Dienstag, Januar 03, 2012

Ein Stern für den Herrn

 
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 2: 1 – 12



1Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

2und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

3Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.

4Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.

5Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:

6Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

7Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.

8Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.

9Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

10Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.

11Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

12Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.






I

Das Evangelium, das wir eben gehört haben, lässt uns erleben, wie sich das Herz Gottes weitet. Bisher vernahmen die Botschaft vom Heiland im Stall von Bethlehem nur Juden: Maria und Josef und die Hirten. Heute jedoch lässt Gott diese Botschaft auch Menschen ausrichten, die keine Juden sind und also nicht zum erwählten Volk Gottes gehören. Heute weitet Gott seine Erwählung auf alle Menschen aus.

Dabei geht Gott sehr weise ans Werk, denn zu den Sterndeutern schickt er keine Engel mit der Botschaft vom neugeborenen König der Juden. Ihnen schickt er diese Botschaft mit einem Medium, das genau in ihren Beruf passt: mit einem Stern! So können auch sie diese Botschaft hören und sich von ihr bewegen lassen. Gott richtet seine Botschaft so aus, dass sie verstanden werden kann. Freilich ist die Bereitschaft vorausgesetzt, dass die Botschaft, die ergeht, auch gelesen und aufgenommen wird. Hier klingt sehr fein und deutlich an, dass Gott Mensch geworden ist, damit er für uns Menschen so weit wie möglich fassbar und angreifbar wird. Gott kommt uns in einer Weise nahe, dass wir uns ihm öffnen und aufnehmen können; und aufgenommen kann er in uns das Werk der Erlösung und Befreiung, der Erleuchtung und der Erneuerung tun.

Auch Herodes und die Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes haben diese Botschaft gelesen – und sind erschrocken! Hätten sie mit gleichem freudigem Interesse in ihren Schriften geforscht wie die Sterndeuter am Himmel – auch sie wären für diese Botschaft empfänglich gewesen und hätten sich mit Freuden den Sterndeutern angeschlossen. Herodes jedoch erschrak und ganz Jerusalem mit ihm, als sie vom neu geborenen König der Juden hörten. Sie hatten Angst, dass ihnen etwas genommen wird durch dieses Königskind. Das verschloss sie für die Freude, die das Kind ihnen schenken wollte.

Mit dieser Freude verbunden ist die Freiheit, mit der etwa die Sterndeuter im Osten aufgebrochen sind und mit der sie unbekümmert nach dem Kind gefragt haben, mit der sie weitergezogen sind bis hin zum Kind und seiner Mutter, denen sie schließlich ihre Gaben brachten. Von diese Freude und dieser Freiheit können wir etwas bei den Sternsingern erleben, die in diesen Tagen unterwegs sind und uns zu Hause besuchen. Sie lassen in der Regel niemand aus, sie gehen zu groß und klein, zu arm und reich und bezeugen so die Botschaft des heutigen Evangeliums: im neugeborenen König der Juden ist Gott Mensch geworden für jeden Menschen hier auf Erden. Aus dieser Botschaft heraus kommt der Erlös der Sternsinger einem bestimmten Projekt in der Mission zugute.

So birgt das heutige Evangelium eine mehrfache Botschaft für mich: Die Bedeutsamste ist die, dass auch mir das Kind in Bethlehem geboren ist als König, das heißt als bestimmende und prägende Kraft – sei es zum Trost, zur Befreiung, zur Erneuerung, zur Erleuchtung, zur Richtungsweisung... vor allem zur Freude und zum tiefen Frieden.

Eine weiter Botschaft ist die Einladung zur Wachsamkeit und Aufmerksamkeit in meinem Lebensumfeld; denn es ist gewiss, dass ER mir dort begegnen wird, dass ER mir dort nahe sein wird; dass er mich dort rufen wird zur Begegnung mit IHM. Wenn ich lerne von seiner Phantasie und von seiner Einfühlung wird dies meine Achtsamkeit verlebendigen.

Und dann die Botschaft, dass ich für andere zum Stern werden soll, der sie zu IHM hinführt. Jetzt ist der Mitmensch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und ich darf Werkzeug sein und Band, mit dem der Herr andere an Sich zieht; und Licht, das ich leuchten  darf und Kraft, die ich vermitteln kann.

Schließlich eine letzte Botschaft in der Einladung, welche Gaben ich dem Kind schenken könnte. Bedenken wir dabei, dass die Sterndeuter vor den drei Gaben niedergefallen sind und dem Kind gehuldigt haben. Schenken wir dem Kind vor allem anderen herzliche Anbetung und Huldigung – damit schenken wir uns selber und machen ihm und seiner Mutter damit wohl die größte Freude. Amen!


II
 

Dazumal als Jesus geboren wurde, ging Gott mit sich zu Rate und überlegte, welchen Stern er denn auswählen solle, damit er die Geburt seines Sohnes auf Erden am Himmelszelt bezeuge. So versammelte er die Sterne des Himmels, um sich einen davon auszuwählen für diese hohe Aufgabe.

Natürlich wollte jeder der Sterne der Auserwählte sein; alle haben sich um Gott gedrängt und sich für diese außerordentliche Mission angepriesen:



Da war zum Beispiel der Stern Alpha. Er bettelte Gott: Nimm mich für diese Aufgabe! Ich strahle heller als die übrigen Sterne. Tag und Nacht bin ich bemüht um meinen hellen Schein. Unablässig poliere ich mich, damit auch nicht der leiseste Schimmer verloren geht und auch nicht die kleinste Trübung mein Leuchten beeinträchtigt. Mein Leuchten kann sich fast mit der Sonne messen!

Wisst ihr was Alpha übersetzt heißt? Es bedeutet: Ich zeig' mich gern!



Und dann war da der Stern Beta. Er bestürmte Gott: Nein, nimm mich! Ich habe nämlich die schönsten Sternzacken von allen übrigen Sternen. Tag und Nacht feile ich an meinen Sternspitzen, damit sie nicht stumpf werden und wie Kristallnadeln in die Nacht hineinstechen. Mein Sprühen und Glitzern bezaubert den Himmel.

Wisst Ihr, was Beta übersetzt heißt? Es bedeutet: Ich hab' mich gern!



Und dann war da noch der Stern Gamma; er bat Gott ganz inständig: Nimm doch mich! Ich leuchte so lang wie keiner von den anderen. Tag und Nacht mache ich Konditionstraining im Leuchten. Frühabends bin ich der erste Stern, der zu leuchten beginnt und spätmorgens der letzte Stern, der verlöscht. Ich habe von allen den längsten Lichtatem.

Wisst ihr, was Gamma übersetzt heißt? Es bedeutet: Ich lieb' mich sehr!



Gott hört sich seine Sterne an. Er sinnt nach. Er scheint nicht recht zufrieden mit dem, was seine Sterne ihm anbieten. Er lässt seinen Blick über die schier endlose Schar seiner Sterne schweifen – und wie er so schaut, erblickt er am Rande der großen Schar ein glimmendes Sternchen, das sich bisher noch gar nicht zu Wort gemeldet hat. Gott ruft es zu sich und fragt nach seinem Namen.



"Omega heiße ich", antwortet das Sternchen.

"Warum hast du dich noch nicht zu Wort gemeldet", fragt Gott es.

"Ach, weißt Du", erwidert es, "ich bin recht eigentlich kein Stern sondern nur eine Sternschnuppe. Mein Glanz kann sich nie und nimmer mit dem dieser wunderbaren Sterne vergleichen und auch meine Lebensdauer ist sehr beschränkt, meine Aufgabe ist es, aufzugehen und wieder zu verlöschen. In der kurzen Zeit meines Leuchtens freue ich mich so gut ich kann an der wunderschönen und vielfältigen Pracht deiner Sterne."



Da blickt Gott das Sternchen lange an und ein Leuchten in seinen Augen sagt: Nun habe ich den richtigen Stern gefunden!

Du, Omega, wirst die Geburt meines Sohnes vom Himmel her den Menschen verkünden.

Du bist dafür am geeignetsten: denn Du kannst dich über andere freuen und taugst am besten, anderen Freude zu bereiten.

Du hast die Freiheit, zu kommen und wieder zu gehen;

Du stellst nicht dich selbst in den Mittelpunkt und bist so fähig und bereit, auf einen anderen hinzuweisen.

Du hast ein Feuer, das den anderen fehlt und ein Leuchten, mit dem die anderen nicht mithalten können: das leuchtende Feuer der Liebe.

Und genau dieses Feuer passt zu meinem Sohn, denn er ist meine fleischgewordene Liebe zu den Menschen.



So kam es, dass das Sternchen Omega in den Tagen der Geburt Jesu am Himmel aufgeleuchtet ist; es führte die Weisen aus dem Osten hin zu Jesus; es bereitete diesen Weisen eine große Freude; und als die Weisen Jesus gefunden haben ist das Sternchen Omega wieder verschwunden. Jedoch erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand, das Sternchen Omega sei nicht eigentlich verschwunden - es leuchte vielmehr in Jesus weiter!



Wisst ihr, was Omega übersetzt heißt? Es bedeutet: Ich bin der Letzte! Amen!

(Autor unbekannt)



(Gehalten zu Epiphanie 1994)

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