Sonntag, Mai 13, 2012

Du lieber Himmel!


 Aus dem hl. Evangelium nach Markus 16: 15 – 20

15Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
16Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
17Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.





Das Fest Christi Himmelfahrt ruft uns heute etwas Wichtiges in Erinnerung – nämlich den Himmel. Auch wir sollen wie die Jünger in der Lesung zum Himmel emporschauen. Der Blick zum Himmel muss eine wesentliche Blickrichtung für unser christliches Leben sein und bleiben. Es muss unser Leben geradezu kennzeichnen, dass wir mit beiden Beinen auf dieser Erde stehen und dennoch den Himmel immer im Blick behalten.

Es gehört gewiss zum Elend dieser Zeit, dass sie den Himmel nicht mehr hat, in den Jesus am heutigen Tag aufgenommen wird. Mit dem Glauben an Gott hat sie auch diesen Himmel verloren. Menschen ohne diesen Himmel haben es schwer: sie sind zerrissene Menschen! Denn unentwegt sind sie auf der Suche nach dem Himmel. Ihr Herz drängt gleichsam himmelwärts – ob sie das nun wollen oder nicht. Allerdings suchen sie diesen Himmel in vielem, was diesen Namen nicht verdient. Hinter jeder Abhängigkeit, in die die Leidenschaft des Herzens uns bringt steht letztlich der Wunsch und das Wissen unseres Herzens, dass unsere Heimat im Himmel ist: Aber was hat es noch mit Himmel zu tun, wenn Menschen der Telemanie, dem Nikotin, dem Alkohol, der Habsucht, der Arbeitssucht oder dem Rauschgift verfallen – um nur einige Abhängigkeiten zu nennen, denen wir verfallen können? Diese Menschen geraten doch auf ihrer Suche nach dem Himmel in die Hölle.

Christus will mit seiner Himmelfahrt dem Drang unseres Herzens nach dem Himmel den rechten Weg zeigen: den Weg dorthin, wo Jesus in der Herrlichkeit Gottes ist. Dorthin, wo unsere Suche nach dem Himmel nicht in einem tödlichen Katzenjammer endet – sondern wo Friede und Freude und Gemeinschaft in Liebe uns erfüllen. Das sind die Kennzeichen jenes Himmels, den Jesus uns heute durch seine Himmelfahrt zeigt.

Ein weiteres Kennzeichen dieses Himmels ist, dass es kein Himmel nur für mich allein ist. In diesem Himmel sind die Hauptwörter DU und WIR und UNS. In diese Hauptwörter ist das ICH eingefügt, aufgenommen, aufgefahren. Darum können wir sagen: Der Himmel, das sind auch die anderen. Darum heißt es auch im Evangelium: „Jesus wurde in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.“ (Mk 16:19) Jesus ist nicht allein im Himmel; er ist zusammen mit seinem Vater dort.

Dabei setzt er eine Gemeinschaft mit Gott seinem Vater fort, die auch zeit seines Lebens auf Erden voll aktuell war. Durch diese Gemeinschaft mit seinem Vater hat er den Himmel auf die Erde herabgeholt, wie etwa die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor uns zeigt oder die zahleichen Heilungen. Wir sehen also: der Himmel ist nicht nur etwas für den Himmel! Der Himmel ist auch etwas für die Erde. Der Himmel ist das Heilmittel der Erde. Im Himmel soll die ganze Erde, die gesamte Schöpfung ihre Vollendung finden und ihr Ziel erreichen.

Darum gibt Jesus seinen Jüngern vor seiner Himmelfahrt den Auftrag:
„Geht hinaus in die ganze Welt,
und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16:15)
Und in der ersten Lesung fragen die zwei weißgekleideten Männer die Jüngern beinahe vorwurfsvoll:
„Ihr Männer von Galiläa,
was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ (Apg 1:11a)
Im spanischen Text heißt es noch anschaulicher: Was schlagt ihr Wurzeln, indem ihr zum Himmel schaut?
Sie sollen sich mit anderen Worten auf den Weg machen und den Auftrag erfüllen, den Jesus ihnen gegeben hat. Der Blick zum Himmel darf nicht lähmen für unseren Auftrag hier auf Erden; er darf uns nicht zum Betäubungsmittel, zum Opium werden. Vielmehr muss er uns Beine machen, denn die Erde dürstet nach dem Himmel, die Menschen, ja die ganze Schöpfung haben Sehnsucht nach Gott und nach seiner Frohbotschaft, die er durch seinen Sohn an sie gerichtet hat. Nun sollen die Jünger Jesu diese Botschaft weitersagen und weiterleben.

In diesem Sinne schreibt Paulus an seine Gemeinde:
„Schwestern und Brüder! Ich ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging: Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.“ (Eph 4:1-3)

Die Himmelfahrt Jesu bedeutet seine endgültige Heimkehr zum Vater; sie zeigt auch uns, wo unsere wahre Heimat ist und sie artikuliert den Schrei der gesamten Schöpfung nach dem Himmel; Jesus will, dass wir diesen Schrei hören und dass wir Antwort geben darauf, indem wir dem Auftrag Jesu gemäß sein Evangelium verkünden.

Wir beten: Gott und Vater, in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du die Gesamte Schöpfung zu dir erhöht. Erfülle uns mit Freude darüber, dass Christus unseren Lebensweg begleitet, bis sich auch unser Leben vollendet in der Gemeinschaft mit dir. Durch Christus unseren Herrn! Amen!

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