Donnerstag, September 20, 2012

Erster im Dienen

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Aus dem hl. Evangelium nach Markus 9: 30 – 37

In jener Zeit
30zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Jesus wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr;
31denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.
32Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.
33Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?
34Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei.
35Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.
36Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:
37Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.





Wenn wir jemandem etwas wichtiges sagen wollen, dann tun wir das unter vier Augen. Niemand anderer soll dabei sein. Unser Zuhörer soll sich ganz auf das sammeln können, was wir ihm sagen möchten. Die Wichtigkeit der Sache verlangt diese Ungestörtheit.

Gerade so hat es Jesus im heutigen Evangelium gemacht: „Jesus wollte nicht, dass jemand davon erfuhr, wie er mit seinen Jüngern durch Galiläa ziehen; denn er wollte sie über etwas belehren.“ (Mk 9:30.31a)

Was ist nun wohl das Wichtige, das er seinen Jüngern sagen möchte?

„Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.“ (Mk 9:31b)
Jesus spricht vom Wichtigsten seines Lebens: von seinem Tod und seiner Auferstehung; von seinem Scheitern und seiner Vollendung; von seiner niedrigsten Erniedrigung und seiner höchsten Erhöhung.

Die Jünger haben gewiss die Ohren gespitzt und ganz besonders gut aufgepasst – aber das Ergebnis ist kläglich:
Sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch ihn zu fragen. (Mk 9: 9:32)
Was immer der Grund für diesen Misserfolg sein mag – für mich als Prediger ist es trostreich, dass Jesus mit seiner Lehre auch nicht immer gleich angekommen ist.

Wenn also schon bei seiner Lehre die Jünger den Sinn seiner Worte nicht verstehen um wie viel mehr ist da bei mir zu erwarten, dass ihr im Gottesdienst nicht versteht, was ich sage.

Vielleicht können wir die Ursachen dieses Missgeschickes entdecken? Vielleicht liegen diese Ursachen bei den Jüngern selber? Vielleicht auch bei Jesus?

Zuerst die Jünger.
Da fragt sie Jesus, als sie in Kafarnaum nach Hause gekommen waren:
„Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?“ (Mk 9:33c)

Sie schweigen, wie schon vorhin als sie sich scheuten, nach dem Sinn der Worte Jesu zu fragen. War es vorhin die Scheu, als Begriffsstutzige und Unverständige dazustehen so haben die Jünger jetzt aus Scham über ihren Gesprächsstoff geschwiegen; der Evangelist verrät nämlich ihr Gesprächsthema: „Sie hatten unterwegs darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei. (Mk 9:34)

Sie haben gewiss instinktiv gespürt: So ein Thema passt ganz und gar nicht zu Jesus! Dieses Thema ist genau das Gegenteil von dem, was Jesus sagt und tut!

Wir können demnach bei den Jüngern zweierlei Hindernisse ausmachen, die sie daran hindern zu verstehen, was Jesus ihnen sagt:

Sie sind zum einen blockiert durch ihre Ichbezogenheit, die nur am eigenen Leben, an der eigenen Größe, am eigenen Wert interessiert ist; so sind sie unempfänglich für das Leben, die Größe und die Bedeutung Jesu.

Zum anderen scheuen sie es, in ihrer Mangelhaftigkeit und mit ihrem Egoismus – also in ihrer Jesusferne sich dem Herrn anzuvertrauen. In dieser Armseligkeit wagen sie nicht den Schritt in die Jesusnähe.

Beides hängt zusammen: Das Streben nach eigener Größe wird es niemals zulassen, die eigene Kleinheit einzugestehen; diese beiden Haltungen schließen sich aus!

Uns geht es da doch ehrlich gesagt gleich wie den Jüngern: Auch bei uns ist ja immer auch die Beschäftigung mit dem eigenen Leben, die uns blockiert für das Leben des oft so anderen Jesus. Wir denken also an etwas, das uns gerade besonders beschäftigt, während die Lesung vorgetragen und das Evangelium verkündet wird.

Und auch bei uns oft kaum eine Spur von Eingeständnis, dass wir Egoisten sind und deswegen nichts verstehen vom anderen – mag dieser andere auch Jesus selber sein; nein – sondern da ist die Lesung schuld, die wir ja schon x-mal gehört haben und das Evangelium, das bereits ein alter Hut ist; und dann erst die Predigt, die überhaupt immer die gleiche ist.

Und Jesus? Hat er auch was falsch gemacht, dass seine Lehre nicht angekommen ist?

Nun es fällt auf, dass Jesus die Suche nach dem größten Jünger nicht mehr mit einer Lehre in Worten beantwortet; er kleidet seine Lehre nunmehr in ein anschauliches Bild: „Denn er stellte ein Kind in ihre Mitte,
nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:
Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“ (Mk 9:36f.)
So weist Jesus seine Jünger an, die Größe im Kleinen zu suchen.
Jesus selber verbirgt seine und seines Vaters Größe im Kleinen eines Kindes.

Jesus lässt sich von der Schwerfälligkeit seiner Jünger nicht entmutigen; vielmehr sucht er neue Wege, um seine Botschaft den Jüngern begreiflich zu machen.

Das Kind ist ein sehr deutliches Bild für den Letzten und für den Diener aller: denn auf der Leiter zum Jugendlichen, Erwachsenen und zum Senior ist das Kind die unterste Stufe. Und das Kind ist auch ganz selbstverständlich der Diener aller. Denn alle können den Dienst des Kindes bedingungslos beanspruchen. Indem Jesus sich in das Kind hineinbegibt sagt er seinen Jüngern, dass er selber bereits der Letzte und der Diener aller ist – er sagt somit genau dasselbe, als er sie belehrte, dass er den Menschen ausgeliefert werde, dass sie ihn töten werden und dass er am dritten Tag auferstehen werde: dies alles ist ja ein Dienst an uns Menschen; und er verrichtet diesen Dienst als der letzte Dreck, indem er am Kreuz für uns stirbt.

Wir wollen beten:
Gott, der du öffnest, was verschlossen ist;
befreie uns von Eigensinn
und erschließe uns den Sinn in der Frohbotschaft deines Sohnes.
Lass uns fragen, wo wir nicht verstehen
und lass uns dienen, wo wir herrschen wollen
damit wir mit deinem Sohn als die Letzten von allen die Ersten werden! – Amen!

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