Mittwoch, August 08, 2012

Kraftbrot

 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 6:41 – 51

In jener Zeit
41murrten die Juden gegen Jesus, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.
42Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen?
43Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht!
44Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
45Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen.
46Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen.
47Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.
48Ich bin das Brot des Lebens.
49Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben.
51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.







Wer von uns kennt nicht das Loch, in das der Prophet Elias in der ersten Lesung gefallen ist: „Elia ging eine Tagreise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.“ (1Kg 19:4)
Elias ist deshalb so deprimiert, weil sein ganzes Bemühen um die Bekehrung seines Volkes seinem Empfinden nach nichts genützt hat.
Auch wir geraten ja immer wieder in Stimmungen, in denen wir uns als Versager empfinden; in denen wir resignieren und die Flinte ins Korn werfen wollen; in denen uns die Lebensfreude sehr getrübt wenn nicht gar abhanden gekommen ist.
Nun ist es auch für uns sehr trostreich, dass Elias in dieser dunklen Nacht seines Lebens nicht allein gelassen wird. Wir hören vom Engel des Herrn, der in anrührt und zu ihm spricht: „Steh auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich.“ (1Kg 19:7)
Durch seinen Engel offenbart sich Gott in seinem Leben als der, der seinen Propheten nicht alleine lässt, wenn die Nacht kommt und der ihm sein Leben als einen Weg zu verstehen gibt, der noch nicht zu Ende.

Vor Jahren hat Joe Cocker, ein englischsprachiger Rocksänger, ein wunderschönes Lied komponiert: When the night comes – Wenn die Nacht kommt, heißt dieses Lied.
Darin singt er als Refrain:
Ich will derjenige sein, zu dem Du kommen kannst,
Ich will derjenige sein, zu dem du rennen kannst
Ich will derjenige sein, der für dich da ist - wenn die Nacht kommt.
Die Nacht des Propheten Elias zeigt uns, dass Gott noch ein bisschen mehr ist: Er ist nicht nur da, dass wir zu ihm laufen können, wenn die Nacht kommt; denn es gibt in unserem Leben tatsächlich Nächte, da sind wir völlig am Ende; da können wir gar nichts mehr tun, nicht einmal mehr laufen. Und da zeigt sich uns Gott heute als der, der dann zu uns kommt. Darum kann dieser unser Gott von sich singen:
Ich will derjenige sein, der zu dir kommt,
Ich will derjenige sein, der zu dir rennt,
Ich will derjenige sein, der für dich da ist – wenn die Nacht kommt.

Und dann gibt der Engel des Herrn dem Propheten Brot und Wasser. Er kredenzt dem Propheten nicht weiß Gott, was auf, so dass der Tisch sich biegt; es ist das aller einfachste, was er dem Propheten zum Essen reicht: Brot und Wasser! Bei uns ist es ein Zeichen für Bestrafung oder für Rationierung; auf alle Fälle ein Zeichen der Kargheit, wenn wir jemanden bei Brot und Wasser halten.
Das Gegenteil ist bei Elias der Fall, denn „durch diese Speise gestärkt, wanderte er vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.“ (1Kg 19:8b)
Das muss ein ausgesprochenes Kraftbrot gewesen sein, das Elias da zu essen bekommen hat, ein Supervollkornbrot oder so was ähnliches. Kein Wunder, denn es ist ja auch in der Backstube Gottes gebacken worden. Jedenfalls zeichnet sich dieses Brot nicht durch Raffinesse sondern durch Substanz aus.
In der Kraft dieser Speise geht Elias nun bis zum Gottesberg Horeb; das ist eine andere Bezeichnung für den Berg Sinai; es ist das jener Ort, an dem Gott dem Mose seinen Willen offenbart hat, indem er ihm die zehn Gebote gegeben hat. Für Elia bedeutet dies, dass Gott auch ihm sagen möchte, was er von ihm will. Elias kommt an jenen Ort, an dem Gott seinem Lebensweg ein neues, konkretes Ziel setzen wird; an dem er ihm sagen wird: Das und das sollst du in meinem Auftrag tun. So findet die depressive Nacht des Propheten ein Ende.

Was diese einfache Speise für unseren Umgang miteinander bedeuten kann und wie wir füreinander ein Engel des Herrn in den dunklen Stunden unseres Lebens sein können, das schreibt uns Paulus in der zweiten Lesung. Dort reicht uns der Apostel das einfache, aber überaus kräftige Brot herzlicher Nächstenliebe:
„Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung
und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat. Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder, und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt.“ (Eph 4:31-5:2)
So können wir füreinander zum Brot werden, das neues Leben gibt.

Dieses Brot der Liebe ist in Jesus Christus Mensch geworden; darum sagt Jesus von sich im heutigen Evangelium:
„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.“ (Joh 6:51)

Das geheimnisvolle Brot, das der Prophet Elia zu essen bekommt, wird durch das heutige Evangelium zum Zeichen, das hinweist auf Jesus, als das Brot des Lebens. In der hl. Kommunion fließen Lesung und Evangelium zusammen: Die karge, einfache Gestalt der Hostie enthält dennoch die Fülle göttlichen Lebens, weil in ihr Jesus da ist. Das Auge sieht das Stück Brot aber der Glaube empfängt den Leib des Herrn, der ewiges Lebens schenkt. So “hat, wer glaubt, das ewige Leben“ (Joh 6:47b), indem er zur Kommunion geht.

Wir beten:
Gott, in Jesus, deinem Sohn, bist du uns nahe gekommen. er ist das Brot für das Leben der Welt. Stärke unseren Glauben an sein Wort, das uns hinführt zu dir. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. - Amen!

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