Samstag, September 01, 2012

Leben durch Hören

 
 

Aus dem hl. Evangelium nach Markus 7:1-23

In jener Zeit
1hielten sich die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, bei Jesus auf.
2Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen.
3Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt.
4Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln.
5Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?
6Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.
7Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen.
8Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.
14Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage:
15Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
21Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,
22Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.
23All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.





Wie viele Worte hören wir nicht Tag für Tag; wie viele Worte haben wir heute nicht schon gehört: Aus dem Radio oder aus dem Fernsehen; aus der Zeitung; von den Menschen, die heute schon mit uns gesprochen haben. Auch beim Gottesdienst hören wir viele Worte:
Worte aus der Werbung, Worte in den Nachrichten, Worte der Unterhaltung;
Worte, die uns berieseln, leere Worte, Worte, die wir überhören, Worte, die uns berühren, Worte, die uns treffen, Worte, die verletzen, Worte, die heilen.

Nehmt euch das Wort zu Herzen,
das in euch eingepflanzt worden ist
und das die Macht hat, euch zu retten (Jak 1:21b) – so ermuntert oder ermahnt uns Jakobus in der zweiten Lesung.

Mit diesem Worten regt Jakobus uns an zu fragen, welche Worte wir gehört haben, welche Worte so bei uns angekommen sind, dass sie uns bewegt haben, dass wir sie nicht vergessen haben und wir sie wiederholen können. Jakobus will uns zu einem bewußteren Umgehen mit dem führen, was wir zu hören bekommen. Diese bewusste Hinhören ist der erste Schritt zu einer Bewältigung dessen, was die gehörten Worte in uns hervorgerufen haben – das Echo dieser Worte kann aufgenommen und verarbeitet werden und die Worte, die ich gehört habe, bringen ihre Frucht in mir und aus mir heraus. Eine der ersten und wichtigsten Früchte dieses Weges zum gehörten Wort ist ein bewußteres und aufmerksameres Zuhören – und das ist eine Bereicherung der zwischenmenschlichen Beziehung zu dem, der zu mir gesprochen hat sowie zu dem, der künftig zu mir sprechen wird.

Jakobus spricht jedoch nicht von mehreren Worten – er spricht nur von einem Wort und dieses Wort nennt er das Wort der Wahrheit; durch dieses Wort hat Gott uns aus freiem Willen geboren; durch dieses Wort hat Gott uns ins Leben gerufen; durch dieses Wort hat Gott uns Leben geschenkt.
Diese Worte des Jakobus lassen an den Beginn des Johannesevangeliums denken:
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott;
im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden
und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
Und dieses Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt. (Joh 1:1-3.14a)

Jakobus schreibt einer Gemeinde, die Jesus als Mensch nicht mehr so erlebt hat, so wie er und die anderen Jünger. Sie hört von Jesus durch die Erzählung der Jünger Jesu und durch ihre Briefe – sie hören von Jesus durch das Wort, das seine Jünger zuerst verkündet und später dann geschrieben haben.

Dieses Wort hat sie an Jesus, den neuen Menschen, dermaßen gebunden, und sie haben dieser Bindung an Jesus in der Taufe zugestimmt, dass sie selber neue Menschen geworden sind. So wurden sie von Gott durch das Wort der Wahrheit geboren.
In diesem Sinn haben wir auch im Tagesgebet gesprochen:
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.

Dieses Wort ist nun in uns eingepflanzt worden; es ist in uns drinnen wie eine Pflanze, die uns anvertraut ist; diese Pflanze kann vertrocknen, wenn wir sie nicht gießen; sie kann aber auch wachsen und blühen und Früchte bringen, wenn wir uns um sie kümmern;
das Verderben oder Gedeihen dieser Pflanze hängt also auch von uns selber ab – darum die Aufforderung des Apostels:
Nehmt euch das Wort zu Herzen! (Jak 1:21b)
Was er mit diesem "Zu-Herzen-Nehmen" meint fügt er gleich an:
Hört das Wort nicht nur an,
sondern handelt danach!
Durch unser "Zu-Herzen-Nehmen" geben wir dem Wort die Möglichkeit zu leben; das Leben zu entfalten, das es in sich trägt.
Wir lassen mit den Worten des Jakobus jene Kraft des Wortes wirksam werden, die uns retten kann – und durch uns jene Menschen, mit denen wir zusammenleben.

Dieses Wort soll eine prägende, bestimmende Kraft in unserem Leben sein. Ist es aber oft genug nicht! Warum? Jesus gibt die Antwort:
Von innen, aus dem Herzen der Menschen,
kommen die bösen Gedanken,
Unzucht, Diebstahl, Mord,
Ehebruch, Habgier, Bosheit,
Hinterlist, Ausschweifung,
Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft
All dieses Böse kommt von innen
und macht den Menschen unrein. (Mk 7:21-23)
Ja, wenn das mit dem Herzen von uns Menschen so ist, darf es nicht wundern, wenn auf diesem Erdreich die Pflanze des Wortes Gottes nicht wachsen kann! Vergifteter Boden! Da kann nichts wachsen!

Jesus deckt die Fähigkeit unseres Herzens zum Bösen ungeniert auf und es ist erstaunlich und ernüchternd zu welcher Bosheit wir Menschen doch fähig sind und was für ein Mist sich in unserem Herzen so still und heimlich ansammeln kann.
Jesus bringt uns mit fester Hand und etwas unsanft und direkt dazu, auf unser eigenes Herz zu hören; auf seine Worte, die oft genug eine verzerrte, verstümmelte, verbildete Sprache sprechen.

Das Hören auf unser Herz und das Hören auf das Wort des Herrn gehören zusammen. Beides fördert sich gegenseitig und beides will die Worte der ersten Lesung (Dtn 4:1-2.6-8) Wirklichkeit werden lassen, die Mose zum Volk Israel spricht: Hört und ihr werdet leben!(Dtn 4:1b) - Amen!

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