Freitag, Oktober 12, 2012

Bei euch soll es nicht so sein!

 
Aus dem hl. Evangelium nach Markus 10: 35 – 45

35        Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.
36        Er antwortete: Was soll ich für euch tun?
37        Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.
38        Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?
39        Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.
40        Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.
41        Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.
42        Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.
43        Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,
44        und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
45        Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.





Wir brauchen in unserem Leben nicht lange zu suchen, um das zu finden, was die Jünger Jesu im heutigen Evangelium erleben. Immer nämlich, wenn wir die Poleposition anstreben, wenn wir die Ersten und die Besten sein wollen; wenn wir Karriere machen wollen; wenn wir vor allen anderen geachtet und geehrt sein wollen – immer dann handeln wir wie die beiden Jünger Jakobus und Johannes.
Und wenn wir andere um ihren Vorrang, um ihre Stellung, um ihren Posten beneiden – immer dann ergeht es uns wie den übrigen zehn Jüngern, die sich über die beiden Brüder sehr ärgerten.

Nicht, dass Jesus etwas hätte gegen Strebsamkeit im Beruf und wir dürfen uns auch als Christen dankbar freuen über die Erfolge, die wir in unserem Leben haben. Was Jesus jedoch auch uns heute sagen will, ist, dass er seine Jünger nicht als Karrieretiger im Sinne des aktuellen Zeitgeistes sehen möchte. Diesem Bestreben erteilt er im heutigen Evangelium eine klare Abfuhr:
„Bei euch soll es nicht so sein,
sondern wer bei euch groß sein will,
der soll euer Diener sein,
und wer bei euch der Erste sein will,.
soll der Sklave aller sein.“ (Mk 10:43f.)

In der Gemeinschaft der Jünger Jesu sollen die Uhren wieder einmal anders laufen. Dort soll das Leitwort nicht heißen: „Groß sein“ sondern es soll heißen: Dienen – und nicht der Erste zählt sondern der Sklave aller.

Es handelt sich bei diesen Worten Jesu nicht allein um eine völlige Umkehrung jener Wertordnung, wie sie in dieser Welt üblich ist; es geht Jesus vielmehr darum, einmal mehr den Mitmenschen in die Mitte zu stellen; und nirgendwo geschieht das deutlicher als im Dienen. Im Dienen sollen die Jünger Jesu Karriere machen; da sollen sie sich gegenseitig übertreffen. Nur so ist jede Unterdrückung auf Grund von Machtmissbrauch ausgeschlossen.

Jesus lässt seine Jünger mit dieser Forderung im Wortkleid nicht allein; er gibt ihnen sein Lebensvorbild mit dazu, wohl wissend, wie schwer dieser Dienstauftrag zu aller Zeit erfüllbar ist. Und wie die Kirchengeschichte in Vergangenheit und Gegenwart zeigt, ist auch die Kirche nicht frei vom Streben nach Machtpositionen im Sinne dieser Welt. Darum der Hinweis auf sein eigenes Leben:

„Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen,
um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen
und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. (Mk 10:45)

Diese Worte Jesu legen uns Christen die Frage ans Herz:
Wo und wie und wem gegenüber ist mein Leben durch Dienen ein Lösegeld. Durch mein Dienen soll mein Leben andere lösen – erlösen, loslösen, frei-lösen. Wo ist mein Leben durch Dienen ein Beitrag zu einer Lösung – von Problemen, von Bedrückung, von Verspannung. Jeder von uns kann in seinem Lebensbereich zahlreiche solcher Gelegenheiten finden.

Eine solche Gelegenheit legt uns der kommende Weltmissi­onssonntag nahe, auf den uns ein Hirtenwort unserer Bischöfe hinweist.

Keine Kommentare: