Sonntag, August 05, 2012

Lebensbrot

 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 6: 24 – 35

In jener Zeit
24als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus.
25Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen?
26Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.
27Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.
28Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?
29Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
30Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du?
31Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.
32Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.
3Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.
34Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot!
35Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.





Das Volk Israel murrt in der ersten Lesung gegen Mose und Aaron, weil es Hunger hat. Das Murren des Mundes kommt vom Knurren des Magens. Der leibliche Hunger bringt das Volk in üble Laune, die sich im Murren Luft verschafft.
Gott hört dieses Murren und verschafft Abhilfe: Das Fleisch der Wachteln am Abend; das Manna am Morgen. Die Leute, die noch nie Manna gesehen haben fragen sich: „Was ist das? Und Mose gibt zur Antwort: Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt!“ (Ex 16:15)

In dieser Antwort gipfelt diese Lesung, denn sie offenbart Gott als den, der sich um sein Volk kümmert; zu dem sein Volk in jeder Not kommen kann; dem es klagen und weinen und gegen den es sogar murren kann.

Im Evangelium erinnern die Leute Jesus an dieses Wüstenereignis. „Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.“ (Joh 6:31)

Jesus geht darauf ein, stellt aber gleich klar, wer den Vätern in der Wüste eigentlich zu essen gegeben hat:
„Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben,
sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.“(Joh 6:32f)

Mit diesen Worten deutet Jesus an, dass Gott mehr gibt als Brot für den Leib und dass das Ereignis in der Wüste auf ein größeres Ereignis hinweist, das sich mit Jesus erfüllt. Jesus wir uns so als der neue Moses vorgestellt.

Die Leute wollen dieses Brot haben, von dem Jesus spricht und sie bitten Jesus darum: „Herr, gib uns immer dieses Brot!“ (Joh 6:34b) Wir schließen uns übrigens dieser Bitte an immer dann, wenn wir im "Vater unser" beten: Gib uns heute unser tägliches Brot! (Mt 6:11) Damit finden wir uns in einer Reihe mit den murrenden Israeliten in der Wüste und mit den Leuten, die Jesus im heutigen Evangelium um Brot bitten.

Womöglich können wir diese Bitte nicht mehr so wesentlich aussprechen, wie die Israeliten in der Wüste und um Jesus das noch tun konnten und zwar aus dem einfachen Grund, weil wir mehr als genug zu essen haben; es wird darum bei uns wohl eher der Fall sein, dass wir gar nicht mehr daran denken, Gott um unser Brot zu bitten. Was wir zu essen bekommen ist selbstverständlich und in Überfülle da; Erfahrung von Hungersnot ist da unmöglich.

Und doch ist der gefüllte und oft genug der überfüllte Magen kein Garant gegen Hunger. Wir erleben es schmerzlich in den so genannten Wohlstandskrankheiten wie die Abhängigkeit von den verschiedenen Suchtgiften, wie das Zunehmen der Selbstmordrate, oder wie das Phänomen des einsamen Todes, der immer wieder und immer mehr vor allem alte und eben einsame Menschen ereilt; wir erleben es an der Abhängigkeit vieler Menschen von den Idolen des Sportes und des Showgeschäftes – das alles sagt uns: es gibt da noch einen Hunger, der vom vollen Magen höchstens alleingelassen aber niemals gestillt wird.

Jesus wusste damals bereits um diesen anderen und größeren Hunger; und er hat damals schon die Antwort gegeben, die diesen Hunger stillt. Und diese Antwort gilt auch heute und wird immer gelten.
„Jesus antwortet ihnen und uns: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt wird nie mehr hungern,
und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. (Joh 6:35) Dieser Hunger findet in der persönlichen Begegnung mit Jesus sein Ende. Damit spricht Jesus einen besonderen Hunger von uns Menschen an: den Hunger nach Liebe, den Hunger nach persönlicher Gemeinschaft, nach herzlicher Zuwendung, den Hunger nach Begegnung von Herz zu Herz und von Angesicht zu Angesicht.

Stimmt es, was Jesus da von sich behauptet?
Viele haben es mit Jesus versucht und sie alle sagen: Ja, es stimmt! Andere sagen: Nein, das stimmt nicht! Aber haben die sich wirklich auf Jesus eingelassen? Sind die ihm wirklich begegnet?

Es bleiben also für jeden von uns diese Worte Jesu eine Einladung, die wir annehmen oder ablehnen können. Jeder von uns muss seine Erfahrung mit Jesus selber machen, das kann ihm keiner abnehmen. Dabei ist der Weg zu dieser Erfahrung denkbar einfach: wer zu mir kommt...! Joh 6:35b)  Es geht einzig darum, dass wir zu Jesus kommen. Dabei fordert Jesus keine Voraussetzungen und keine Leistungen irgendwelcher Art. Jesus lädt grenzenlos zu einer Gemeinschaft mit ihm. Diese Einladung will jeden Menschen treffen, wer immer er sein mag, wo immer er sein mag, wie immer er sein mag. Wir können diese Einladung nicht lebensnahe genug hören. Damit wir Jesu Einladung annehmen und zu ihm kommen können, wollen wir beten:

Gott, du allein kannst unsere Sehnsucht nach Glück und Leben stillen. Begleite uns auf dem Weg zu dir durch das Brot deines Sohnes, der mit dir lebt und waltet in Ewigkeit! - Amen!

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