Dienstag, Mai 29, 2012

Dreifaltigkeit

 
Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 28: 16 – 20

In jener Zeit
16gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
17Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.
18Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.
19Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
20und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.





Ein lieber Mitbruder von mir im geistlichen Amt, jetzt bereits in Pension, hat sich einmal auf die Predigt zu Dreifaltigkeit vorbereitet. Er ist dabei von einem Erlebnis des hl. Augustinus ausgegangen, das dieser bei einem Spaziergang am Strand des Meeres machte:

Augustinus ging den Strand entlang – versunken in Gedanken über die Unbegreiflichkeit Gottes wie sie gerade auch im Geheimnis der Dreifaltigkeit zum Vorschein kommt. Da sieht er auf einmal ein Kind am Wasser sitzen. Das Kind hat ein Loch in den Ufersand gegraben und schöpfte nun eifrig mit seinen kleinen Händen Meerwasser in dieses Loch.
"Was machst du da," fragt Augustinus das Kind.
"Ich will das Meer ausschöpfen", antwortete es.
"Das ist unmöglich", erwiderte Augustinus. "Das schaffst du nie! Das Loch ist viel zu klein und das Meer viel zu groß"
Da antwortete ihm das Kind: "Genauso wenig kannst du das Geheimnis des dreifaltigen Gottes ergründen. Es ist viel zu groß und dein Verstand ist viel zu klein!"

Nachdem er diese Geschichte gelesen habe – so fuhr mein Mitbruder in der Predigt fort – sei er spazieren gegangen um sich dabei seine Gedanken zu machen für die Predigt. Wie er dann aber einige Zeit ohne zufrie­denstellendes Ergebnis nachgedacht und herumgekopft habe, sei ihm der Faden gerissen und er habe zu sich selbst gesagt: Andreas - so heißt dieser Mitbruder – Andreas, lass den Blödsinn! Und damit hat er die Predigt beendet.

Wenn dieses Fest bloß ein Fest des Kopfes, des Verstandes und somit ein Fest angestrengten Nachdenkens wäre – so wie es diese beiden Geschichten nahelegen, dann würde auch ich jetzt Kurzschluss machen.

Es sprechen aber die Worte der Lesung und des Evangeliums eine andere Sprache. Sie sprechen die Sprache eines Gottes, der nicht nur ein Gott der Philosophen, ein Gott der Denker ist – sondern der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, wie es Blaise Pascal einmal das Wesen Gottes nach einer persönlichen Gottesbegegnung auf den Punkt gebracht hat.

Beim dreifaltigen Gott haben wir es mit einem persönlichen Gott zu tun – nicht mit einer abstrakten, unpersönlichen Idee. Wir haben es zu tun mit einem Gott der Gemeinschaft. Dieser Gott will uns nicht die Köpfe rauchen lassen – er will unsere Herzen brennen machen und unsere Gemeinschaft mit ihm und miteinander in der Liebe festigen.

Darum ist gerade am heutigen Sonntag in der ersten Lesung von einem Gott die Rede, „der zu einer Nation kommt, um sie mitten aus einer anderen herauszuholen unter Prüfungen, unter Zeichen, Wundern und Krieg, mit starker Hand und hocherhobenem Arm und unter großen Schrecken.“ (Dtn 4:34)

Damit ist die Befreiung Israels und seine Herausführung aus Ägypten gemeint.
Da steht ein Gott der Nähe vor uns nicht ein Gott der Ferne;
ein Gott, der sich in unser Leben einmischt und kein unbeteiligter Beobachter;
ein Gott, der uns führen will aus Gefangenschaft in die Freiheit: aus der Isolation in die Gemeinschaft; aus dem Egoismus in das Leben mit- und füreinander; aus dem Stress in die Zufriedenheit; aus dem Hass zur Versöhnung; aus dem Krieg zu Frieden.

Ja, wir feiern heute ein Fest der Gemeinschaft: Der Gemeinschaft, die Gott bildet und wo der Vater mit dem Sohn im Geist der Liebe verbunden ist. Vor allem aber auch das Fest der Gemeinschaft, zu der Gott uns Menschen einlädt und zu der Gott uns auch befähigt.

Wie ernst es Gott mit dieser Gemeinschaft meint wird in der zweiten Lesung klar: Dort spricht Paulus vom „Geist, der uns zu Töchtern und Söhnen macht, von dem Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! Dieser Geist macht uns zu Kindern Gottes. Sind wir aber Kinder dann auch Erben.“ (Röm 8:15b-17a)

Das heutige Fest ist ein Fest der Gemeinschaft Gottes, einer Gemeinschaft, die ganz offen ist für uns Menschen – und zwar für alle Menschen ohne Ausnahme und ohne Einschränkung. Darum sind auch alle Menschen zur Teilnahme an dieser Gemeinschaft mit Gott eingeladen, wenn Jesus seine Jünger im heutigen Evangelium beauftragt: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern;
tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“(Mt 28:19)
Wir alle sind durch die Taufe gleichsam wie durch eine Türe in diese Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott eingetreten; darum wollen wir beten:

Dreifaltiger Gott, du lässt uns teilhaben an deinem Leben und an deiner Gemeinschaft. Mach uns sehend für deine Liebe und für dein Wirken in unserer Zeit, der du lebst und herrschest in Ewigkeit! - Amen

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