Samstag, Januar 07, 2012

Du, mein geliebter Sohn

 
Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1: 7 – 11

In jener Zeit
7trat Johannes in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.
8Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
9In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
10Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. 
11und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.





„Du bist mein geliebter Sohn“ – da spricht offensichtlich ein Vater, einer zudem, der an seinem Sohn Gefallen hat. Aber was ist es, das den Sohn gefällig macht? Was hat er vorzuweisen, das dem Vater gefällt?

Da ist einmal der Umstand, dass Jesus sich mitten unter den Sündern anstellt für die Taufe durch Johannes. Jesus in übler Gesellschaft. Jesus, der keine Berührungsängste hat diesen Leuten gegenüber. Er benimmt sich gerade so als ob er sich wohl fühlte in ihrer Mitte, als gehörte er zu ihnen, als wäre er einer von ihnen. Das werden ihm dann die Pharisäer und die Schriftgelehrten vorwerfen: „Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen!“ (Lk 15:2) Diesen Vorwurf wird Jesus dann mit der Geschichte vom barmherzigen Vater beantworten. Im Namen eben dieses Vaters kommt Jesus zu den Sündern, um ihr Herz anzurühren und zur Umkehr zu bewegen und sie in ein neues Leben zu führen. Allein das wäre schon Grund zum Wohlgefallen an Jesus, weil der so gründlich den Willen seines Vaters erfüllt.

Aber eigentlich macht nicht das Jesus gefällig, was er tut oder was er hat oder wo er ist. Sonder, dass er geliebt ist von seinem Vater – das ist es: die Liebe macht gefällig, die bedingungslose Liebe. Eine Liebe, die jeder Leistung zuvorkommt. „Du bist mein geliebter Sohn“ – das gilt unbedingt und grenzenlos. Jesus erfährt sich auf eine überwältigende Weise von Gott geliebt; erfährt Gott auf hervorragende Weise als seinen Vater; erlebt von einem Augenblick zum anderen eine einmalige Beziehung zu Gott.

Wie nun diese Liebe Gottes einerseits völlig unverdient aus seinem Herzen quillt wird sie andererseits zur Quelle von allem, was Jesus fortan in Wort und Tat wirken wird. In dieser geschenkten Liebe gründet die Gewalt seines Wortes ebenso wie seine machtvollen Zeichen und Wunder; in ihr gründet sein Dasein unter uns sündigen Menschen; in ihr gründet sein Leiden, Sterben und Auferstehen; in ihr die Ausgießung des hl. Geistes und seine immerwährende Gegenwart bis ans Ende der Zeiten! Was in der Kindheitsgeschichte Jesu bisher über ihn gesagt wurde bricht nun in ihn selber ein und zugleich aus ihm heraus und verwirklicht sich fortan in seinem Erlösungswirken, wie es uns die Evangelien berichten.

Es ist gerade so wie im Frühjahr, wenn durch das Öffnen der Schleusen das Wasser in die Wiesen geleitet wird, um das Wachstum zu fördern. Dieses Schleusenöffnen haben wir in den vergangenen Tagen der Weihnacht gefeiert: Da haben sich die Schleusen des Himmels geöffnet – so können wir das Aufreißen des Himmels bei Jesaja verstehen – und wie der Tau herab auf das trockene Land so kam Gott herab zu uns Menschen, um einer von uns zu werden.

Es will was sagen, dass all dies mit Jesus am Jordan geschieht bei der Taufe jener, die sich als Sünder erkennen und reumütig die Vergebung ihrer Schuld annehmen und ein neues Leben beginnen: Sein Geliebtsein und die Fülle des Hl. Geistes soll er an einem ganz bestimmten Ort im wahrsten Sinn des Wortes ausleben – dort, wo diese Liebe und dieser Hl. Geist gebraucht werden: bei den Sündern, den Schwachen, den Armen – eben den Ungeliebten. Es will Jesus selber zu verstehen geben: Bei diesen Armen ist mein Platz; bei ihnen muss ich sein um das Wort des Propheten Jesaja zu verwirklichen: „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln.“ (Jes 42:3f.)

Auf der anderen Seite ist es auch für die Leute bedeutsam, dass dies alles mit Jesus in ihrer Mitte geschieht: Sie sollen erkennen, dass nicht nur dieser Jesus zu ihnen gehört sondern auch sie zu ihm gehören. Wie sein Platz in ihrer Mitte ist so ist ihr Platz bei ihm. Was hilft es zu wissen, dass Jesus zu mir gesandt ist ich ihm gegenüber verschlossen, distanziert und fremd bleibe? Gar nichts, denn seine Liebe kann mich nicht erreichen und wandeln.

Heute wird Jesus wie eine prachtvolle Silvesterrakete gezündet um seither Menschheit und Welt in seine schöne, heilsame Liebe zu tauchen. Denn in seinem geliebten Sohn hat Gott uns alle lieb als seine Töchter und Söhne. Wie Jesus uns gleich geworden ist in der menschlichen Gestalt so möge unser Inneres neu geschaffen werden nach seinem Bild, so dass Gott dann in uns lieben kann, was er in seinem eigenen Sohne liebt. Amen!

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