Donnerstag, Februar 23, 2012

Der Rauswurf



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1: 12 – 15


In jener Zeit
12trieb der Geist Jesus in die Wüste.
13Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.
14Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes
15und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!




Eben hörten wir im Evangelium von einem Rauswurf! Der Geist trieb Jesus in die Wüste; das können wir genauso gut übersetzen: Der Geist warf Jesus in die Wüste hinaus. Es ist derselbe Geist, der eben in der Taufe auf ihn herabgekommen ist. In der Wüste ist Jesus in einer ganz anderen Welt wie bisher: Nicht mehr die Familie und die Freunde um sich sondern Einsamkeit; nicht mehr ein behütetes, bürgerliches Leben sondern bedroht von den wilden Tieren der Wüste; nicht mehr hinreichendes Essen und Trinken sondern Kargheit an Speise und Trank.

Das einzig verbindende zum Leben bisher ist der Geist, der bei der Taufe eben vorhin auf ihn herabgekommen ist.

In diesem Geist wird er nun hineingeworfen in eine Auseinandersetzung mit dem Satan, dem Widersacher, Gottes. Jesus, in der Taufe eben vorhin geoffenbart als der geliebte Sohn Gottes tritt nun im Satan dem Feind Gottes gegenüber. Diese Auseinandersetzung ist für Jesus eine Zeit der Erprobung, in der sich erweist, wie er sich als Sohn Gottes bewährt. Wird er in der Versuchung bestehen können?

Dramatisch gesehen entfaltet sich vor unseren Augen eine Auseinandersetzung um Jesus: die Mächte von oben, vertreten durch den hl. Geist und die Engel, die ihm dienen streiten mit den Mächten von unten im Satan und den wilden Tieren um Jesus. Wie wird dieser Kampf ausgehen? Wer wird siegen? Die Sandwichdarstellung des Markus gibt bereits eine hoffnungsvolle Vorahnung: Da ist zuerst der hl. Geist, dann der Teufel und die wilden Tiere und schließlich die dienenden Egel: Das Unheil, das Jesus in der Wüste versucht und bedroht, ist umfangen vom Hl. Geist und den Engeln, den guten und besten Mächten des Himmels.

Und diese Hoffnung erfüllt sich dann tatsächlich in dem, was wir weiters von Jesus hören: „Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1:14f.)

Da kommt ein anderer Jesus aus der Wüste zurück: Ein mutiger Jesus, der eben dorthin zurückkehrt, wo Johannes der Täufer gefangen genommen wurde. Er fürchtet sich nicht vor Herodes und nimmt die Fackel auf, die der Hand seines Vorläufers entglitten ist.

Ein Jesus mit einer Botschaft: Er, der wortlos die Taufe und den anschließenden Rauswurf in die Wüste über sich ergehen hat lassen hat nun den Leuten etwas zu sagen: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1:15) Die Frohbotschaft von Gottes Nähe und die Einladung, umzukehren und daran zu glauben!

Wir verstehen es ganz richtig, wenn wir diese Fastenzeit als Wüste sehen, in die auch wir hineingeworfen sind. Allerdings müssen wir unsere Umgebung erst zur Wüste gestalten, indem wir verschiedenes aus unserem Leben hinauswerfen: Lärm, der Stille verhindert; Überflüssiges, das der Einfachheit widerspricht; Angst, die die Herausforderung scheut.

Bei unserem Wüstenweg durch dies Tage dürfen auch wir vertrauen, dass der hl. Geist uns begleitet und die Engel uns behüten, so dass der Versucher und die wilden Tiere auf diesem Weg uns nicht schaden können.

Und es wird auch uns geschehen, dass wir durch die Auseinadersetzungen und Kämpfe auf diesem Wüstenweg in unserer Gotteskindschaft wieder erstarken und unser ganzes Leben in Gedanken, Wort und Tat verkündet, dass Gott uns in Jesus Christus ganz nahe gekommen ist.

Nehmen wir für unsere Wüstenzeit ein Wort von Henry Nouwen mit: „Um das Herz gezielt auf etwas auszurichten, bedarf es nicht nur eines ehrlichen Wollens, sondern auch einer festen Entschlossenheit. Disziplin gehört wesentlich zur Jüngerschaft. Die Übung geistlicher Disziplin schärft unser Wahrnehmungsvermögen für die leise, sanfte Stimme Gottes.
Jesus hörte ständig auf den Vater, achtete ständig aufmerksam auf seine Stimme, war ständig bereit, seinen Weisungen zu folgen. Jesus war „ganz Ohr“. Darin besteht das Eigentliche des Gebets: ganz Ohr für Gott zu sein. Den innersten Kern allen Betens stellt dieses Hören dar, dieses gehorsame Stehen in der Gegenwart Gottes." Amen!

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