Samstag, Oktober 06, 2012

Am Ursprung genesen

 
Aus dem hl. Evangelium nach Markus 10: 2 – 12

2Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen.
3Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben?
4Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen.
5Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.
6Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen.
7Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen,
8und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.
9Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
10Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.
11Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
12Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.





Ehebruch – ein Problem zur Zeit des Mose, zur Zeit Jesus und in unserer Zeit. Jesus wird von seinen Gegnern damit konfrontiert; sie wollen ihm damit eine Falle stellen. Nun erlaubt das jüdische Gesetz aber die Ehescheidung; zur Debatte steht nur, ob man die Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen darf. Die konservative Richtung lehrt, die Frau darf nur im Fall von Unzucht aus der Ehe weggeschickt werden; die liberale hingegen, dass die Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen werden darf.

Die Gegner Jesus wollen mit ihrer Frage nun wissen, welche Linie Jesus einschlägt, ob er also ein Konservativer oder ein Liberaler ist.

Jesus verweist seine Gegner auf Mose, der es erlaubt, die Frau mit einer Scheidungsurkunde zu entlassen. Und er gibt auch gleich den Grund für diese Erlaubnis an: Hartherzigkeit!

Für Jesus ist das aber nicht die einzige Möglichkeit, mit diesem Problem umzugehen. Er weitet den Horizont und blickt zurück an den Anfang bei Gott und wie der sich die eheliche Beziehung zwischen Mann und Frau gedacht hat. Und da stellt Jesus klar, dass Gott Mann und Frau zu bleibender Einheit geschaffen hat. Und dass der Mensch diese Einheit nicht trennen darf.

Aus der Not einer bedrohten Ehe heraus bleibt Jesus nicht bei menschlichen Regeln stehen, die eine glatte Lösung ermöglichen. Er geht zurück an den Anfang bei Gott um von dort her die Ehe zu heilen und zu retten.

Wenn Jesus die elementare Ehegemeinschaft von Mann und Frau gleichsam erneut zurückverwurzelt in Gott, dann entzieht er sie damit der Willkür und dem Zugriff der Ehepartner. Vielmehr führt er die Eheleute zurück an die Quelle, aus der ihre Gemeinschaft entsprungen ist und von der her sie auch wieder geheilt, belebt und erneuert werden kann. Er bindet die menschliche Gemeinschaft der Ehe zurück an die Gemeinschaft mit Gott.

In der Argumentation Jesu können wir einen Grundzug seines Wirkens erkennen: Die verwundete, zerrissene, verlorene Menschheit zu Gott zurückzuführen, sie mit Gott zu versöhnen. So wird er dem Auftrag gerecht, mit dem Gott ihn in diese Welt gesandt hat: Diese Welt zu erlösen!

Die Hartherzigkeit, die Jesus anspricht, lässt mich das Erlöserwirken Jesu mit Worten aus dem Propheten Ezechiel umschreiben. Dort spricht Gott zum Propheten: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.“ (Ez 36:26f)

Jesus möchte mit den Wirten des Apostels Paulus: „         Unverkennbar ein Brief Christi seien, ausgefertigt durch unseren Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern – wie auf Tafeln – in Herzen von Fleisch.(2Kor 3:3)

Durch diese Schrifttexte werden wir hingeführt dazu, dass die eheliche Gemeinschaft wurzelt in der Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes und dass ihr nur von dorther zukommen kann, was sie am Leben erhält und je und je ihr Leben erneuert.

Mit seinen Worten über die Ehe ist Jesus also alles andere als ein „Hardliner“! Er ist ein „Lifeliner“, denn er ebnet den Weg über die Hartherzigkeit von uns Menschen hinweg hin zum lebendigen Gott. Die katholische Kirche versucht, diesen Weg durch die Zeiten hin offen zu halten.

Erinnern wir uns gerade im Blick auf gefährdete und zerrüttete Ehen an das Tagesgebet von vorhin: Allmächtiger Gott, du gibst uns in deiner Güte mehr, als wir verdienen, und Größeres, als wir erbitten. Nimm weg, was unser Gewissen belastet, und schenke uns jenen Frieden, den nur deine Barmherzigkeit geben kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen!

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