Donnerstag, April 05, 2012

Eucharistie und Fußwaschung




Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther 11: 23 - 26

Brüder!
23Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,
24sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
25Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
26Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.



Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 13: 1 – 15

1Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
2Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.
3Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
4stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
6Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
7Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
9Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
11Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
13Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.


I

Wir betreten in dieser Stunde die Heiligen drei Tage von Leiden Sterben und Auferstehen Jesu durch die zwei Säulen der Abendmahlfeier mit Jesus, die wir eben begehen: die Eucharistie ist die eine, die Fußwaschung die andere Säule.

In der Eucharistie setzt Jesus sich gegenwärtig in den Gestalten von Brot und Wein.

In der Fußwaschung erweist sich Jesus als Diener an seinen Jüngern.

Beides sollen die Jünger weiterführen: Dadurch erinnern sie an ihn und setzen ihn zugleich gegenwärtig in seiner ganzen gottmenschlichen Fülle. Es ist sein Auftrag, den sie so erfüllen. Dieser Auftrag ist ein Ruf, eine Berufung. Dieser Auftrag stärkt sie unablässig zu diesem Tun.

Dieser Auftrag ist für seine Jünger deshalb eine bezwingende Kraft, weil Jesus durch sein Sterben am Kreuz beide Zeichenhandlungen vollkommen verwirklicht: Am Kreuz gibt er sein Fleisch und Blut für uns hin; so erniedrigt er sich für uns bis in den Tod am Kreuz. Diese äußerste Erniedrigung wird in der Fußwaschung angedeutet und die Hingabe seines Leibes und seines Blutes ist das Leben der Eucharistie. Die Kraft zu solchem Handeln ist die Kraft der Liebe; und diese Kraft bewegt auch uns zu dienender Hingabe. Wenn Gott uns so sehr geliebt hat müssen auch wie einander lieben!

Bei der Einsetzung der Eucharistie sagt Jesus: Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Bei der Fußwaschung sagt er: Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt wie ich an euch gehandelt habe.

Beide Aufträge Jesu hängen zusammen: In der Einsetzung handelt es sich um ein Gedenken, das die Liturgie betrifft; bei der Fußwaschung geht es um ein Handeln – um etwas, das mit dem Leben zu tun hat.

Dass beides zusammen beim Letzten Abendmahl sich ereignet lädt uns ein, vom Gedenken zur Nachahmung überzugehen, von der eucharistischen Kontemplation zur eucharistischen Praxis. In der eucharistischen Praxis erweist sich die Echtheit eucharistischer Anbetung.
Johannes lädt uns ein, von der Liturgie zum Leben und vom Gedenken zur Nachahmung der Eucharistie überzugehen.
(vgl. dazu: R. Cantalamessa, Die Eucharistie, Seite 112ff.)

Genau das hat Jesus auch getan: Für uns am Kreuz sterbend hat er die beiden Zeichenhandlungen der Einsetzung und der Fußwaschung verwirklicht und für immer mit seinem Leben erfüllt

Wenn wir nun also durch diese beiden Säulen eintreten in Jesu Leiden und Sterben wollen wir uns fragen: tun wir es auch in der Bereitschaft, diese beiden Zeichen mit unserem Leben zu erfüllen; unser Leben zu seiner Lebensfülle dazuzugeben, indem wir uns mit Jesus brechen und verzehren lassen im Dienst aneinander?

Wer diesen Jesusdienst der Hingabe nicht annehmen kann wie anfangs Petrus, der hat keinen Anteil am Herrn; das heißt: er ist nicht in der Lage, in dienender Hingabe dem Herrn nachzufolgen.

Beten wir mit Huub Osterhuis: „Du (Gott) hast dein Wort ausgesät, deinen Sohn hingegeben, gebrochen und gestorben für uns ist er Brot und Leben für die Welt geworden. Wir bitten dich, lass´ uns die Kraft finden, seinen Weg zu gehen, dass wir füreinander fruchtbar seien wie die Saat und nahrhaft wie Brot.“ Amen!

II


Im eben gehörten Evangelium ist die Stunde angebrochen, in der Jesus aus dieser Welt zum Vater hinübergeht. Dieser Hinübergang Jesu verleiht allem, was in dieser Stunde geschieht, besonderes Gewicht. Was Jesus in dieser Stunde sagt und tut hat das besondere Gewicht eines Testamentes; dieses Testament wird zum Auftrag dadurch, dass Jesus am Ende des Evangeliums seinen Jüngern sagt:
Ich habe euch ein Beispiel gegeben,
damit auch ihr so handelt,
wie ich an euch gehandelt habe!

Damit wir sein Testament verstehen und seinen Auftrag in unser Leben umsetzen können, müssen wir uns sein Verhalten näher anschauen.

Bevor Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht, legt er sein Gewand ab und bindet sich ein Leinentuch um. Jesus tut dies, damit er diesen Dienst ungehindert und ganz machen kann; das Leinentuch dient nämlich zum Abtrocknen der Füße.

Auch unser Dienen ist nicht selten sehr behindert und oftmals nur ein unvollständiges Dienen. Was also sollten wir ablegen, damit wir ungehindert dienen können? Sind es Vorurteile? Sind es Fehlhaltungen? Was müssten wir ablegen an Kurzsichtigkeit, an Unbeweglichkeit, an Angst, an Stolz, an Ichbezogenheit – um ungehindert dienen zu können?
Wo ist unser Dienst in der Ehe, in der Familie, in der Gemeinde, in der Kirche – wo ist er behindert?

Und was sollten wir uns andererseits umbinden, um unseren Dienst ganz machen zu können? Fehlt uns etwa das Leinentuch der Herzlichkeit, oder der Geduld, oder der inneren Freiheit, oder der Hilfsbereitschaft oder der Rücksichtnahme? Fehlt uns etwa das Leinentuch der Demut, des Dienmutes also, des Mutes zum Dienen?
Wenn wir das so hören, dass Jesus sich das Gewand auszog und sich mit einem Leinentuch bekleidet – dann sollte uns dies an Jesus auf Golgota erinnern: Dort steht Jesus auch ohne Kleider da und auch nur ein Leinentuch um seine Hüften (zwar steht das nicht ausdrücklich im Passionsbericht; doch wird Jesus meistens so dargestellt); und so hängt und stirbt er dann auch am Kreuz. Zwischen beiden Bildern – Heut im Abendmahlsaal und dann am Kreuz – sind unverkennbare und bewusst gesetzte Parallelen.
Weiters sollte wir bedenken, dass Jesus in der Fußwaschung Sklavenarbeit verrichtet, eine verachtete Arbeit, eine Arbeit, die sonst keiner tun mag.

Warum hat Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen?
Weil er die Seinen, die in der Welt waren, liebte,
und er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung erweisen wollte.

Jesus hatte bei seinem Dienst seine Jünger im Auge weil auch im Herzen. Jesus hatte dabei seine Jünger ungeteilt im Auge weil auch ungeteilt im Herzen. Der Dienst den Jesus seinen Jüngern in der Fußwaschung erweist, ist ein Dienst ungeteilter Liebe zu seinen Jüngern. Da ist kein Hintergedanke, dabei für sich selber etwas herauszuholen.
Ob auch hinter unserem Dienen jene Liebe steht, die wir bis zur Vollendung erweisen wollen? Das Beispiel Jesu fragt nach der Bedingungslosigkeit unserer Liebe und es stellt zugleich diese Bedingungslosigkeit unseres Liebens in Frage. Und jeder muss sich selber wohl eingestehen, dass Jesus dies zu Recht tut. Denn wie oft geschieht es, dass wir an unser Dienen und Helfen Bedingungen anknüpfen: Ich tue dies und jenes nur dann, wenn ...

Je mehr nun ein solches Dienen durch unser Christsein motiviert ist und je näher es uns so dem Herrn bringt, wie das im kirchlichen Dienst der Fall ist, um so peinlicher werden die Bedingungen, die wir an unser Dienen knüpfen;
Denn wie kann ich dem Herrn unter Bedingungen dienen, der mich bedingungslos liebt und sich für mich bedingungslos hingibt;
Ich kann doch nicht vor dem Herrn stehen und ihm in einer ausgesprochen armseligen Krämerhaltung dienen – vor demselben Herrn, der mir seine Liebe bis zur Vollendung erweist; das heißt auf gut Deutsch: der mich liebt und der mir dient ohne wenn und aber? Das passt doch nicht zusammen!

Mir ist es immer sehr peinlich, bei mir selber diese Haltung wieder und wieder vorzufinden und noch peinlicher ist es mir, andere auf diese schwerwiegende Ungereimtheit in ihrem christlichen Leben hinzuweisen. Diese Krämerhaltung ist etwas schier Unausrottbares;
umso wohltuender ist das Beispiel Jesu im heutigen Evangelium;
umso wichtiger ist sein Auftrag: Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.

Doch wie ist es Jesus möglich, die Seinen zu lieben bis zu Vollendung? Die Seinen bedingungslos zu lieben?
Weil Jesus wusste, dass der Vater ihm alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte!

Aus diesen Worten wird der Grund klar, auf dem Jesus steht: es ist der Vater! Es ist sein Vater! Dieser Vater ist sein Ursprung! Dieser Vater ist sein Ziel! Und dieser Vater ist Gott! So von Gott getragen, gehalten und geführt ist Jesus frei zum Lieben und zum Dienen an den Menschen; und diese Freiheit bedeutet Bedingungslosigkeit; denn von niemandem abhängig außer von seinem Vater braucht Jesus auch niemanden von den Menschen zu fürchten; die Bindung an seinen Vater macht ihn frei den Menschen gegenüber.

Es ist zweifellos unsere Vaterlosigkeit und unsere Gottlosigkeit, die uns in Angst und versklavender Abhängigkeit aneinander bindet und die uns jene Freiheit voneinander raubt, die allein eine Bindung aneinander aus Liebe ermöglicht.

Wir wollen beten: Vater im Himmel, lass uns als deine Kinder in dieser Welt leben, damit wir einander bedingungslos in Liebe dienen können und so das Beispiel nachahmen können, das dein Sohn uns im heutigen Evangelium aufgetragen hat, ER, der mit dir lebt in Ewigkeit! - Amen!

 

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