Samstag, März 17, 2012

So sehr geliebt


 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 3: 14 – 21

In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus:
14Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,
15damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
16Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
17Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
19Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
20Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
21Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.






Gut, dass es die Pfarre gibt! Unter diesem Leitwort standen in unserer Kirche in Österreich die letzten Monate der Vorbereitung auf die heutige Wahl der Pfarrgemeinderäte! Wir sind zwar keine Pfarre – deshalb findet bei uns diese Wahl auch nicht statt. Dennoch wohnt jeder von uns in einer Pfarrgemeinde und ist verschieden in sie eingebunden. Die Güte dieser Pfarrgemeinschaft besteht darin, dass sie die Gemeinschaft der Kirche widerspiegelt. Unsere Pfarrgemeinde ist ein bestimmtes Antlitz unserer Kirche. Dieses Antlitz ist gezeichnet von Lachfalten und von Kummerfurchen: Freude und Leid sind darin wieder zu erkennen. In unserer Pfarrgemeinde gibt uns die Kirche das Leben weiter, das ihr von Gott gegeben wird: In der Verkündigung des Wortes Gottes, in der Feier der Sakramente, da insbesondere der Eucharistie und im Liebesdienst aneinander ereignet sich diese Lebensweitergabe. So wird uns die heutige Rätewahl in unseren Pfarrgemeinden jedenfalls betreffen und uns prägen.

Ich erwähnte eben, dass die Kirche in unserer Pfarrgemeinde das Leben vermittelt, das sie eben dazu von Gott bekommt. So können wir auch sagen: Gut, dass ER die Pfarre gibt. Die Pfarre und in ihr die Kirche erscheint wesentlicher besehen als eine Gabe Gottes. Eine Gabe zu unserem Heil und durch uns zum Heil der Welt. In den Pfarrgemeinderäten, die heute gewählt werden gibt Gott unsere Pfarre von neuem zum Heil der Welt. Er stellt die Pfarre von neuem auf zum Dienst in der Welt und an der Welt. Es ist darum äußerst bedeutsam, dass jeder Pfarrgemeinderat sich selber als solch eine Gabe Gottes sieht. Diese Gabe kommt aus dem Innersten Gottes, aus seinem liebenden Herzen. Er gibt diese Gabe, weil Gott die Welt so sehr liebt und sie retten will.

Und hier sind wir nun an einem ganzen wesentlichen Punkt angelangt: Denn wir haben eben im Evangelium von einer weiteren Gabe Gottes gehört: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab!“ (Joh 3:16a) Wir hörten von der Gabe Gottes in seinem einzigen Sohn – eine Herzensgabe aus Liebe!
In zweifacher Weise hat Gott seinen einzigen Sohn hergegeben: Es ist eine Gabe in die Menschen – in der Menschwerdung hat Gott seinen Sohn hineingegeben in die leidensfähige und sterbliche menschliche Natur. Und zugleich ist es eine Gabe an die Menschen – im Leiden und Sterben hat Gott seinen Sohn an die brutale Lieblosigkeit der Menschen ausgeliefert. So wird der Sohn zur Gabe für die Menschen – eine Gabe zu ihrer Rettung.

Wesentliche Ähnlichkeiten sind unverkennbar: Gabe Gottes sein, aus der Liebe Gottes geschenkt, hineingegeben in die Welt, gegeben zum Segen. Diese Ähnlichkeit lässt eine besondere Verbundenheit der Kirche mit Jesus erkennen. Sich dieser Verbundenheit bewusst zu sein, erschließt Jesus als unerschöpfliche Kraftquelle, die für die Kirche, für die Pfarre und für die gewählten Räte unerlässlich ist. Ich erinnere an das Bild vom Weinstock und den Rebzweigen. Jesus betont in diesem Gleichnis, dass die Rebzweige für ein fruchtbares Leben die Verbundenheit mit dem Weinstock benötigen. Ansonsten verdorren sie und bleiben unfruchtbar. Jesus ist dabei der Weinstock und seine Jünger sind die Rebzweige.

Das Evangelium nennt auch die Quelle dieser Gabe des Sohnes: Gott hat die Welt so sehr geliebt! Dieses „so sehr“ meint, dass die Liebe Gottes nicht größer sein kann. Es steht gegen die vielen „so sehr“, die unsere Welt zeichnen: So sehr im Krieg sind Menschen an vielen Orten unserer Erde; so sehr der Korruption verfallen sind die Mächtigen und Reichen; so sehr in ihrem goldenen Käfig eingesperrt sind die Wohlhabenden; so sehr Hunger leiden über eine Milliarde Menschen; so sehr von Drogen abhängig sind weltweit besonders junge Menschen; so sehr einsam sind Menschen in unserer Wohlstandsgesellschaft. Allen diesen „so sehr“ stellt Gott gegenüber, dass er die Welt so sehr liebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab.

Wenn die gewählten Räte und jeder, der in der Kirche dient, oft genug ihre eigene Not und die der Welt erleben werden, dann dürfen sie bedenken, dass dieses „So sehr Liebe“ Gottes in ihnen am Werk ist, da sie ja selber ein Werk eben dieser Liebe Gottes sind.

„Die Weise unserer Liebe ist dadurch bestimmt, dass wir selber sie von Gott empfangen und entsprechend an die Brüder weiterzugeben haben. Gott hat für jeden Menschen, der am Kreuz von seinen Sünden und aus unabsehbarer Gottferne erlöst worden ist, sich ganz in den Tod gegeben, also steht hinter jedem Menschen diese Wirklichkeit. Jeder ist, was er ist, ein Geliebter des ewigen Gottes, trotz allem, was er mir zu sein scheint. Im Glauben sehe ich hinter jedem die Liebe des Menschensohnes, und vielleicht desto mehr, je mehr dieser für ihn zu tragen hatte.“ (H. Urs von Balthasar)

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