Freitag, August 17, 2012

Geist und Leben

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 6:60 – 69

In jener Zeit
60sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
61Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
62Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
63Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.
64Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.
65Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
66Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.
67Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
68Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
69Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.




Sowohl die Israeliten in der ersten Lesung wie auch die Jünger im Evangelium werden vor die Wahl gestellt,
dem Gott Israels oder anderen Göttern zu dienen,
Jesus nachzufolgen oder nicht mehr.

„Josua sagte zum ganzen Volk:
Wenn es euch nicht gefällt, dem Herrn zu dienen,
dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt:
den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stromes dienten,
oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt.
Ich aber und mein Haus,
wir wollen dem Herrn dienen.“ (Jos 24:15)

„Als viele Jünger auf die Worte Jesu hin sich von ihm zurückzogen
und nicht mehr mit ihm umher wanderten,
fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?“ (Joh 6:66f)

Jede dieser beiden Situationen hat ihre eigene Note.

Josua stellt das Volk vor die grundsätzliche Wahl zwischen dem Gott Jahwe und anderen Göttern.
Im Evangelium führt die Unerträglichkeit der Worte Jesu zur Entscheidung für oder gegen ihn, mit oder ohne ihn!

Beide Situationen finden wir auch in unserem Leben wieder.

Denn nach wie vor gibt es viele Götter, die mit dem einen Gott in Konkurrenz treten und uns immer wieder zur Entscheidung herausfordern.
Es haben sich nur die Namen dieser Götter geändert: Reichtum, Macht, Wohlstand, Fremdenverkehr, Wirtschaft, Technik, Sex, Konsum, Drogen, Alkohol, Nikotin, Auto, Arbeit, Fernsehen, Musik, Natur usw.
Dies alles und noch vieles andere kann einzeln oder zu mehreren als höchstes Ziel die Stelle Gottes in unserem Leben einnehmen und uns so zum Götzen werden. Ob dies der Fall ist merken wir zumeist daran, dass unser Interesse für Gott, unsere Freude an ihm, unsere Liebe zu ihm rapide abnimmt. Das wären an sich schon Alarmzeichen oder wie das Rotlicht bei der Ampel, das uns sagt: Halt! Stehenbleiben!, das uns zur Besinnung ruft und uns wie Josua vor die Wahl stellt: Welchem Gott folge ich in meinem Leben? Wer bestimmt meinen Lebensweg? Wem diene ich?

Nur ist es so, dass wir uns in der Tretmühle, die unser Leben oft genug ist, kaum mehr die Zeit nehmen, auf diese Herzensregungen der Freude und der Liebe zu achten und uns diesen Fragen zu stellen.
Darum ist es gut, dass uns wie in der ersten Lesung immer wieder Menschen aus unserem Leben diese Wahl bewusst machen.

Dabei ist zu wünschen, dass diese Menschen so wie Josua bereits ihre Entscheidung für Gott getroffen haben:
„Ich aber und mein Haus,
wir wollen dem Herrn dienen.“ (Jos 24:15c)
Ich liege gewiss nicht falsch, wenn ich sage, dass viel Oberflächlichkeit und Halbheit und Lauheit in unserem christlichen Leben daher kommt, dass wir von solchen Leuten zur Entscheidung für Gott aufgefordert werden, die selber in ihrem Leben diese Entscheidung für Gott gar nicht oder nur halb oder unangemessen getroffen haben. Damit meine ich vor allem jene, die von Natur aus für andere verantwortlich sind: Priester, Eltern, Lehrer, Ehepartner, Freunde.

Es muss für Josua schon eine große Freude gewesen sein, als das Volk ihm antwortete:
„Das sei uns fern,
dass wir den Herrn verlassen
und anderen Göttern dienen.
Auch wir wollen dem Herrn dienen;
denn er ist unser Gott.“ (Jos 24:16.18b)

Wie hat aber Josua und in der Folge dann das ganze Volk zu dieser Entscheidung finden können?
Sie haben auf das geschaut und an das gedacht, was Gott für sie getan hat:

„Denn der Herr, unser Gott, war es,
der uns und unsere Väter
aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat
und der vor unseren Augen
alle die großen Wunder getan hat.
Er hat uns beschützt
auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind,
und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind.“ (Jos 24:17)

Sie haben also an die Führung und an den Schutz Gottes gedacht; sie haben sich daran erinnert, was Gott alles an Gutem für sie getan hat.

Können wir diese Worte nicht auch in unseren Mund nehmen? Haben wir keine Erinnerung mehr an die Führung und an den Schutz Gottes in unserem Leben?
Aber das ist es eben: Wir können kaum mehr sagen:
Der Herr, unser Gott, war es, der uns aus relativer Armut in den heutigen Wohlstand geführt hat;
er wirkt das Wunder, dass unser Land so schön ist .
Er hat uns beschützt in Gefahren, die uns bedroht haben und hat uns vor noch Schlimmerem bewahrt.

Es ist uns das Gespür abhanden gekommen, dass Gott hinter allem steht, dass alles aus seinen Händen kommt.
An seine Stelle sind die Gesetzte der Natur, der Arbeit, des Handels und der Marktwirtschaft getreten.

Hier sind wir nun an einem Punkt angelangt, an dem sich das Evangelium mit seiner Botschaft nahtlos anfügt:
Denn ist es nicht unerträglich, wenn angesichts der eben aufgezählten Gesetzmäßigkeiten in unserem Leben einer daherkommt und sagt: Nicht diese Gesetzt sondern ich gebe euch Leben und Wohlstand. Gegen jede verstandesmäßige Offenkundigkeit behauptet da einer etwas, das den Horizont unseres Verstandes übersteigt; erhebt da jemand einen Anspruch, den wir nicht mehr mitvollziehen können. Darum können wohl auch wir wie viele der Jünger Jesu sagen:

„Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
Und sie zogen sich von Jesus zurück
und wanderten nicht mehr mit ihm umher.“ (Joh 6:60.66)
Vielleicht sagen wir es nicht in dieser einfachen Ausdrücklichkeit; aber praktizieren wir diese Worte und dieses Verhalten der Jünger Jesu nicht, indem wir alles Religiöse fein säuberlich und scharf von unserem übrigen Leben trennen?
Auch wir ziehen uns von Jesus zurück
und wandern nicht mehr mit ihm umher,
indem wir ihn aus unserem Alltag aussperren, indem er nichts mehr zu sagen hat in unserem Beruf, auf unserem Arbeitsplatz, während unserer Freizeit, in unseren Familien, in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen, in den Fragen und Nöten und Problemen, die uns bewegen.

Wenn Jesus heute seine Jünger fragt:
„Wollt auch ihr weggehen?“ (Joh 6:67b)
dann sollten wir bedenken, dass Jesus diese Frage nicht in einer Kirche und nicht im Rahmen eines Gottesdienstes an seine zwölf Apostel richtet.
Sie waren vielmehr unterwegs und haben ihren täglichen Job gemacht: Jesus, indem er lehrte und die Jünger, indem sie ihm zuhörten.

Und wenn wir dann den Petrus antworten hören:
„Herr, zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben gekommen
und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes!“ (Joh 6:68)
wenn wir den Petrus also so sprechen hören, dann können wir nur mehr bitten:

Gott, unser Vater, hilf auch uns, dass wir zu Jesus gelangen. Schenke uns jenen Glauben, der uns Jesus als den Quell jeglichen Lebens erschließt, der uns mit Jesus leben lässt, der uns Jesus als den heiligen Gottes erkennen lässt, als deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und uns liebt in Ewigkeit! - Amen!

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