Donnerstag, August 16, 2012

Jesus essen und trinken


  
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 6: 51 – 58


In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.
52Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
55Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank.
56Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
57Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.






In der Rede vom Brot des Lebens wird Jesus im heutigen Evangelium sehr fleischlich und sehr persönlich: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.“ (Joh 6:51b)

Diese Worte machen den zuhörenden Juden Schwierigkeiten: „sie stritten sich und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6:52)
Jesus unternimmt nichts, um seinen Zuhörern das Verständnis zu erleichtern. Vielmehr beharrt er auf seiner Aussage; er verschärft und vertieft sie: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Jeder, der mich isst, wird durch mich leben.“ (Joh 6:53b.55f)

Jesus essen – das erscheint den Juden unerhört und unmöglich und dennoch bezeichnet Jesus es als notwendig für das Leben und für die Beziehung zu ihm. Mit seinen Worten möchte Jesus auch unser Verständnis von diesem Brot des Lebens prüfen.
Wenn wir die Kommunion empfangen – essen wir da bewusst das Fleisch des Herrn? Bereitet uns das überhaupt keine Schwierigkeiten so wie den Juden im heutigen Evangelium? Oder weichen wir eventuellen Verständnisproblemen dadurch aus, dass wir die Hostie einfach als Symbol, ein Zeichen für Jesus betrachten? Aber gerade das möchte Jesus durch das heutige Evangelium klarstellen: Was er uns in der Kommunion zu essen gibt ist kein Symbol von sich sondern sich selber! Und was er für das Leben der Welt hingibt ist kein Symbol von sich sondern sein Fleisch – und das heißt: sich selbst!

Das ist ein ganz wichtiger Gedanke hinter den Worten Jesu: Dass er sich selber einsetzt, sich selber hergibt für das Leben der Welt. Was dies im Klartext heißt, zeigt sich durch sein Kümmern um die Armen und Kranken, durch sein Stehen auf der Seite der Geächteten und Ausgestoßenen und dann vor allem durch sein Sterben am Kreuz. So wie Jesus sich da selber ganz hingibt genauso will er auch angenommen werden – als ganzer Jesus, als Jesus mit Haut und Haar, mit Leib und Seele – eben: mit Fleisch und Blut. Jesus hat sich nicht voll und ganz engagiert damit wir uns jetzt mit einem Symbol von ihm zufrieden geben. Dem Realismus seiner Hingabe kann nur der Realismus unserer Annahme entsprechen. So wirklich und ganz, wie Jesus sich hergegeben hat so wirklich und ganz will er auch angenommen werden.
Vielleicht fällt es deshalb auch so schwer, die Rede Jesu anzunehmen, weil es schwerfällt mit dem eigenen Fleisch und Blut so großzügig und freigebig umzugehen, wie Jesus das tut. Der Gedanke der Selbsthingabe Jesu ist aber nur eine Seite seiner Rede.

Eine andere Seite ist die der Verbundenheit mit Jesus: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.“ (Joh 6:56f)

Die persönliche Verbundenheit – ja, die Intimität, die Jesus mit diesen Worten anspricht, ist nur möglich, wenn wir Jesus als Jesus bei uns aufnehmen. Jesus als Symbol ist eine fleischlose, blutleere und damit leblose  Hülse. Es ist von Jesus schon ein Zeichen, dass er uns ganz nahe sein will, indem er uns ein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken gibt.
Von uns ist es ein Zeichen, dass wir Jesus ganz nahe sein wollen, indem wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken. Und das geschieht bei der Kommunion. Darum ist gerade die hl. Kommunion eine Gelegenheit, Jesus in einer unauslotbar tiefen Weise persönlich zu begegnen wie dies sonst nirgends der Fall ist. Deswegen ist die hl. Kommunion ein frohes Ereignis.
Ein Mitbruder von mir im geistlichen Amte hat mir einmal geklagt, er verstehe nicht, warum die meisten Leute mit einem Gesicht zur Kommunion kommen, als gingen sie zu ihrer eigenen Hinrichtung: da ist keine Regung der Freude zu spüren sondern erstarrte Masken, tiefgefrorene Minen sind es, die er bei diesem Höhepunkt göttlich-menschlicher Begegnung zu sehen bekommt. Er sehe sich vor zwei Möglichkeiten: Diese Leute entweder hochkantig aus der Kirche hinauszuwerfen wegen ihrer Fehlhaltung – oder selber – begeistert von dem hochkarätigen Ereignis in der hl. Kommunion – sein schönstes Lächeln zu zeigen. Er habe sich bisher noch immer für die zweite Möglichkeit entschließen können, beendete mein Mitbruder seinen Bericht.

Jesus zeigt uns im heutigen Evangelium eine Liebe, in der er selber uns Speise sein will. Wir sollten uns als Antwort darauf um eine Liebe bemühen, die ihn zum Fressen gern hat. Ich meine jene Liebe, die sich über die Nähe des Herrn freut, die diese Nähe des Herrn genießt; die aus dieser Nähe des Herrn lebt und so glücklich ist.

Wir wollen beten:
Gott, unser Vater. Dein Sohn gibt uns im Brot des Lebens sein Fleisch und sein Blut zur Speise. Lass uns dankbar annehmen und froh genießen, was er uns zu essen gibt. Schenk uns aus dieser Speise die Kraft auch für andere mit unserem Fleisch und Blut zur Speise zu werden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn! - Amen!

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