Dienstag, Juni 05, 2012

Jesu Familie

 
Aus dem hl. Evangelium nach Markus 3:20 – 35

In jener Zeit
20ging Jesus in ein Haus, und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten.
21Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
22Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebub besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
23Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben?
24Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben.
25Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.
26Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen.
27Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern.
28Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen;
29wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.
30Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen.
31Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen.
32Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir.
33Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?
34Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.
35Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.






Es ist bemerkenswert, wie sich der Beginn der 1. Lesung und das Ende des Evangeliums treffen in der Familie Gottes. Jesus benennt es ausdrücklich: „Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ (Mk 3:35) Und eben von diesem familiären Verhältnis zwischen Gott und Mensch geht die 1. Lesung aus, die dann davon berichtet, wie eben dieses Verhältnis zerbricht, weil der Mensch Gott gegenüber ungehorsam wird.

Im Verlauf der Lesungen und des Evangeliums wird dann die dramatische Zerstörung der Familie Gottes sowie ihre Erneuerung von Grund auf im Telegrammstil dargestellt. Die Protagonisten dieses Dramas werden benannt: Es ist der Widersacher Gottes, in der ersten Lesung dargestellt in der Schlange und im Evangelium durch Beelzebul und dessen dämonischem Anhang. Dem wirkt Gott entgegen durch Jesus Christus, den er von den Toten auferweckt. Durch den Glauben an Jesus werden wir dieser Auferstehung teilhaftig und befähigt vor Gott hinzutreten und zu wohnen in einem ewigen Haus im Himmel. Diese himmlische Familie wird bereits auf Erden vorweggenommen in der Familie jener, die sich gläubig um Jesus versammeln und so den Willen Gottes erfüllen.

Wir können deutlich erkennen, dass in diesem Vergehen und Werden der Familie Gottes wir selber aktiv gefordert sind. Wir sind wesentlich mitbeteiligt an diesem familiären Prozess: Er vollzieht sich nicht über unsere Köpfe hinweg! Vielmehr sind wir herausgefordert, Stellung zu beziehen, indem wir uns fragen: Wollen wir zur Familie Gottes gehören oder nicht? Wollen wir uns um Jesus versammeln und auf ihn hören oder nicht? Wollne wir in Jesus den Messias annehmen, den Gott vom Tod erweckt hat um unsretwillen, zu unserem Heil?

1. Lesung und Evangelium stellen uns Alternativmodelle vor Augen: Eva und Adam, die sich verführen lassen und lieber auf die Schlange hören als auf Gott. Die Verwandten Jesu, die ihn für verrückt halten und nach Hause holen wollen. Noch negativer die Schriftgelehrten von Jerusalem, die Jesus gar mit dem Chef der Dämonen in Verbindung sehen und behaupten, mit dessen Hilfe treibe er die Dämonen aus. Es ist bemerkenswert, dass die Familie, die Jesus möchte, nicht durch Blutsbande zusammengehalten wird und dass auch die gemeinsame Volkszugehörigkeit die Zugehörigkeit zur Familie Gottes nicht garantiert. Ja, im Gegenteil, menschlich irdische Verbundenheit kann zum Nachteil werden, den Jesus an anderer Stelle klar ausdrückt, wenn er sagt: „Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie.“ (Mt 13:57)

Was zur Familie Gottes, wie Jesus sie wünscht, Zulass gewährt, kommt klar zum Ausdruck: Jesus nennt jene, die um ihn versammelt sind, seine Mutter und seine Brüder! Zur Familie Jesu gehört man nicht durch Blutsbande und nicht durch Volksbande sondern durch das Jesusband – durch die Verbundenheit mit Jesus in der Versammlung um ihn, im Hören auf ihn, in seiner Nachfolge. Dies drückt sich aus, dass man in seinem Wirken nicht einen Dämon am Werk sieht sondern den Hl. Geist. Es drückt sich aus im Glauben an ihn, der sich dann ausformuliert in der Rede von ihm in der Verkündigung, im gläubigen Anteilnehmen an seiner Auferstehung und in der folgenden Ausrichtung auf ein ewiges Wohnen bei Gott. Daraus erfolgt ein weiteres Familienkennzeichen: Der Ausblick über das Sichtbar Vergängliche hinaus auf das Unsichtbar Ewige. Das Familienprogramm, wie es die Schrifttexte heute vorstellen sind ein christliches Lebensprogramm für unseren Alltag.

Noch ein besonderes Kennzeichen der Familie Jesu: Der Vater fehlt! Da ist von der Mutter die Rede und dann von den Brüdern und Schwestern – aber nicht vom Vater! Nun, das mag vordergründig daran liegen, dass Josef bereits verstorben ist. Eigentlich hat Jesus da aber keine patriarchalische Familie im Sinn sondern eine geschwisterliche Familie, in der es nur Gott als den Vater geben darf, alle anderen aber untereinander Schwestern und Brüder sind (vgl. Mt 23:8ff.). Und das ist es tatsächlich, was die Urgemeinde dann auch herausgehoben hat aus dem sozialen jüdisch heidnischen Umfeld.

Möge darum diese Feier uns tiefer hineinführen in die Familie Gottes, versammelt um Jesus, versammelt im Heiligen Geist – hier auf Erden und einmal in Ewigkeit! Amen!

Keine Kommentare: