Montag, Juni 04, 2012

Fronleichnam

 
Aus dem hl. Evangelium nach Markus 14: 12 – 26

12Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
13Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm,
14bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann?
15Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor!
16Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
17Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf.
18Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die zusammen mit mir essen.
19Da wurden sie traurig, und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich?
20Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst.
21Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
22Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.
23Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus.
24Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
25Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.
26Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.







„Seid gewiss: ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28:20) Mit dieser Zusage Jesu endet das Evangelium nach Matthäus. Was müssen diese Worte den Jüngern wohl bedeutet haben!? Sie waren ein Vermächtnis Jesu; sie waren der Proviant für unterwegs. Sie wurden Mutquelle, aus der sie die Kraft schöpften, Jesu Auftrag zu erfüllen, „zu allen Völkern zu gehen und alle Menschen zu Jesu Jünger zu machen durch die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie zu lehren, alles zu befolgen, was Jesus ihnen geboten hat“ (Mt 28:19) Es ist diese immerwährende Gegenwart des Herrn, aus der heraus sie ihre Nachfolge Jesu gestaltet und seinen Auftrag verwirklicht haben. Aus der Gegenwart Jesu, des Herrn ist so im Verlauf der Geschichte durch das Wirken seiner Jünger die Kirche in ihrer geschichtlichen Gestalt geworden.

Heute nun bedenken wir eine bestimmte Form, an die Jesus seine Gegenwart inmitten seiner Kirche gebunden hat: die Form der Eucharistie in der Gestalt des Brotes und des Weines. In beiden bekennen wir Jesus gegenwärtig in seinem Leib und in seinem Blut. Wir tun dies aufgrund der Worte, die Jesus im heutigen Evangelium über Brot und Wein spricht. Wenn Jesus in den Lebensmitteln von Brot und Wein bei uns sein will, dann bedeutet dies, dass er im wahrsten Sinn des Wortes Mittel sein will, das uns Leben schenkt, Leben erhält, Leben ermöglicht.

Diese Wirklichkeit wird für uns dann brisant, wenn wir bedenken, dass Jesu Auftrag nicht nur seinen Jüngern damals gegolten hat sondern ebenso auch uns heute. Deswegen hat er seinen Jüngern ja auch nicht eine bestimmte Form vorgeschrieben, in der sie das Evangelium verkünden sollten. Diese Form müssen und werden seine Jünger zu allen Zeiten suchen und finden je nach den Umständen, unter denen sie leben und von Jesus Zeugnis ablegen durch ihr Denken, Reden und Tun. Die Zeichen der Zeit ändern sich und teilen je und je von neuem mit, was die Menschen brauchen, um glücklich zu sein.
Und dann ist es der gegenwärtige Jesus, der durch seinen Geist Freude und Hoffnung, Trauer und Angst besonders der Armen und Bedrängten zu unserer Freude und Hoffnung, zu unserer Trauer und Angst macht und uns so ausweist als seine Jünger.

Es ist aber nicht die seelsorgliche und mitmenschliche Effizienz allein, deretwegen Jesus uns seine Gegenwart schenkt. Die Sorge um unsere Mitmenschen im Sinne Jesu ist ein Frucht von etwas tieferem: von der Liebe! Jesu erster Beweggrund, uns immer nahe sein zu wollen, ist seine Liebe zu uns! Gleichgültig unter welchen Umständen, egal in welchen Befindlichkeiten – Jesus möchte uns jedenfalls nahe sein. Jesus brennt in dieser unbedingten Liebe zu uns. Und sie ist es auch zuerst, die uns anspricht, wie ein Mantel umhüllt und ergreift. Diese Liebe bewegt uns, wenn wir zur hl. Messe gehen und in den gewandelten Gestalten von Brot und Wein den Herrn verehren. Diese Liebe ist es, die uns auch außerhalb der hl. Messe bewegt, beim Herrn im Tabernakel vorbeizuschauen, ihn zu besuchen, bei ihm zu verweilen und uns von neuem seiner Gegenwart zu vergewissern. Wir müssen nur bedenken, dass es gar nicht selbstverständlich ist, dass andere und auch wir selber es immer gerne bei uns aushalten! Wie unbegreiflich großzügig ist es da, wenn es in Jesus einen gibt, der sagt, ich bin bei dir alle Tage... und der diese Zusage wahr macht in der schlichten Weise eines Stückes Brot und eines Schluckes Wein.

Aus dieser unergründlich tiefen und einfach bezeugten Liebe zwischen Jesus und uns wird dann die Liebe zu unseren Mitmenschen geboren und wir können einander lieben, wie der Herr uns liebt (vgl. Joh 15:12). Jesus begegnet uns in Brot und Wein, dass wir ihn zum Fressen und zum Trinken gern haben können. Zugleich werden wir gewandelt zu Speise und Trank für unsere Mitmenschen. Wie Jesus sich uns hingibt können wir uns für unsere Mitmenschen hingeben. Wir werden füreinander zum Lebensmittel!

Edith Stein sagt: „Aus der Eucharistie zu leben heißt in die Weite des Christuslebens hineinwachsen. Sich selbst vergessen, frei werden von allen eigenen Wünschen und Ansprüchen, ein Herz bekommen für alle fremden Nöte und Bedürfnisse – das kann man im vertrauten Umgang mit dem Herrn. Wir müssten hier unsere Heimat haben. Schaffen wir uns also in unserem Leben Raum für den eucharistischen Heiland, damit er unser Leben in sein Leben umformen kann.“ Amen!

Keine Kommentare: