Sonntag, April 29, 2012

Lieben wie Jesus!


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 15: 9 – 17

9Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!
10Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
11Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.
12Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.
13Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
14Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
15Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
16Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
17Dies trage ich euch auf: Liebt einander!






Heute gibt Jesus uns im Evangelium sein Gebot:
„Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!“ (Joh 15:12)
Wie hat Jesus uns geliebt?
Indem er sein Leben für uns hingibt;
indem er uns Freunde und nicht mehr Knechte nennt;
indem er uns alles mitteilt, was er von seinem Vater gehört hat und uns so teilhaben lässt am unergründlichen Geheimnis seines Herzens.
Jesus liebt uns grenzüberschreitend, ja, grenzenlos.
Ob wir mit diesem Lieben und mit diesem Gebot nicht überfordert sind?
Ob die Jünger Jesu dieses Gebot verstanden und gelebt haben?

Die erste Lesung gibt Antwort auf diese Frage.

Petrus geht in Cäsarea zu einem römischen Hauptmann, namens Kornelius. Die Römer waren Besatzungsmacht im Palästina von damals. Sie wurden von den Juden gehasst, weil sie das Volk grausam unterdrückten. Zu so einem Menschen also geht Petrus.

Aber das scheint kein so ein Mensch zu sein! Kornelius geht vielmehr dem Petrus entgegen und warf sich ehrfürchtig vor ihm zu Boden. Das hätte man sich von einem Römer und schon gar von einem Hauptmann nun allerdings zuletzt erwartet: dass er sich vor einem Juden zu Boden wirft. Aber offenbar gibt es solche Römer und solche Römer und sind nicht alle Römer gleich.

Für Petrus jedenfalls war das Verhalten dieses Römers ein beeindruckendes Zeichen, ein Zeichen der Umkehr, ein Zeichen für das Wirken Gottes. Und Petrus deutet dieses Zeichen, wenn er spricht:
„Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
dass Gott nicht auf die Person sieht,
sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ (Apg 10:34f.)

Petrus erkennt, dass die Liebe Gottes nicht auf das jüdische Volk beschränkt bleibt; dass diese Liebe Gottes die Grenze seines Volkes überschreitet und auch die Römer ergreift. Die Liebe Gottes zu uns Menschen kennt keine Grenze; sie ist grenzenlos.

Petrus nun geht dieser Liebe Gottes über die Grenzen hinweg nach: „Kann denn jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben“, so fragt er und ordnet dann an, diese Römer im Namen Jesu Christi zu taufen. (Apg 10:47)

Da ist also einmal die Grenzenlosigkeit, die Gott uns im Lieben vorgibt. Sie will uns helfen, die Grenzen zu überwinden, die wir in unserem Lieben setzen, indem wir die Liebe verweigern, die wir einander schulden; indem wir schlecht voneinander reden und das Gute dabei übersehen; indem wir außer Acht lassen, dass Gott auch unsere Gegner und unsere Feinde liebt.

Nicht nur im Umgang mit Fremden, Flüchtlingen und Asylsuchenden ist das Streben nach dieser grenzenlosen Liebe Gottes von uns gefragt. Auch in unseren partnerschaftlichen Beziehungen, in unseren Familien, in unseren Gemeinden haben wir bereits unsere Grenzen gezogen etwa dadurch, dass wir bestimmte Themen tabuisieren; oder dadurch, dass wir nicht mehr aufrichtig miteinander reden oder dadurch, dass wir nicht mehr bereit sind wirklich aufeinander zu hören. Alle diese Grenzen machen uns zu Einsamen nebeneinander. Sie lassen uns immer wieder schmerzlich erfahren, dass wir noch unterwegs sind zu jener Liebe, mit der Jesus uns liebt.

Diese schmerzliche Erfahrung ist aber auch ein großes Glück für uns. Denn sie möchte uns zu jener grenzüberschreitenden Liebe Jesu führen, die für uns je und je größere Freiheit und größere Freude bedeutet. Das meint Jesus, wenn er seine Freude in uns und somit unsere Freude vollkommen haben will. Das Gebot des Herrn, einander zu lieben, wie er uns liebt, wird so zu einer Leiter aus dem Loch unseres eigensüchtigen Liebens heraus.

Es mag nun einer einwenden, dass wir die Latte, die Jesus uns durch sein Lieben gelegt hat, nie erreichen werden und dass wir auf diesem Weg einen Dauerfrust zu erwarten haben.

Daran stimmt, dass wir Jesus immer als unser Vorbild haben werden, das wir in dem Sinn nicht einholen können. Doch vergisst dieser Einwand, dass es etwas Schönes und Positives ist, wachsen zu dürfen und dass es etwas Beglückendes ist, so ein Vorbild zu haben wie Jesus und sich immer vor Augen halten zu dürfen, wie gern Jesus uns doch hat.

Fast möchte ich sagen: Wie gut ist es, dass wir im Lieben noch nicht vollendet sind, denn so haben wir immer wieder Anlass, uns an der Liebe Jesu uns Menschen gegenüber aufzurichten und auszurichten.

Darum ist es für unseren Weg des Liebens ganz wichtig, ja unerlässlich, dass wir die Liebe Jesu zu uns ganz ernst nehmen und uns immer wieder vor Augen halten, wie gern Jesus uns hat und was er alles für uns getan hat und auch heute, hier und jetzt für uns tut. Dieses Erwägen und Bedenken ist Gebet.

Je lebendiger auf diesem Wege das Lieben Jesu zu uns wird um so lebendiger kann auch unser Lieben zueinander werden.

Wir wollen beten: Gott, du hast uns die Freundschaft deines Sohnes geschenkt. Gieße deinen Geist über uns aus, damit wir einander lieben, wie du uns liebst. Durch Christus, unseren Herrn! - Amen!

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