Sonntag, Mai 20, 2012

Jesus betet für uns:


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 17:6a.11b – 19

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete:
6aVater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.
11bHeiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.
12Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.
13Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
14Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
15Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.
16Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
17Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.
18Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
19Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.



Jedem tut es gut, wenn ein Freund an ihn denkt. Und wissen wir von einer Person, dass sie betet, dann bitten wir sie, doch auch für uns zu beten und ein "Krallele für uns fallen zu lassen", wie es so schön heißt. Wir erwarten uns von diesem fürbittenden Gebet Segen und Schutz für unser Leben. Besonders in entscheidenden und schwierigen Situationen unseres Lebens sind wir froh um jedes Gebet für uns. Das gibt uns das Gefühl, nicht allein zu sein, begleitet, gestützt und getragen zu werden um so besser das meistern zu können, was uns bevorsteht.

Wir machen dann einen Schritt weiter und nehmen unsere Zuflucht bei der Fürbitte eines/r Heiligen, zu dem/r wir ein besonderes Vertrauen haben: etwa bei der Gottesmutter, beim hl. Josef, bei unserem Namenspatron.

Und dann lassen wir schließlich noch "eine hl. Messe lesen" und binden so unser Anliegen in die Feier von Tod und Auferstehung Jesu ein in der Hoffnung, dass uns aus diesem zentralen und heiligsten Geschehen in unserer Kirche gewiss der erwartete Segen zukomme.

All dieses Bemühen um Fürsprache und Beistand findet im Jesus des heutigen Evangeliums den Ursprung jeglicher Fürbitte bei Gott, denn wir hören Jesus heute beten – und zwar für uns. Wir können den heutigen Sonntag darum auch den Sonntag des Jesusgebetes nennen. Jesus betet für jene zum Vater im Himmel, die dieser Vater ihm aus der Welt gegeben hat. Und damit sind nicht nur seine Jünger gemeint sondern ausdrücklich auch jene, die durch ihr Wort an Jesus glauben - wir.

Die erste Bitte, die Jesus in diesem Gebet für uns an den Vater richtet, lautet: Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.

Wie kann man denn nur in einem Namen bewahrt werden, selbst wenn es der Name Gottes ist? Das sind doch nur Buchstaben, aus denen der Name besteht! Wie können die einen bewahren.
Offenbar ist hier mit NAME mehr gemeint als nur die Buchstaben, die diesen Namen bilden. Wir müssen uns für ein besseres Verständnis dieser Bitte ein wenig in die Denkweise der Orientalen versetzen. Die trennen nämlich nicht den Namen von der Person. Beides ist eins und bleibt beisammen. Und wird ein Name genannt, dann ist auch die Person anwesend, der dieser Name gehört. Darum haben diese Leute große Achtung vor dem Namen eines Menschen und sprechen ihn mit Ehrfurcht aus.
Namen sind auch immer eine Aussage über die benannte Person.
Wenn Jesus also vom Namen Gottes redet, dann meint er Gott selber und zwar so, wie er ihn den Menschen aller Zeiten gezeigt hat: als einen liebenden Gott, als einen heiligen Gott, als einen mächtigen Gott, als einen anwesenden Gott, als einen ewigen Gott, als einen guten Vater.
Im Namen des Vaters Jesu bewahrt zu sein bedeutet also in der Liebe, in der Heiligkeit, in der Macht, in der Gegenwart Gottes bewahrt zu sein.

Die zweite Bitte Jesu für uns an den Vater lautet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.
Jesus bittet so, obwohl er zuvor sagt, dass die Welt sie hasst und dass sie nicht von der Welt sind.
Wir würden wohl spontan sagen: Nichts wie weg aus so einer Welt!
Nicht so Jesus: Er bittet Gott nur, dass wir vor dem Bösen bewahrt werden nicht aber, dass wir der Welt den Rücken kehren.
Damit will Jesus uns zum einen sagen, dass nicht die Welt das Gefährliche ist sondern das Böse in der Welt. Die Welt leidet wie wir auch unter dem Bösen. Die Welt braucht so wie wir Erlösung und Befreiung aus der Macht des Bösen. Das Bewahren vor dem Bösen und das Bleiben in dieser Welt ermöglichen es, dass wir am Erlösungswirken Jesu teilnehmen dürfen und sollen. Das bedeutet dann in der Folge auch, dass wir Leid erfahren – so wie Jesus auch; aber dieses Leiden – und damit verbunden das Sterben – ist seit Jesus und durch Jesus zu einem Lebensweg geworden.
Diese Bitte Jesu bedeutet also auch keine Garantie für ein sorgenfreies, leidloses und bequemes Leben sondern sie ist für uns der Auftrag, die Welt mitzuerlösen mit Christus, indem wir das Evangelium Jesu von der Herrschaft Gottes weitersagen und weiterleben – und dass wir dies in Liebe tun.
Johannes hat diesen Auftrag sehr genau verstanden, wie seine Worte in der 2. Lesung es beweisen:
Liebe Schwestern und Brüder,
wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.
Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.

Als Drittes bittet Jesus den Vater für uns um folgendes: Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.

Bewahrt im Namen des Vaters, bewahrt vor dem Bösen ist der Weg frei für das Wort der Wahrheit, das Jesus uns verkündet. Es bleibt keine andere Wahl: Entweder das Böse oder das Gute; entweder der Böse oder der Gute – Gott. In diesem Sinn sagt Jesus einmal zu seinen Jüngern:
Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich;
wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
Es gibt zwischen Gott und dem Bösen keine dritte Wahl. Und wer glaubt, sich von beidem auf Distanz halten zu können in erhabener Gleichgültigkeit – der ist im Grunde bereits gegen Gott.
Mit dieser dritten Bitte weist Jesus uns ganz eindringlich hin auf die heiligende und heilende Wirkung des Wortes Gottes.
Gottes Wort – das Wort über allen Worten, das Wort in allen Worten, das Wort am Anfang und am Ende aller Worte.
Mögen wir dieses Wort Gottes doch mehr und mehr aus allem Geschriebenen herauslesen und aus allem Gesprochenen heraushören, damit Gelesenes und Gehörtes uns heilt und jene Freude schenkt, die die Heiligen auszeichnet.
Damit wir alle wieder Sucher dieses Wortes, Liebhaber dieses Wortes und Hörer dieses Wortes werden, wollen wir beten:

Allmächtiger Gott, du hast uns durch deinen Sohn das Wort der Wahrheit geschenkt. Hilf uns, dass wir uns durch dieses Wort heiligen und verwandeln lassen und es zu den Menschen tragen. Durch Christus, unseren Herrn. - Amen!

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