, Gott, es will.

Der Geist Gottes möchte nicht nur im sakralen Bereich des Bundeszeltes sondern auch im profanen Bereich des Zeltlagers wirken. Wir müssen uns also beim hl. Geist auf einen gefasst machen, der uns nicht nur hier in der Kirche sondern auch außerhalb der Kirche erfüllen und bewegen möchte. Darum sollten wir uns auf etwas einstellen, was für den Hl. Geist normal ist – dass er nämlich überall wirken möchte und wirken kann. Wir sollten also nicht überrascht sein, wenn wir nicht nur hier sondern auch zu Hause und auf dem Arbeitsplatz oder in der Freizeit gute Gedanken haben; dass wir nicht nur hier brav sind sondern auch zu Hause; dass wir nicht nur hier Gutes tun sondern auch zu Hause. Wir sind eingeladen, flexibel zu werden wie der Hl. Geist, der uns nicht nur hier in der Kirche erfüllen möchte sondern in den übrigen Welten auch, in denen wir sonst noch leben. Es ist derselbe Hl. Geist, der uns hier und dort erfüllen und bewegen möchte. Der Wunsch des Hl. Geistesmach Allgegenwart in unserem Leben will uns bewegen, dass wir hier und überall und jederzeit mit ihm rechnen, dass wir hier und überall uns ihm öffnen und um ihn bitten. Auf diese Weise werde wir flexibel wie er und es wird möglich, dass das Leben hier hinausfließt in das Leben dort; und dass das Leben dort zusammenfließt mit dem Leben hier. Wir lassen es zu, dass unser Leben aus der Zerrissenheit in ein religiöses und in ein weltliches Leben zusammengeführt wird in ein geschlossenes christliches Leben, in dem der Alltag einfließt in den Gottesdienst und der Gottesdienst überquillt in den Alltag; beides wird befruchtet: Unser Gottesdienst durch den Alltag und unser Alltag durch den Gottesdienst. Und eines der größten Skandale wird beseitigt, dass nämlich unsere religiöse Praxis wenig oder gar nichts zu tun hat mit unserer alltäglichen Praxis.

Diesen Skandal schildert auf drastische Weise Jakobus in der zweiten Lesung: Die Verfallenheit an den Reichtum auf der einen Seite und die rücksichtslose Ausbeutung der eigenen Arbeiter auf der anderen. Ob nun Jakobus mit den Reichen Mitglieder seiner Gemeinde anspricht oder nicht – heute gibt es das schreckliche Ärgernis, dass auch bei Christen der wirtschaftliche Profit auf dem Elend zahlloser aufruht. Der Weg aus der Enge einer Versklavung an materielle Güter hinaus in die Weite sozialer Verantwortung im Geist des Evangeliums Jesu ist eindeutig vorgegeben.

Der Weg hinaus ins Weite stellt sich im Evangelium noch einmal anders dar. Zum einen erleben die Jünger ein besonderes Phänomen: Nicht nur Jesus selber treibt Dämonen aus sondern auch andere tun es und zwar in Jesu Namen! Dabei ist die Zugehörigkeit zur Jüngerschar nicht relevant; es zählt die Berufung auf den Namen Jesus!

Die Jünger erfahren hier zum ersten mal, was sie später selber tun werden in der Zeit, da Jesus nicht mehr sichtbar bei ihnen ist: Sie wirken in seinem Namen: Sie heilen, treiben Dämonen aus, taufen und rufen den Hl. Geist auf die Menschen herab, die sich der Christengemeinde anschließen wollen.

Jesus beschränkt seine Gegenwart hier auf Erden nicht auf seine Lebenszeit in Israel vor gut 2000 Jahren. Diesen zeitlich räumlichen Rahmen sprengt er dadurch, dass er durch seinen Namen gegenwärtig bleibt. In seinem Namen ist Jesus selber präsent und wirkt wie damals unter seinen Jüngern.

Deswegen kann er auch verheißen, bei uns zu sein alle Tage bis ans Ende der Zeit. Jesus möchte, dass die Zeit, die wir als Christen hier auf Erden verbringen eine vom ihm erfüllte Zeit ist, eine Jesuszeit! Wir müssen seinem Wort nur glauben und ihm vertrauen und seinen Namen anrufen. Und das sollte eigentlich wie ein Lebenselixier für uns Christen sein, die wir doch seinen Namen tragen.

Die Lesungen des heutigen Sonntags geben uns eine Zusammenschau, wie geisterfülltes Leben zugleich ein Leben im Namen Jesus ist und wie solch ein Leben Gottesdienst und Dienst an den Menschen untrennbar miteinander verbindet. Wir wollen darum zu Gott beten:
Dein Geist weht, wo er will. Mach uns empfänglich für diesen Geist und schenke uns Freude über das Gute, das er in uns wirkt im Namen Jesu, unseres Herrn! - Amen!

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